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Journalismus im Wandel : Qualität statt Klickbaiting

Nicht bloß geschäftlich motiviertes Interesse und wirkliches Zuhören: die FAZ.NET-Redaktion bei der Frühkonferenz. Bild: Frank Röth

In der digitalen Welt müssen Journalisten anders arbeiten, aber Werte bewahren. Warum ein Influencer heute kein Redakteur mehr sein muss und warum der Online-Journalismus zum Perspektivwechsel gezwungen ist.

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          Das Vertrauen der Menschen in die politischen und gesellschaftlichen Institutionen erodiert. Politikern, Managern, Nichtregierungsorganisationen und Medien wird weniger ver- und zugetraut. Zugleich aber haben die Menschen ihre Neugier nicht verloren. Und es gibt mehr Möglichkeiten, den Wissensdurst zu befriedigen: in Podcasts, Videos, alternativen Nachrichtenangeboten zu angestammten Medienmarken.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Verbunden ist diese Entwicklung jedoch auch damit, dass die meisten Menschen Nachrichten inzwischen außerhalb des Kontextes wahrnehmen. Heute ist Wirklichkeit geworden, was der kanadische Medientheoretiker Marshall McLuhan in einem prophetischen Aphorismus schon im Jahr 1964 aufgeschrieben hat: Wir sind „von den Nerven der gesamten Menschheit umgeben. Sie sind nach außen gewandert und bilden eine elektrische Umwelt“.

          Sorgfältig recherchierte Hintergründe und Analysen, pointierte Kommentare, opulente Reportagen und exklusive Meldungen sind mit dem F+-Logo gekennzeichnet.

          Die Entwicklung zwingt Journalisten zu einem Spagat. Die Informationen sollen schnell zu den Lesern kommen, aber ebenso schnell wollen diese viel mehr als nur die Nachricht lesen. Die Einordnung wiederum muss sich im Netz immer häufiger mit der von ausgewiesenen Fachleuten oder auch nur begnadeten Rhetorikern messen lassen, die sich – eben in ihrem eigenen Videokanal, Blog oder Podcast – um nichts anderes kümmern, als um dieses eine Thema, das sie aus dem Effeff beherrschen.

          Mehr als eine Tageszeitung

          Ein „Influencer“ muss heute kein Redakteur mehr sein. Deshalb müssen Rollen neu definiert werden. Wer mit glaubwürdigen Informationen handelt, darf darüber die Empathie für den Leser nicht vergessen. Und wenn Familie, Freunde oder Fremde fragen, wie eine bestimmte Geschichte entstanden ist, wie viel Mühe sich die Redaktion damit gemacht hat, dann interessiert das mehr als in Jahren zuvor: Transparenz und Verlässlichkeit sind die Werte, die für jeden Leser im Netz zählen. So kann man Substanz von Fake News unterscheiden.

          Die Verlässlichkeit, das Vertrauen in den Lieferanten „meiner“ Nachrichten und deren qualitativ hochwertige, unabhängige und differenzierte Einordnung – all dies ist ein Pfeiler der Freiheit, der individuellen wie auch derjenigen, die durch unsere staatliche Ordnung gewährleistet wird. Für die veränderte Medienwelt aber braucht man heute gerade deshalb ein publizistisches Angebot, das für neue Leserschichten leicht verständlich und bequem zu nutzen ist.

          Infografik Der Weg eines Artikels
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          Für unsere Redaktion ist das eine Chance: Denn in voller Unabhängigkeit von Regierungen, Parteien und Interessengruppen entsteht mit ihr seit der Gründung des Blattes vor 70 Jahren viel mehr als eine Tageszeitung. Es sind die besonderen Stücke, welche die F.A.Z. auszeichnen, und eben auch FAZ.NET. Und mit diesen Stücken ist im Netz vor einiger Zeit etwas passiert. Denn sie können nicht einerseits in der Zeitung verkauft, anderseits aber im Internet verschenkt werden. Das wäre ein Geschäftsmodell, das die Verlässlichkeit nicht in die Zukunft trägt.

          Bereitschaft zum Perspektivwechsel

          Aus diesem Grund sind immer mehr Artikel auf unserer Website mit einem „F+“-Logo gekennzeichnet. Es sind sorgfältig recherchierte Hintergründe und Analysen, pointierte Kommentare, opulente Reportagen und exklusive Meldungen, sorgfältig ausgewählt von den Redakteuren vom Dienst von FAZ.NET und einem speziell für Bezahlinhalte zuständigen Kollegen. Es handelt sich um mehr als nur die Nachrichten, die überall zu finden sind. Diese Texte liest man mit dem „F+“-Abo, das 2,95 Euro in der Woche kostet.

          Davon haben sich schon deutlich mehr als 30.000 „F+“-Freunde begeistern lassen – und gemeinsam mit ihnen machen wir eine erfreuliche Erfahrung: Die Leser, die bereit sind, in der digitalen Welt Geld für ihre Nachrichtenquelle zu zahlen, sind genauso anspruchsvoll wie die angestammten Zeitungsleser. Sie wollen nicht enttäuscht werden und haben Macht. Denn wenn sie unzufrieden sind, können sie in einem Angebot mit täglicher Kündigungsfrist sofort Konsequenzen ziehen.

          Das Gegenteil aber passiert. Die treuen „F+“- Leser spüren, dass es um Qualität geht, nicht um Klickbaiting: Durch die Möglichkeit, die Reaktionen der Leser im Netz in Echtzeit zu registrieren und zu beherzigen, werden alle Angebote besser. Nahbarkeit, echtes, nicht bloß geschäftlich motiviertes Interesse und wirkliches Zuhören mit Hilfe der Social-Media-Redaktion, die Bereitschaft zum Perspektivwechsel: Online-Journalismus kann man anders nicht betreiben. Die Leser haben mehr Auswahl, mehr Freiheiten in ihrer Informationsgewinnung. Die digitale F.A.Z. ist das Angebot, das hilft, in dieser Welt die eigene Freiheit im Kopf zu bewahren.

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