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Finanzen in der F.A.Z. : Faszination Nutzwert

Devisen-Notierung an der Frankfurter Börse im Jahr 1969. Bild: Lutz Kleinhans

Der Finanzjournalismus gehört zum Markenkern der F.A.Z. Er reicht weit über die traditionelle Börsenberichterstattung hinaus. Seit der Finanzkrise ist er noch wichtiger geworden.

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          Die Tradition des Finanzjournalismus in der F.A.Z. reicht bis zu ihrer Gründung zurück. Vorangetrieben wurde der Finanzjournalismus in den ersten Jahren vor allem von dem legendären Heinz Brestel, einem umtriebigen und temperamentvollen Journalisten mit einer Passion für die Kapitalanlage und einem beneidenswerten Blick für interessante Geschichten. „Themen liegen auf der Straße“, pflegte er zu sagen und nicht selten ließ er sich durch Spaziergänge und Straßenbahnfahrten in Frankfurt zu Artikeln inspirieren. Brestel hat schon vor Jahrzehnten den Lesern den zeitlos gültigen Rat gegeben, wenigstens ab und zu ernsthaft über die langfristige Kapitalanlage nachzudenken und hierbei die Anlage in Aktien zu berücksichtigen. Bekannt geworden ist Brestel seinerzeit auch mit der provozierenden These, es sei nicht leicht, mit einer Million zu leben.

          Bleibende Verdienste erwarb sich Brestel auch mit der Idee, den deutschen Aktienmarkt durch einen eigenen Aktienindex abzubilden. Der im Jahre 1961 auf der Basis von 100 Werten berechnete F.A.Z.-Aktienindex war über mehrere Jahrzehnte das bedeutendste deutsche Börsenbarometer und wird noch heute, nun aber elektronisch und im Sekundentakt berechnet. Um den F.A.Z.-Aktienindex hat sich im Laufe der Zeit eine kleine Familie mit weiteren Indizes entwickelt, die seit dem Jahre 2011 auch als Grundlage für Finanzprodukte dienen.

          Anders als der Handelsteil der früheren „Frankfurter Zeitung“ konzentrierte sich der Finanzjournalismus in der F.A.Z. von Beginn an nicht auf die Veröffentlichung von Artikeln für Profis, die den Aktienmarkt aus dem Effeff kennen. Er hat sich im Laufe der Jahre konsequent geöffnet und den Umgang der Menschen mit dem Geld in seiner vollen Breite in den Mittelpunkt zu stellen. Meilensteine auf diesem Wege waren die Gründung eines eigenständigen Finanzteils in der F.A.Z. in den späten neunziger Jahren, die etwa gleichzeitig Verpflichtung des Finanzanalytikers Volker Looman, der seit den späten neunziger Jahren mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks im Wochenrhythmus in der F.A.Z. Kolumnen verfasst, und die Einführung des Teils „Geld und Mehr“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung um die Jahrtausendwende.

          Die Themenpalette wurde immer größer

          „Geld und Mehr“ griff weiter aus als traditionelle Finanzteile, weil hier grundsätzlich jedes Thema behandelt werden kann, das den Geldeingang oder den Geldausgang eines privaten Haushalts behandelt. Aber auch im Finanzteil der F.A.Z. wurde die Themenpalette immer größer. Nutzwert wurde, anfangs in der Redaktion durchaus auch kritisch beäugt, als Bestandteil des Qualitätsjournalismus salonfähig.

          Mit dem Ausbruch der großen Finanzkrise im Jahre 2007 und der Eurokrise wenige Jahre danach rückte der Finanzjournalismus auch auf die Titelseiten der Zeitung und des Wirtschaftsjournalismus. Hier ging es nun nicht nur um Nutzwert, sondern um die Erklärung volkswirtschaftlicher, von den Ökonomen lange Zeit vernachlässigte Phänomene: Welche Rolle spielen Finanzströme für die Gesamtwirtschaft? Kann eine Finanzkrise das Banksystem und anschließend die gesamte Wirtschaft in den Ruin führen? Welche Rolle müssen Regierungen und Zentralbanken in der Bekämpfung aktueller und der Verhinderung künftiger Krisen spielen?

          Angst in den Augen der Banker

          Die Krisen jener Zeit verdeutlichten nicht nur den globalen Charakter der modernen Finanzarchitektur, in der eine Bruchstelle auf einem fernen Kontinent innerhalb kurzer Zeit die Stabilität des gesamten Gebäudes benutzen kann. Sie gaben nicht nur Anlass, eine nachwachsende Ökonomengeneration in ihren Versuchen zu beobachten, ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge zwischen Real- und Geldwirtschaft zu entwickeln. Sie schrieben vor allem Geschichten über Menschen, die von den Krisen erfasst wurden, sei es in Griechenland oder an der Wall Street. Wer als Journalist die Angst in den Augen gestandener Banker nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 sehen durfte, wird diese Bilder nicht vergessen.

          Die Jahre seit der Krise haben dem Finanzjournalismus, der sich zunehmend nicht nur in der papiernen Zeitung, sondern auch im Internet bewähren muss, neue Herausforderungen beschert, der er sich in der Tradition der F.A.Z. mit großem Engagement und großem Kenntnisreichtum stellt. In einer Welt sehr niedriger Zinsen stellen sich gerade für ein Land, dessen Bevölkerung gerne Geldvermögen auf Bankkonten hält, große Herausforderungen für die langfristige Kapitalanlage. Zugleich sind sehr stark auf das traditionelle Geschäft mit Einlagen und Krediten ausgerichtete Banken und Sparkassen in einer Zeit sehr niedriger Zinsen vermutlich anfälliger als Banken mit einem starken Kapitalmarktgeschäft. Zu einem sehr wichtigen Thema des modernen Finanzjournalismus hat sich daneben die Regulierung der Finanzbranche entwickelt, die, gut gemeint, hier und da über das Ziel hinausgeschossen ist.

          In einer Welt, in der traditionelle Zeitungshäuser stärker nach Abonnenten in der digitalen Welt Ausschau halten müssen, erweist sich hochklassiger Finanzjournalismus als ein Wettbewerbsvorteil. Sowohl Nutzwert als auch tiefgreifend und klar geschriebene Analysen stoßen auf ein lebhaftes Interesse zahlungsbereiter Leser im Internet. In diesem Sinne verbinden sich in der Geschichte des Finanzjournalismus in der F.A.Z. Tradition und Moderne: Auch wenn sich die Themen und die Darstellungsformen geändert haben mögen, ist der Anspruch, Journalismus auf hohem Niveau anzubieten, geblieben.

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