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Der freie Wettbewerb : Wirtschaft braucht Freiheit

Damit setzt sie eine lange und stolze Tradition fort. Die F.A.Z.-Wirtschaft hat in ihren Anfangsjahren unter dem Gründungsherausgeber Erich Welter und später unter Jürgen Eick erheblich zum Werden und Gelingen der Sozialen Marktwirtschaft beigetragen. Sie hat die kühnen Pläne des ersten Bundeswirtschaftsministers popularisiert und sich unter Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Basis, des Anzeigengeschäfts, mit der Industrie angelegt, als sie für Erhards gegen Kartellmacht gerichtetes „Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen“ focht.

Seine zweite große Bewährungsprobe hatte das deutsche Wirtschaftssystem vor dreißig Jahren mit der Wiedervereinigung zu bestehen. „Mut zur Marktwirtschaft“ rief die Wirtschaftsredaktion, damals geleitet von Jürgen Jeske, den neuen Mitbürgern zu. Durchaus nicht leichthin. „Denn wir wissen, dass die ,freie Wirtschaft‘ – bei allen Verlockungen des Wohlstands – auch Ängste auslösen kann“, schrieb der Wirtschaftspolitikchef Hans D. Barbier. „In der Marktwirtschaft gilt nicht, wer man ist, sondern was man bringt.“ Doch sei sie keine brutale Vorteilsrangelei in der wilden Horde, sondern habe ihre „Ordnungen“, ihr Rahmenwerk zur Begrenzung der Macht und Sicherung des Einzelnen.

Es ging der F.A.Z-Wirtschaftsredaktion aber nicht allein darum, die Menschen der DDR mit dem Alphabet des Marktes vertraut zu machen. Fast noch wichtiger war es ihr, nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaft die Weichen richtig stellen zu helfen: die neuen Länder nicht zu einem Dasein als Subventionsempfänger des Westens zu verdammen, sondern Bedingungen zu schaffen, unter denen vor Ort wieder eine wettbewerbsfähige private Wirtschaft entstehen könnte. Heiß diskutierte man in Frankfurt, wie der Schutz der Alteigentümer gegen zügige Transformation abzuwägen wäre. Vergebens warnten die Wirtschaftsredakteure die Regierung Kohl vor den Arbeitsplatzrisiken, die mit einem überhöhten Wechselkurs zur D-Mark verbunden wären.

Die Arbeit an einem staatlichen Ordnungsrahmen, der wirtschaftliche Freiheit als Voraussetzung für eine freie Gesellschaft bestmöglich schützt, ist nie zu Ende. Die europäische Einigung oder digitale Geschäftsmodelle erzwingen Anpassungen und Kompromisse. „Wenn man die Konsequenzen des Kollektivismus nicht will, muss man wollen, dass das Gesetz des Wettbewerbs herrscht.“ In diesen Worten Euckens liegt dann aber doch der Kern, der für die F.A.Z.-Wirtschaftsredaktion auch künftig unverhandelbar ist.

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