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Bauen in der Großstadt : „Wäre Frankfurt ein Mannequin, wäre sie hässlich“

Mike Josef und Christoph Mäckler (rechts) auf dem F.A.Z.-Kongress. Bild: Wolfgang Eilmes

Nicht alle der vielen Neubauten in Frankfurt sind ansehnlich. Auf dem F.A.Z.-Kongress diskutierten Experten darüber, wie das zu ändern sein könnte – und wie Musterbeispiele aussehen.

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          Über Schönheit lässt sich streiten. Und erst recht über die Schönheit einer Stadt. „Wäre sie ein Mannequin, müsste man wohl sagen, Frankfurt sei hässlich“, sagte der Architekt Christoph Mäckler auf dem Podium des F.A.Z.-Kongresses, als er zum Thema „Frankfurt soll (noch) schöner werden. Was können Planungspolitik und Architektur dazu beitragen?“ sprach. „Sieht man die Stadt allerdings als einen geistig denkenden Menschen, so kann man sie durchaus als schön bezeichnen.“ 

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Wie in kaum einer anderen Stadt in Deutschland wird so viel gebaut. In die Höhe, in die Fläche. Nicht alles, was dabei entsteht, ist ansehnlich. Zu diesem Schluss kam auch Matthias Alexander, Ressortleiter der Rhein-Main-Zeitung, der die Veranstaltung moderierte. Welche Macht ein Planungsdezernent habe und wie bereit er sei, sie auch einzusetzen, um gewisse Entscheidungen zu verhindern, wollte er von Stadtrat Mike Josef (SPD) wissen.

          Josef gab zu, dass nicht die Auseinandersetzung mit den Architekten in der Regel das Problem sei, sondern oft die mit der eigenen Verwaltung. Josef und Mäckler waren sich darin einig, dass die Neubaugebiete am Riedberg, im Europaviertel und in Preungesheim-Ost keine gelungenen Beispiele für ästhetische Stadtplanung seien. Mäckler sprach sogar von einer „Katastrophe“. Einig waren sich der Planungsdezernent und der Architekt auch in einem zweiten Punkt: Es komme nicht nur auf die Fassade eines Gebäudes an, sondern vielmehr darauf, ob es darin und darum herum „Leben gibt". Nur dann sei ein Ort auch „schön“. Josef führte als Beispiel die Kleinmarkthalle an. „Das Gebäude selbst ist nicht sehr ansehnlich. Aber es ist ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Ein urbaner Raum.“ Die Frage sei ohnehin, wie Räume in Frankfurt gestaltet und genutzt werden. „Das ist tatsächlich ausbaufähig.“

          Frankfurt braucht mehr Parks

          Neu gestalten würde Mäckler am liebsten die zentralen Plätze der Stadt; allen voran den Goetheplatz. Er hat klare Vorstellungen davon, welche gestalterischen Möglichkeiten solche Orte bieten – und orientiert sich dabei am Beispiel Italien. Dort würden steinerne Plätze eng bebaut, um Schatten zu spenden, sagte er. Pflanzen gebe es nicht. Das widerspreche dem Klimaschutz-Gedanken jedoch ganz und gar nicht.

          Ergänzend dazu brauche die Stadt mehr Parks. Josef sagte, das sei „ein Grundproblem". In anderen Ländern werde erst überlegt, wo Grünflächen entstehen könnten, und daran orientiere sich dann die weitere Bebauung. „In Frankfurt wurde das bisher immer andersherum gedacht." Das mache viele Ecken so unansehnlich. Dass die Klima-Debatte auch die Stadtplanung nachhaltig beeinflussen wird, davon gehen sowohl Mäckler als auch Josef aus.

          „Dass das gesperrte Mainufer so nicht bleiben kann, ist klar“, sagte Josof. Er sei in „engen Gesprächen" mit Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Fest stehe aber auch, dass die Stadt weniger Autoverkehr brauche. „Die Akzeptanz dafür können wir aber nur schaffen, wenn wir zeigen, dass dadurch attraktivere Orte entstehen."

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