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Journalist werden : Viele Wege zum Traumberuf

Etwa 80 Prozent der Berufseinsteiger im Journalismus absolvieren ein Volontariat. Bild: Frank Röth

Journalist werden funktioniert heute ganz anders als früher. Damals begannen Jungredakteure mit Schwarzbrot-Meldungen, heute gewinnen sie schon früh Reportagepreise.

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          Als Georg Giersberg 1982 begann, als Journalist zu arbeiten, gab es noch kein Volontariat, jedenfalls nicht in der F.A.Z., wo er seine erste und bislang einzige Redakteursstelle hatte. „Jungredakteure bekamen einen altgedienten Kollegen an die Seite und mussten erst mal Schwarzbrot-Meldungen schreiben“, sagt er. Im Bewerbungsverfahren sei vor allem darauf geachtet worden, „dass man inhaltlich was gelernt hatte“.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Das hatte er: eine Lehre zum Industriekaufmann absolviert und dann noch BWL studiert. Der damalige Herausgeber habe es geschätzt, „dass ich Rücklagen von Rückstellungen unterscheiden konnte und mich ansonsten noch keine andere Zeitung verdorben hatte“, sagt Giersberg, der bis heute vor allem über betriebswirtschaftliche Themen schreibt und unter anderem die Seite „Der Betriebswirt“ betreut. Im Bewerbungsgespräch habe der Geschäftsführer zu ihm gesagt: ,Sie haben eine Lehre gemacht, in der Bundeswehr gedient und waren im RCDS – Sie sind eingestellt.‘ So war das damals.“

          Die Karrierewege, die junge Menschen mit dem Ziel Journalismus durchlaufen, haben sich seit den achtziger Jahren – und auch schon davor – grundlegend geändert, nicht nur im Hause F.A.Z. „Nach dem Krieg gab es viele Quereinsteiger“, sagt Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV). Der Karriereweg sei zunächst komplett informell gewesen. „Nachdem das Volontariat aufkam, wurde das zum Goldstandard.“ Seit 1990 sind Volontariate in Tageszeitungen tarifvertraglich geregelt; auch die F.A.Z. bildet seit 1988 ihre eigenen Volontäre aus. Insgesamt gibt es in Deutschland nach DJV-Angaben rund 3.000 Volontärsplätze, mit rund 1.200 die meisten in Tageszeitungen.

          Wieder mehr Quereinsteiger

          Auch jenseits des Volontariats, das gut 80 Prozent der journalistischen Berufseinsteiger absolvieren, haben sich die Berufswege tendenziell formalisiert, sagt Überall. Trotzdem gebe es Quereinsteiger, es würden heute sogar wieder mehr. Auch weil sich die Arten der Berichterstattung stark diversifiziert haben. Heute muss auch ein Printjournalist in der Lage sein, auch mal einen O-Ton fürs Internet mitzuschneiden. Sehr viele sind in den sozialen Medien aktiv und nutzen sie für ihre Recherchen. „Auch der Bereich Gaming wird in Zukunft wichtiger werden“, sagt Überall. Es sei vorstellbar, dass künftig Journalisten ihrer Zielgruppe Inhalte spielerisch nahebringen werden.

          Manches ist aber doch formeller: Heute hat der Großteil der Journalisten ein Studium absolviert; in den fünfziger Jahren keine Selbstverständlichkeit. Neben Volontariaten gibt es mittlerweile auch zahlreiche Journalismus-Studiengänge. Auch Überall ist Dozent an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft und somit ein bisschen vorbelastet, wenn er sagt, dass sich der Ruf des Journalismus-Studiums verbessert habe. Einst galt es als praxisfern und ungeliebt in den Redaktionen, tatsächlich arbeiten mittlerweile immer mehr Studiengänge ganz ähnlich wie Journalistenschulen, die schon länger einen besseren Ruf genießen.

          Nach Angaben des DJV gibt es in Deutschland insgesamt 22 Journalistenschulen; viele von ihnen in der Hand von Verlagen, etwa die Henri-Nannen-Schule, in der Gruner + Jahr und der Zeit-Verlag Jungredakteure ausbilden, oder die Holtzbrinck-Schule, wo der Nachwuchs für den Handelsblatt-Verlag lernt. Eine der ältesten, verlagsunabhängigen Journalistenschulen ist die Deutsche Journalistenschule (DJS) in München, die lange recht allein auf weiter Flur war.

          Es folgte die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft, die vornehmlich Wirtschaftsjournalisten ausbildet und das mit einem Hochschulstudium mit wirtschaftlichen Inhalten verbindet. Wie auch die meisten Konkurrenz-Ausbildungsgänge kämpft sie mit sinkenden Bewerberzahlen, räumt ihr Vorsitzender Ulric Papendick ein. Allerdings sei der Bewerberandrang nie so riesig gewesen, wie zum Beispiel an der Münchner DJS, weil die Ausrichtung auf Wirtschaftsjournalismus schon immer „einigen zu speziell war“.

          Für den ganzen Berufsstand gelte aber: „Zwar finden heute nach wie vor viele junge Menschen den Beruf faszinierend, sie sehen aber Sparwellen in Verlagen und die wirtschaftlichen Zwänge, unter denen die Branche steht.“ Wer heute Journalist werden wolle, sei meist intrinsisch motiviert und sehe den Beruf als Beitrag zu einer offenen, demokratischen Gesellschaft. Kein klassischer Traumberuf, dennoch einer, von dem so mancher träumt.

          Tief mit ihrem Berufsziel auseinandergesetzt hat sich auch Anna-Lena Niemann. Sie ist seit 2018 Volontärin in der F.A.Z.; Zukunftssorgen hätten sie „auf gar keinen Fall“ von ihrem Berufsziel abhalten können. „Ich fand immer so viel gleichzeitig interessant: Literatur, Biologie, Psychologie – Journalistin ist der einzige Beruf, der mir die Chance gibt, in die verschiedensten Themen reinzugucken.“ Auch am Volontariat schätzt sie die Vielfalt: Das Haus in Stationen durchlaufen, Schreibseminare besuchen und einen Reportagekurs. Eines ihrer Werke daraus, das sie zusammen mit ihrem Volontärskollegen Tim Niendorf verfasst hat, hat kürzlich sogar einen Preis gewonnen. Jetzt freut sich Niemann darauf, nach ihrer Ausbildung in der F.A.Z. ihre erste Redakteursstelle dort anzutreten. „Es ist der Beruf, nach dem ich immer gesucht hatte.“

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