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Als Frau bei der F.A.Z. : Zehn von 152

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Männerdomäne: Von 152 Redakteuren waren nur zehn weiblich, als Maria Frisé zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung kam. Bild: F.A.Z.

Als Frau in einer Männerdomäne: Als unsere Autorin im Jahr 1968 Redaktionsmitglied der F.A.Z. wurde, waren Frauen außerhalb des Feuilletons rar. Heute erinnert sie sich an sechzig Jahre Arbeit für die Zeitung.

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          Die F.A.Z., dachte ich, kenne ich. Als freie Mitarbeiterin hatte ich schon Ende der fünfziger Jahre in den engen Büros oder verwinkelten, mit Schränken und Regalen zugestellten Gängen meine Manuskripte abgeliefert. Tatsächlich, aus Platznot hockten einige Redakteure an kleinen Schreibtischen im spärlichen Licht hässlicher schwarzer Lampen in den Fluren. Sie begrüßten Besucher wie mich, die etwas zum Abdrucken brachten, wie langersehnte Freunde, mit denen man möglichst schnell in eines der netten Lokale in der Fressgasse floh, um Themen zu verabreden. Arbeitsgespräche hieß das bei der Abrechnung. Wie sollte man auch in der Karnickelstallenge der Börsenstraße Ideen entwickeln.

          Der Zeitung ging es gut. Sie nahm an Umfang zu und brauchte dringend Platz. Die Mainzer Landstraße als Quartier mit ihren Gebrauchtwagen und Autoreifen war zwar nicht ideal für eine anspruchsvolle Zeitung, aber in der Innenstadt waren schon damals Grundstücke rar und teuer. Das neue, trotz des Schmucks mit blauen Mosaiksteinen langweilige Bürosilo wurde nicht geliebt. Es entsprach ganz und gar nicht architektonischer Avantgarde (die für Baukunst zuständigen Redakteure hatte man zu ihrem Bedauern bei der Planung nicht hinzugezogen). Doch die Sozietätsdruckerei lag in unmittelbarer Nähe, und nun gab es Großraumbüros, Einzelzellen und breite Flure mit hässlich grauem Resopal-Fußboden und einem repräsentativen gläsernen Empfang.

          Als ich 1968 nach zehn Jahren freier Mitarbeit das Angebot erhielt, Redakteurin im Feuilleton zu werden, habe ich nicht lange gezögert, obwohl das Anfangsgehalt sehr bescheiden war: monatlich 1000 Mark. Als „Freie“ hatte ich mit der Möglichkeit, auch für andere Medien zu arbeiten, schon oft mehr als das Dreifache verdient. Aber ich wollte einmal im Leben dazu gehören, Teil eines Ganzen sein, eine Erfahrung, die ich noch nie gemacht hatte.

          Weder ein Schreibtisch noch ein Stuhl frei

          Die Redaktion des Feuilletons war mir vertraut. Mehrmals hatte ich bereits wochenlang die für die letzte Seite der Samstagsausgabe, „Bilder und Zeiten“, zuständige Redakteurin während ihres Urlaubs vertreten und außerdem Buch-, Film- und Fernsehkritiken, Glossen und immer wieder umfangreiche Berichte über soziale Themen, aber auch über Mode geschrieben. Doch eines fehlte mir: Ich konnte kein abgeschlossenes Studium vorweisen wie die meisten F.A.Z.-Redakteure. Statt zu studieren, hatte ich mit neunzehn geheiratet und drei Kinder bekommen.

          Wie sich an meinem ersten Arbeitstag im siebten Stockwerk herausstellte, fehlte mir nicht nur ein akademischer Rang, es fehlte mir überhaupt das Nötigste. Weder ein Schreibtisch noch ein Stuhl war im Feuilleton für mich vorgesehen. Die kranke Kollegin, die ich ersetzen sollte, war wieder gesund geworden. Ich ließ mich nicht beirren, machte aber doch ein wenig verunsichert Antrittsbesuche von Zimmer zu Zimmer und hielt Ausschau nach einem zumindest vorübergehend leeren Platz und möglichst auch nach Arbeit.

          Im Umbruchszimmer der Samstagsbeilage waren die Stapel ungelesener Manuskripte am höchsten. An einer Ecke des langen Umbruchstischs konnte ich die Papiere ein wenig zusammenschieben und mit der Arbeit beginnen. So habe ich mich selbst in meinem Lieblingsteil des Feuilletons eingenistet. Ich hatte mich kaum länger als sechs Wochen mit der Arbeit vertraut gemacht, da verabschiedete sich Robert Held, der zuständige Redakteur, für eine mehrmonatige Weltreise und übergab mir die Verantwortung. „Setzen Sie sich ruhig auf meinen Stuhl“, sagte er.

          Es ging locker zu in Papa Korns Feuilleton. Der Herausgeber hatte oft Probleme mit seinen politischen Mitherausgebern im neunten Stockwerk, doch auf der siebten Etage regierte er unangefochten, indem er seinen Redakteuren den größtmöglichen Spielraum sicherte. Man durfte linksliberal sein und auch mal gegenteilige Ansichten zum vorderen Teil der Zeitung ins Blatt bringen. Für Film und Fernsehen und die neue realistische Nachkriegsliteratur setzte er sich temperamentvoll ein, aber er mischte sich auch gern in die Debatte um die Schul- und Rechtschreibreform ein und kämpfte mit Erfolg gegen die geplante Straße am Rheinufer bei Eltville.

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