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Ägypten : Die Loyalität des Generals

  • -Aktualisiert am

Bild: David Smith

Muhammad Mursi vertraute dem Armeechef bis zuletzt und hielt ihm die Treue. Geholfen hat es dem gestürzten islamistischen Machthaber nichts: Abd al Fattah Sisi hat das Rad der Revolution in Ägypten zurückgedreht.

          Der Präsident vertraute Abd al Fattah Sisi bis zum Schluss. Selbst als die engsten Berater von Muhammad Mursi längst davon überzeugt waren, dass der ägyptische Armeechef an seiner Absetzung arbeite, hielt er ihm die Treue. Geholfen hat es dem gestürzten islamistischen Machthaber nichts: Nur elf Monate nachdem Mursi den Chef des Armeegeheimdienstes an die Spitze der ägyptischen Streitkräfte beförderte, drehte Sisi den Spieß um und setzte ihn Anfang Juli einfach ab.

          Nun ist der 58 Jahre alte Sisi der erste Mann im Staat, unabhängig davon, was in wohlformulierten Verfassungserklärungen stehen mag. Er zählt zu den wenigen Menschen in Ägypten, die wissen, an welchem Ort der gestürzte Staatschef festgehalten wird. Das Rad der langen ägyptischen Revolution hat Sisi mit dem Putsch wieder ein Stück zurückgedreht, die Restauration autoritärer Herrschaft setzt sich unter seiner Führung fort. Als Mursi vor einem Jahr sein Amt antrat, verspottete man ihn noch als Marionette der Militärs. Doch dann wurden auf dem Sinai 16 Grenzpolizisten getötet, und der erste zivile Präsident Ägyptens tauschte die Armeeführung aus. Viele sahen das als seinen eigentlichen Amtsantritt.

          Ein Mittelsmann der Muslimbrüder?

          Nach außen hin demonstrierte Sisi danach Geschlossenheit mit dem Präsidenten. Anfangs äußerten Beobachter den Verdacht, er sei der Mittelsmann der Muslimbrüder in den Streitkräften - eigentlich historische Gegner seit der Revolution der jungen Offiziere um Gamal Abdel Nasser, der viele Islamisten verhaften und hinrichten ließ. Zugleich gilt Sisi als großer Verehrer Nassers, unter dem die Armee erst zu der staatstragenden Instanz wurde, die sie bis heute ist. 94 Prozent der Ägypter vertrauen ihr einer aktuellen Umfrage zufolge, mehr als jeder anderen Institution.

          Die starke Rolle Sisis trägt dem Rechnung, das temporäre Primat der Politik über das Militär ist wieder beendet: Mursis Nachfolger, der farblose Verfassungsrichter Adli Mansur, bleibt ein Präsident auf Gnaden des Militärs. Und das tanzt inzwischen ganz nach Sisis Pfeife. Denn auch wenn der sechs Jahre nach dem ersten arabisch-israelischen und zwei Jahre vor dem Suez-Krieg geborene General nicht über die Kampferfahrung seiner Vorgänger verfügt, hat er sich in kurzer Zeit Respekt verschafft. Unermüdlich war er in den vergangenen Monaten unterwegs, um auf Veranstaltungen mit jungen Kommandeuren den Korpsgeist der Truppe zu stärken.

          Ironie der Geschichte: Ohne Mursis Zutun wäre er so jung nie so weit gekommen. Sein Vorgänger Muhammad Hussein Tantawi war 76, als er entmachtet wurde. Fast die gesamte Führungsriege der Streitkräfte bezieht ihren Stolz aus dem Oktober-Krieg gegen Israel 1973. Sisi nicht, er war damals erst 18. Unmittelbar nach dem Sturz Husni Mubaraks im Februar 2011 wurde er als jüngstes Mitglied in den Obersten Militärrat berufen. Kurze Zeit später folgte die Beförderung zum Chef des militärischen Nachrichtendienstes.

          Klassischer Karriereweg

          Zuvor hatte er den klassischen Karriereweg ägyptischer Offiziere durchlaufen: 1977, zwei Jahre vor dem historischen Friedensschluss Anwar el Sadats mit Menachem Begin, Abschluss der Ausbildung an der ägyptischen Militärakademie, danach Fortbildungen in den Vereinigten Staaten und Großbritannien; 2006 Abschluss in Strategischen Studien am amerikanischen War College in Pennsylvania; in der Folge kommandierender General für Nordägypten und den Sinai mit Sitz in Alexandria.

          Eine Eliteausbildung, die ihn für Höheres berief. Nach seiner Ernennung zum Oberkommandierenden vor einem Jahr betonte er noch, „die Effizienzsteigerung der Streitkräfte“ sei sein oberstes Ziel. Doch so politikfern, wie er sich gab, war er nie. Als General auf dem Sinai, das bis heute den Bestimmungen des Camp-David-Abkommens unterliegt, kam er um Absprachen mit Israel nicht herum. Als Militärattaché in Saudi-Arabien lernte er die Gepflogenheiten arabischer Diplomatie kennen.

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