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Die F.A.Z. im Wandel der Zeit : Eine unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte

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F.A.Z. vom 7. Oktober 1957: Sputnik im All Bild: Wolfgang Eilmes

Sie stand kurz vor dem Konkurs, rief scharfe Auseinandersetzungen hervor und machte, so ganz ohne kursangebenden Chefredakteur, einiges anders als die anderen: Der Erfolg der „Zeitung für Deutschland“ war allemal unwahrscheinlich.

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          Die F.A.Z. war eine späte Gründung. Ihr Erfolg unwahrscheinlich. 1950 stand sie kurz vor dem Konkurs. Nach der Besetzung des Deutschen Reiches waren 1945 alle deutschen Presseerzeugnisse verboten worden. Die Alliierten hatten dann Lizenzen für Neugründungen an eindeutig Unbelastete vergeben, und das hieß, dass die Altverleger zunächst einmal ausgeschlossen waren und die neuen Zeitungen einen Linksdrall besaßen. Im Falle der „Frankfurter Rundschau“ ging die sozialistische und kommunistische Orientierung so weit, dass die Amerikaner die „Frankfurter Neue Presse“ als bürgerliches Gegengewicht schufen. Was aber fehlte, waren eine Nachfolgerin der 1943 von Hitler verbotenen „Frankfurter Zeitung“ und eine überregionale Stimme für die Marktwirtschaft, für die das Klima nach dem Krieg nicht eben günstig war.

          Das dachten sich zumindest einige ehemalige Redakteure der alten „Frankfurter Zeitung“ und einige Unternehmer, welche sich von Mainz und Kornwestheim aus an die Gründung der F.A.Z. machten. In Kornwestheim war die Salamander AG beheimatet. Deren Vorstandsvorsitzendem Alex Haffner kam eine Schlüsselrolle bei der Einsammlung von Geldern für eine Zeitungsgründung zu, für die er dann als Verwaltungsratsvorsitzender wirkte.

          Fortführung der „Allgemeinen Zeitung“

          In Mainz erschien bereits die „Allgemeine Zeitung“, bei der einige ehemalige Redakteure der „Frankfurter Zeitung“ untergekommen waren. Unter ihnen befand sich der Volkswirtschaftler Erich Welter, der bei der „Frankfurter Zeitung“ stellvertretender Hauptschriftleiter gewesen war. Der zielstrebige und durchsetzungsfähige Welter trieb die Zeitungsgründung wesentlich voran und wurde ihr bestimmender Lenker bis 1980. Welter hatte sich zum entschiedenen Ordoliberalen entwickelt, sein Ideengeber war der Freiburger Nationalökonom Walter Eucken.

          Der Staat sollte eine freiheitliche Wirtschaftsordnung mittels fester Leitplanken und regulierender Eingriffe zur Sicherung einer freien Preisbildung gewährleisten. Das organisatorische Gefäß der Gründung bildete die Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 (Wipog), ein Zusammenschluss von freiheitlich gesinnten Unternehmern und Politikern. Auch Ludwig Erhard gehörte dazu. Die erste Ausgabe der F.A.Z. am 1. November 1949 war im Prinzip eine Fortführung der „Allgemeinen Zeitung“. Frankfurt war zunächst nur nomineller Redaktionssitz. Welter kam in der Regel erst am Nachmittag von der Universität Mainz mit seiner Sekretärin nach Frankfurt, wo er sich mangels eines eigenen Raums im Konferenzzimmer niederließ.

          F.A.Z. vom 20. April 2005 zur Wahl von Papst Benedikt XVI. Bilderstrecke

          Die Zeitung stand angesichts des schon aufgeteilten Anzeigenmarktes nicht nur unter finanziellem Druck, sie musste sich auch gegen Pressionen und Interventionsversuche aus der Politik, aus der Wirtschaft und aus den Reihen der eigenen Anteilseigner und Förderer wehren. Das führte zu einigen Grundsatzentscheidungen. 1951 trennte man sich von der Wipog, 1959 gründete man die Fazit-Stiftung als Mehrheitseigner.

          Im Streit mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) stritt man für das ordoliberal unabdingbare Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen, das einer übergroßen Marktmacht von Kartellen vorbeugen sollte. Der massive Druck Bundeskanzler Konrad Adenauers und einiger Förderer trug aber mit dazu bei, dass man sich von Mitherausgeber Paul Sethe trennte, der die Stalin’schen Offerten eines neutralisierten Gesamtdeutschlands zumindest ausloten wollte.

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