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F.A.Z-Geburtstagsempfang : Viele kluge Köpfe in Berlin

Herausgeber Werner D’Inka während seiner Rede beim Herbstempfang der F.A.Z. im „Borchardt“ anlässlich des 70. Geburtstags der Zeitung Bild: Daniel Pilar

Wer hätte das vor 70 Jahren gedacht? Die F.A.Z. feiert ein rauschendes Geburtstagsfest. Und das auch noch in der Mitte des einst geteilten Berlins.

          3 Min.

          Dass vor 70 Jahren, vier Jahre nach Kriegsende, in den damaligen Räumen des heutigen „Borchardt“ in Berlins Mitte eine ebenso illustre wie anregende Versammlung kluger Köpfe einen bemerkenswerten Abend wie diesen genießen konnte, muss bezweifelt werden.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.
          Thomas Holl
          Redakteur in der Politik.

          Denn das schon zur Kaiserzeit für seine exquisite Küche und prominenten Gäste gerühmte Restaurant in der Französischen Straße, vis-à-vis dem Gendarmenmarkt, wurde 1949 in sozialistisches Volkseigentum überführt. Statt des Gründernamens Borchardt hieß das Lokal spätrömisch dekadent Lukullus und wurde zu DDR-Zeiten später als Ausbildungsküche für angehende Köche genutzt.

          Zur gleichen Zeit vor 70 Jahren und rund 450 Kilometer entfernt, erschien am 1. November 1949 die erste Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, mit der programmatischen Unterzeile „Zeitung für Deutschland“. Auf der Titelseite der ersten Ausgabe der F.A.Z. hieß es: „Unsere Leser haben heute die erste Nummer der ‚Frankfurter Allgemeinen Zeitung‘ vor sich. Dieses Blatt setzt die journalistische Arbeit fort, die in Mainz mit der ‚Allgemeinen Zeitung‘ begonnen worden ist. Aber es knüpft zugleich den Anfang zu einem neuen Werk.“

          Begehrte Gesprächspartner

          Und an diesem Donnerstagabend feierten gut 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kultur im „Borchardt“ hinein in den 70. Geburtstag dieses besonderen Werks. Ein publizistisches Werk, das den deutschen Journalismus, aber auch die Politik dieses Landes nicht nur begleitet, sondern mitunter auch bei der Entscheidungsfindung hilft. Auch an eine andere Leistung der F.A.Z., die gerade an diesem Ort in Berlins Mitte und kurz vor dem 30. Jahrestag des Mauerfalls erwähnenswert ist, erinnerte F.A.Z.-Herausgeber Werner D'Inka unter dem Beifall der Gäste in seiner Eröffnungsrede. „Man darf heute in aller Bescheidenheit daran erinnern, dass die Zeitung für Deutschland konsequenter und beharrlicher für die Einheit unseres Landes eintrat als viele andere in Politik, Publizistik und Gesellschaft. Das war jahrzehntelang jedenfalls nicht Mainstream und trug uns Unverständnis, Anfeindungen und Häme ein. Umso schöner, dass es vor 30 Jahren so kam, wie es kam.“ Neben Werner D'Inka waren auch die F.A.Z.-Herausgeber Gerald Braunberger, Jürgen Kaube und Berthold Kohler begehrte Gesprächspartner an diesem Abend. 

          Angeregt ins Gespräch vertieft: Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) und F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler Bilderstrecke
          F.A.Z-Geburtstagsempfang : Beschwingt in den 70. Geburtstag

          Stark vertreten war bei der Geburtstagsfeier dieser bürgerlich, liberal-konservativen Zeitung die sozialdemokratische Seite der Bundesregierung. Gekommen waren Familienministerin Franziska Giffey und Justizministerin Christine Lambrecht. 

          Dass die Bundeskanzlerin am Donnerstagmorgen mit drei Ministern nach Indien geflogen war und somit bei der Feier fehlte, gab Anlass zu Scherzen. „Die Minister, die hier bei der Feier sind“, sagte der ehemalige Berliner Bürochef dieser Zeitung, Günter Bannas, beschwingt, „sind hier, damit sie nicht mit der Bundeskanzlerin nach Indien fliegen mussten“. Andere Gäste mutmaßten, der Unions-Teil der Bundesregierung sei auf dem Subkontinent auf Tigerjagd. Dabei seien die wirklich gefährlichen früheren männlichen Alphatiere in heimischen Gefilden unterwegs.

          Ministerin Giffey schaut nach vorne

          Hoch war die Dichte an namhaften Journalisten des Landes, wie es sich für die Geburtstagsfeier einer Zeitung wie der F.A.Z. geziemt, die zum Gratulieren, Feiern, aber auch zum Diskutieren mit den politischen Gästen gekommen waren. Dazu gehörten ZDF-Intendant Thomas Bellut, der Leiter des ZDF-Hauptstadtbüros, Theo Koll, Heute-Journal-Chef und ehemaliger F.A.Z.-Politikkorrespondent Wulf Schmiese, der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, Wolfgang Krach, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, „Tagesspiegel“-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, früherer Digitalchef der F.A.Z., der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger und Vorstandsvorsitzender des Axel-Springer-Verlags Mathias Döpfner. 

          Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock war da und sagte lachend, dass man als Politikerin keine Witze mehr machen könne. Die Gefahr sei zu groß, dass sie nicht verstanden würden.

          Familienministerin Giffey kam gelöst zum Empfang, nachdem die Freie Universität Berlin ihr den Doktortitel nicht entzogen hatte. „Das Verfahren hat sehr lange gedauert.“ Sie freue sich jetzt darauf, befreit von dieser Last sich wieder mit voller Kraft ihrer Arbeit in der Regierung widmen zu können. Auch ihre Kabinettskollegin, Justizministerin Lambrecht, hat noch viel vor in ihrem Amt. Deswegen setzt sie darauf, dass die große Koalition noch bis zum regulären Ende der Legislaturperiode hält. 

          Belustigt zeigte sich der FDP-Vorsitzende Christian Lindner über die Nachricht der „Thüringer Allgemeinen“, dass die FDP bei der Landtagswahl nach einer weiteren Auszählung nur noch mit einer Stimme über der magischen Fünf-Prozent-Hürde lag. „Das waren Fake news heute. Wir haben in anderen Stimmbezirken elf Stimmen mehr. Nur weil wir im Stimmbezirk Weimar nur noch eine Stimme drüber liegen, wurde diese Nachricht verbreitet.“ Aber er habe sich vorgenommen, keine Medienschelte zu betreiben. Schon gar nicht an diesem Abend.

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