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Redakteurinnen der F.A.Z. : Hundertdrei von 357

Mittlerweile zum Glück kein ungewöhnlicher Anblick mehr: zwei Redakteurinnen der F.A.Z. Bild: Frank Röth

Vor zwanzig Jahren waren Frauen in der F.A.Z.-Redaktion äußerst wichtig – jedoch waren sie klar in der Minderheit. Heute werden es immer mehr Redakteurinnen, ihr hoher Stellenwert ist gleich geblieben.

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          Mein Leben lang wurde ich gefördert. Von Männern und von Frauen, wobei ich selbst diese Unterscheidung nie getroffen habe. Sie kam mir nicht in den Sinn. 1970 als Tochter einer Übersetzerin geboren, die in fünf Sprachen dolmetschte, war für mich als Schülerin der achtziger Jahre Benachteiligung kein Thema, Gleichberechtigung schien selbstverständlich. Und so, wie ich es zu Hause vorgelebt bekam, wurde uns Mädchen auch in der Schule die Welt versprochen, die wir, na klar, erobern würden. Wir wurden gefeiert, wenn wir laut überlegten, Astronautin zu werden, Wirtschaftsingenieur oder Physik zu studieren.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Nach dem Studium kam ich 1999 zur F.A.Z. Wenn ich heute nachzähle, wie viele Redakteurinnen wir damals waren, komme ich auf etwa ein Viertel aller Kollegen. Das ist wenig, vielleicht tatsächlich weniger, als es hätte sein können. Aber so fühlte es sich damals nicht an. Denn die Frauen, die schon bei der Zeitung waren, prägten ihrerseits maßgeblich das Blatt. Sie waren publizistisch alles andere als unterrepräsentiert. Schon damals leiteten Frauen Ressorts, wie Rose-Maria Gropp oder Felicitas von Lovenberg. Sie saßen im „Denkerflügel“, wie Heike Schmoll, oder sie waren Korrespondentinnen: wie Carola Kaps für die Wirtschaft in Washington, Christiane Hoffmann oder Petra Kolonko für die Politik in Moskau und Peking.

          Verena Lueken vertrat das Feuilleton in New York, Gina Thomas tut das bis heute in London. Um nur einige zu nennen. Korrespondentin zu sein, war ganz sicher kein Abschiebeposten, sondern im Gegenteil eine besondere Auszeichnung, die Kenntnis voraussetzt und mit der hohen Verantwortung verbunden ist, die Leser der F.A.Z. über ein Land, manchmal eine Weltregion zu unterrichten.

          Die Redaktion lebt von der Vielfalt

          Einige dieser Redakteurinnen gehören zu den Namen, die unsere Zeitung über die Grenzen hinaus groß gemacht haben. Dabei brauche ich nur an die Autorin Hilde Spiel zu denken, die für die F.A.Z. aus Wien berichtet hat, oder an die längst berühmte Fotografin Barbara Klemm. Frauen besetzen Schlüsselpositionen, wie Elena Geus als Chefin vom Dienst. Sie sind, wie Heike Göbel als verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, für ihr Urteil weithin geschätzt.

          Inzwischen sind zwei Jahrzehnte vergangen, und die Frauen machen ein knappes Drittel der Redaktion aus. Sie prägen unsere Zeitung elementar. Wenn sie, wie die Astrophysikerin Sibylle Anderl, den Weltraum bespielen oder wie Katharina Iskandar dem Verbrechen in allen Schattierungen nachgehen. Wenn sie angriffslustig die Bundespolitik kommentieren wie Helene Bubrowski oder das Steuerrecht fest im Griff haben wie Corinna Budras. Dass das derzeit jüngste Mitglied der Redaktion, die 25 Jahre alte Politikredakteurin Julia Anton, eine Frau ist – auch kein Zufall.

          Nach den Krisen für die Zeitungen 2001 und 2008 konnten für einige Zeit kaum neue Kolleginnen und Kollegen eingestellt werden. Seit sich das zum Glück wieder geändert hat, wächst auch die Anzahl der jungen Redakteurinnen wieder – und das überproportional. In diese Richtung wird es weitergehen. Dabei kann die Genderfrage nur ein Entscheidungskriterium unter mehreren sein, wenn es um die Chemie einer so großen Redaktion geht. Denn unserer Zeitung muss es einerseits darum gehen, der Gesellschaft in ihrer ganzen Vielfalt gerecht zu werden. Andererseits sollte nicht vergessen werden: Leidenschaft, Engagement und journalistisches Ethos sind keine Frage der Quote. Für mich jedenfalls ist diese Redaktion der beste Ort, den ich finden konnte.

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