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Letzte Aufnahme vom Filmset : Film-Beleuchter sieht Fehler bei Verantwortlichen am Set

  • Aktualisiert am

Eine Gedenkfeier am 24. Oktober 2021 zu Ehren von Halyna Hutchins - der Kamerafrau, die beim Dreh zu Alec Baldwins Film erschossen wurde. Bild: AP

Der Kollege von Halyna Hutchins habe direkt neben ihr gestanden, als sie erschossen wurde, erklärte er auf Facebook. Dazu lud er ein Foto der letzten Szene hoch. An diesem Mittwoch findet die erste Pressekonferenz zu den laufenden Ermittlungen statt.

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          Viele Fragen sind nach dem Tod einer Kamerafrau bei einem Filmdreh mit Hollywood-Star Alec Baldwin noch offen. Nun könnte es erste Antworten geben. Am Mittwoch (Ortszeit) wollen die Behörden in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexiko erstmals öffentlich in einer Pressekonferenz zu den laufenden Ermittlungen Stellung nehmen.

          Die zuständige Bezirks-Staatsanwältin Mary Carmack-Altwies sagte vorab in einem Interview mit der „New York Times“, dass auch eine Strafverfolgung in dem Fall möglich sei. „Wir haben noch nichts ausgeschlossen“, wurde Carmack-Altwies am Dienstag von der Zeitung zitiert. „Zu diesem Zeitpunkt ist alles, einschließlich strafrechtliche Anklage, auf dem Tisch.“ Im Mittelpunkt stünden derzeit ballistische Untersuchungen, um zu klären, welche Art von Munition verwendet wurde und wie sie in die Waffe hineinkam.

          Bei dem Vorfall während der Dreharbeiten zu dem Western „Rust“ auf einer Filmranch in New Mexico war am vorigen Donnerstag die 42 Jahre alte Chef-Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzt worden. Hauptdarsteller Baldwin (63) hatte die Waffe bei der Probe für eine Szene abgefeuert. Laut einem Polizeibericht hatte der Regieassistent dem Schauspieler bei der Übergabe der Pistole gesagt, dass es sich um eine „kalte Waffe“ ohne Munition handele. Der Assistent habe nach eigener Aussage nicht gewusst, dass eine Patrone in der Waffe steckte.

          Die letzte Aufnahme, bevor die Kamerafrau Halyna Hutchins erschossen wurde. Zu sehen ist die Kirche am Filmset, in der Alec Baldwin drehte.
          Die letzte Aufnahme, bevor die Kamerafrau Halyna Hutchins erschossen wurde. Zu sehen ist die Kirche am Filmset, in der Alec Baldwin drehte. : Bild: Serge Svetnoy/Facebook

          Regisseur Joel Souza (48) war bei dem Zwischenfall an der Schulter verletzt worden, konnte das Krankenhaus aber wenig später wieder verlassen. Souza stand zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls hinter der Kamerafrau. Die Dreharbeiten für den Western wurden ausgesetzt.

          Carmack-Altwies zufolge könnten sich die Ermittlungen über Wochen oder Monate hinziehen, ehe es zu einer möglichen Anklage kommen könnte. Es habe „große Mengen“ von Munition am Set gegeben, sage die Staatsanwältin der „New York Times“. Nach Angaben der Polizei seien bei der Durchsuchung des Drehorts drei Revolver, gebrauchte Patronen und Munition unter anderem in Schachteln, lose und in einer Gürteltasche gefunden worden.

          Der Regieassistent, der Baldwin die Waffe übergab, sei 2019 wegen eines ähnlichen Vorfalls bei einem Film entlassen worden, berichteten zahlreiche US-Medien. Bei dem Dreh zu „Freedom’s Path“ sei damals ein Tontechnik-Mitarbeiter leicht verletzt worden, nachdem unerwartet eine Requisitenwaffe losgegangen sei, hieß es unter Berufung auf die Produktionsfirma des Films.

          Kritik wurde nach Medienberichten auch an der 24 Jahre alten Waffenmeisterin laut, die für die ordnungsgemäße Handhabung aller Waffen am Set zuständig war. „Rust“ war erst der zweite Film, an dem sie in dieser Funktion beteiligt war.

          Vermutungen über laxe Sicherheitsvorkehrungen wurden auch von einem Bericht der Nachrichtenseite „The Wrap“ gestützt, wonach einige Crewmitglieder in ihrer Freizeit angeblich scharfe Munition benutzten, um auf Bierdosen zu schießen. Die Quellen wurden nicht namentlich genannt. Demnach hätte ein derartiges Zielschießen am Morgen, wenige Stunden vor dem tödlichen Vorfall am Set, stattgefunden, sagte „The Wrap“-Journalistin Sharon Waxman dem Sender CNN. Eine dieser Waffen sei später am Set an Baldwin weitergereicht worden.

          Der Beleuchter Sergey Svetnoy lud ein Foto von der letzten Einstellung am Set hoch, bevor Halyna Hutchins erschossen wurde. In einer langen Bekundung auf Facebook erklärte er, dass er neben ihr gestanden habe, als der Schuss fiel und sie gehalten habe, als sie bereits im Sterben gelegen habe.

          Er sehe den Fehler klar darin, dass die Verantwortlichen am Set, ihren Pflichten nicht nachgekommen seien: „Die Person, welche die Waffe vor Ort hätte überprüfen sollen, hat dies nicht getan. Die Person, die hätte melden müssen, dass es eine geladene Waffe vor Ort gab, hat dies nicht getan. Die Person, die die Waffe hätte überprüfen müssen, bevor sie an den Drehort gebracht wurde, hat dies nicht getan.“ Auch richtete er sein Schreiben an die Produktionsfirma selbst, die lieber Geld gespart hätte, als für ausreichende Sicherheit zu sorgen: „Um einen Cent zu sparen, stellt man dann Leute ein, die für diesen komplizierten und gefährlichen Job nicht voll qualifiziert sind. Damit stellt man nicht nur das eigene Leben aufs Spiel – man riskiert auch das Leben umstehender Personen.“

          Svetnoy sprach sein Beileid nicht nur der Familie Hutchins’ aus, sondern auch Baldwin: „Er muss nun mit dem Gedanken leben, dass er wegen unprofessioneller Leute einem Menschen das Leben genommen hat.“

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