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F.A.Z. im Ausland : Die Zeitung ist der Kompass

Eine der besten Zeitungen der Welt: Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit den anderen Preisgekrönten Publikationen im Zeitungsständer Bild: Röth

Es gibt Staaten, die verdanken ihre Unabhängigkeit den Kommentaren der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. In ganz Europa genießt sie ein hohes Ansehen. In einigen ist sie sogar das Synonym für deutsche Presse.

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          Seit ihrer (Wieder-)Gründung vor siebzig Jahren ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung das Fenster, durch das Leser in aller Welt auf Deutschland blicken. Dieser Blick hilft ihnen, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in unserem Land besser zu verstehen. Umgekehrt blicken deutsche Leser durch dieses Fenster auf die Vorgänge in der Welt. Dank ihres großen Netzes sachkundiger, mit ihren Gastländern vertrauter Korrespondenten sind sie stets im Bilde über die großen Veränderungen und Entwicklungen, deren Konsequenzen auch sie selbst betreffen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Das gilt zum Beispiel für unser Nachbarland Frankreich: Die F.A.Z. bleibt der Kompass, auf den viele, gerade belesene Franzosen vertrauen, wenn sie sich im aktuellen Geschehen Deutschlands zurechtfinden wollen. Die Zeitung genießt großes Ansehen, was in dem Wort „le plus grand“ zum Ausdruck kommt, aus dem Anerkennung, aber nicht Spott spricht. Bei einer französischen Presseschau darf die F.A.Z. nicht fehlen. Ob im Elysee-Palast oder in den Führungsetagen großer Unternehmen – die Zeitung zählt.

          Für alle am deutsch-französischen Verhältnis interessierten Franzosen ist die Lektüre des Blattes ein Muss. Seine europäische Ausrichtung wiederum wird der eigenen Presse als Vorbild vorgehalten. Der ehemalige Kommissionspräsident Jacques Delors hat Generationen von Franzosen die F.A.Z. nahegelegt. Wenn er seinen Freund Helmut Kohl habe verstehen wollen, habe er das Blatt zu Rate gezogen, hat Delors einmal gesagt.

          Respekt aus den Nachbarländern

          In Brüssel ist die F.A.Z. seit Ende der fünfziger Jahre präsent. Die Korrespondenten waren bis heute immer viele Jahre „auf Posten“; sie waren und sind geachtet, genießen hohes Ansehen. Man denke nur an Hans-Herbert Götz (1963 bis 1976), Heinz Stadlmann (1976 bis 1986) und an Peter Hort (1986 bis 2004). Die Berichterstattung aus Brüssel und Straßburg begleitet die europäische Einigung insgesamt wohlwollend, aber nie unkritisch; realistisch, an der sozialen Marktwirtschaft orientiert, aber nie aus Prinzip negativistisch. Hartnäckiges Recherchieren hat dazu beigetragen, Fälle von Korruption und Vetternwirtschaft an die Öffentlichkeit zu bringen – der „Fall“ der Santer-Kommission ist dafür das beste Beispiel.

          In Italien wird der F.A.Z. eine besondere Beachtung zuteil, welche in gewisser Weise das Verhältnis von Deutschen und Italienern insgesamt spiegelt. Sie ist die Zeitung mit Autorität, wie man dort sagt. Sie wird als Zeuge herangezogen, wenn es darum geht, italienische Interessen zu erhärten; äußert sie sich kritisch zu italienischen Institutionen und über die italienische Politik, wird dahinter eine Vertretung deutscher Interessen vermutet.

          Ohnehin verortet man die Zeitung in großer Nähe zur deutschen Politik; vor allem dann, wenn es um Haushalts-, Finanz- und Wirtschaftspolitik geht. Dann sehen sich italienische Leser gern als Objekt einer als oberlehrerhaft wahrgenommenen deutschen Orthodoxie. Nicht nur deshalb kommt es gelegentlich zu Missverständnissen; selbst falsche Übersetzungen haben schon dazu beigetragen – und dann für großen Wirbel gesorgt. Aber auch das ist ein, wenn auch leicht narzisstischer Ausdruck des Respekts, welcher der deutschen Zeitung „mit Autorität“ entgegengebracht wird.

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