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30 Jahre Ressort Kunstmarkt : Das Unberechenbare fasziniert

Der Kunstmarkt ist zu komplex, als dass man ihm mit raschen Urteilen beikommen könnte. Aber mit genauer Beobachtung und Hintergrundwissen wird vieles transparent.

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          Was macht den Kunstmarkt auch für Menschen, die selbst gar nichts damit zu tun haben, so interessant? Es ist nicht zuletzt seine Unberechenbarkeit. Das gilt besonders für die mitunter atemraubenden Summen, die in den weltweiten Auktionen für Spitzenlose bezahlt werden. Bei den Alten Meistern geschieht das eher selten – sieht man einmal von jenem heißumstrittenen Gemälde des „Salvator Mundi“ ab, an das Leonardo da Vinci wenigstens Hand angelegt haben soll und das mit einem Zuschlag bei vierhundert Millionen Dollar vor zwei Jahren in New York alle Maßstäbe gesprengt hat.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          In der Regel ist es die moderne, vor allem die zeitgenössische Kunst, die staunenswerte Resultate erzielt, auch im dreistelligen Millionenbereich. Das geht nun schon seit ein, zwei Jahrzehnten so, und das oft beschworene Ende dieser Fahnenstange ist noch immer nicht absehbar. Doch evident ist, dass neben der Irrationalität weltweit sehr viel Geld unterwegs ist, das auf Kunstwerte setzt – und dass entsprechend viel Narzissmus solcher Akteure im Spiel ist, für die Kunst eine Art Prothetik sozialer Geltung darstellt.

          Abseits des großen Zirkus

          Unser Ressort Kunstmarkt, das es seit nunmehr dreißig Jahren gibt, hat es sich von Anfang an zur Aufgabe gemacht, das Geschehen in diesem sehr weiten Feld für die Leser zu begleiten und kritisch zu kommentieren, über die Sensationsmeldungen hinaus. Was ist dabei für uns von Bedeutung? Wir setzen auf kunsthistorische Kenntnis, die sich durchaus ein Qualitätsurteil zutraut. Aber wir wollen die Marktteilnehmer nicht besserwisserisch bevormunden, sondern lieber Hintergründe beleuchten, soweit das möglich ist.

          So lässt sich die Spannung aufzeigen, die zwischen dem Preis eines Kunstwerks und seinem Wert bestehen kann. Wir hüten uns vor großräumigen Theorien. Uns ist es wichtig, das Marktgeschehen aus eigener Anschauung zu kennen, wie die spezielle Atmosphäre in einem Auktionssaal, das Angebot auf einer internationalen Kunstmesse, die Entdeckung in einer Galerie.

          Zum Kunstmarkt gehören außerdem Bereiche, die in die Kulturpolitik, damit in die Gesellschaft ausgreifen. Nennen wir hier nur die Machenschaften eines verurteilten Betrügers und Fälschers wie jenes Wolfgang Beltracchi, der sich anderswo als Genie spreizen darf, oder die tiefgreifend kontroverse Debatte um die Novelle des deutschen Kulturgutschutzgesetzes. Streitbar sind diese Themen, mit ihnen ist der Kunstmarkt gut im Feuilleton aufgehoben.

          Natürlich gibt es nicht den einen Kunstmarkt, es gibt ein komplexes, längst globales Gebilde. Wir versuchen, Einblicke zu geben. Dazu gehört es unbedingt, wann immer wir den Platz dafür finden, dass unsere Autoren Geschichten aus seiner Historie erzählen abseits des großen Zirkus, bis hin zu bemerkenswerten aktuellen Ausstellungen eben in den Galerien – wo vielleicht gerade die Zukunft der Kunst im Entstehen ist.

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