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Absturz von Spaceship Two : Eine Katastrophe für die private Raumfahrt

  • Aktualisiert am

Ein amerikanischer Fernsehsender verbreitet erste Bilder von der Absturzstelle Bild: AP/KABC TV

In wenigen Monaten sollte Spaceship Two Privatreisende ins All fliegen. Nun fiel es bei einem Test wie ein Stein vom Himmel. Der Weltraumtourismus fällt in ein schwarzes Loch.

          Es ist die Verheißung der Zukunft: Touristen steigen in ein Raumflugzeug und heben ab ins Weltall. Einmal erleben, was fast nur den Astronauten vorbehalten ist: In der Schwerelosigkeit schweben, den ungetrübten Blick auf die Sterne genießen. Es ist der Traum vieler Menschen. Es dürfte vorerst ein Traum bleiben.

          Das Raketenflugzeug war am Freitag um 9:18 Uhr morgens (Ortszeit) unter einem Trägerflugzeug hängend vom Flugplatz in der kalifornischen Stadt Mojave, etwa 160 Kilometer nordöstlich von Los Angeles, gestartet. Der Träger, ein mit vier Düsentriebwerken ausgerüstetes Doppelrumpfflugzeug, brachte Space Ship Two anschließend in eine Höhe von etwa 15 Kilometern. Dort wurde das größtenteils aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellte Raketenflugzeug ausgeklinkt und trennte sich vom Trägerflugzeug. Kurz danach starteten die beiden Piloten das Raketentriebwerk des 18 Meter langen Space Ship Two. Innerhalb von 70 Sekunden sollte es das Flugzeug auf eine Geschwindigkeit von mehr als 4200 Kilometern pro Stunde beschleunigen. Was bei früheren Testflügen gelang, endete am Freitag allerdings in einer Katastrophe. Wenige Sekunden nach dem Zünden explodierte das Triebwerk und zerriss das Flugzeug in der Luft.

          Der Absturz des „SpaceShipTwo“ in der kalifornischen Mojave-Wüste am Freitag ist eine Katastrophe für den Weltraumtourismus, den manche als eine Milliardenindustrie der Zukunft ansehen. Der extrovertierte britische Milliardär Richard Branson wollte seine Raumkapsel mit Raketenantrieb eigentlich nächstes Frühjahr mit Passagieren ins All schicken. Es sollte der Beginn einer neuen Ära der Menschheit sein.

          Seit Jahren fachte er die Aufbruchstimmung in der Branche an. Sein Unternehmen Virgin Galactic verkaufte nach eigenen Angaben bereits fleißig Tickets. Trotz einer Gebühr von 250.000 Dollar (200.000 Euro) sollen sich mindestens 700 Neugierige einen Platz an Bord gesichert haben, darunter viel Prominenz aus der Film- und Geschäftswelt. Sie alle lockte die Aussicht, einmal die in 100 Kilometern Höhe liegende Weltraumgrenze überwinden zu können.

          Im amerikanischen Bundesstaat New Mexiko bauten Branson und seine Geschäftspartner für 29 Millionen Dollar den Weltraumbahnhof „Spaceport America“ mit einer drei Kilometer langen Piste. Bei einer Eröffnungsfeier 2010 bezeichnete der Milliardär den Bau als „das neue Zuhause des Weltraumflugs“. Sein Enthusiasmus riss viele mit.

          Doch über die Jahre wuchsen auch die Zweifel. Das Projekt erlebte eine Verzögerung nach der anderen. Nicht nur Raumfahrt-Fans, sondern auch Branson wurden immer ungeduldiger. „Ich würde bitter enttäuscht sein, wenn ich nicht vor dem Ende dieses Jahres im Weltall bin“, sagte er vor zwei Monaten in einem Interview. „Wir machen noch drei weitere Raketentests und dann sollte es losgehen.“

          Nun zerschellte „SpaceShipTwo“ bei einem dieser Tests. Es war der erste mit einer Raketenzündung seit Januar. In der langen Pause sollen der Motor und die Treibstoffmischung verändert worden sein. Das Trägerflugzeug „WhiteKnightTwo“ brachte es auf rund 15 Kilometer Höhe und entließ es zum Freiflug. Doch die Raketenzündung ging schief, die Kapsel fiel auf die Erde wie ein Stein. Ein Pilot starb, der andere konnte sich mit dem Fallschirm retten.

          Natürlich kommen nun Fragen auf, ob die Unternehmer hinter der Idee zu sehr aufs Tempo gedrückt haben. Ob die Tests ausreichend gewesen sind. Ob das Leben der Testpiloten überhastet aufs Spiel gesetzt wurde. Über die Ursache machten die Verantwortlichen zunächst keine klaren Angaben. Branson selbst kündigte an, sofort zu seinem Team in Kalifornien zu fliegen. Er wird viel Erklärungsarbeit leisten müssen.

          Im amerikanischen Fernsehen sprachen Experten von einem schlimmen Rückschlag für die private Raumfahrt. Andere bezeichneten den Absturz sogar als Todesstoß für den Weltraumtourismus. Solche Reaktionen sind unter dem Eindruck einer Katastrophe nicht ungewöhnlich. Doch nachdem gerade mal drei Tage zuvor der unbemannte amerikanische Raumtransporter „Cygnus“ Sekunden nach dem Start explodiert war, ist die Debatte über die kommerzielle Raumfahrt nicht mehr zu stoppen.

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