https://www.faz.net/-itc-9rkia

Mauerfall-Debatte : Wir sind doch schon viel weiter

  • -Aktualisiert am

Soweit war man schon: Berliner feiern ohne das ausgeschnittene Emblem aus der DDR-Fahne den Fall der Berliner Mauer. Bild: Imago

Wandel durch Anerkennung: Der Streit um die Revolution von 1989 zeigt, wie festgefahren die Ost-West-Debatte inzwischen ist – und offenbart gleichzeitig, was in Zukunft noch getan werden muss. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          Die jüngste Debatte über die Revolution von 1989 findet auf vier eng miteinander verwobenen Ebenen statt. Diese Vielschichtigkeit unterstreicht einerseits, wie relevant Geschichte und Nachgeschichte dieses Ereignisses noch immer sind. Andererseits wirkt die Kontroverse selbstreferentiell, ja festgefahren, und sie offenbart in Bezug auf die politische Kultur des heutigen Deutschlands mehr Fragen als Antworten. Da ist die historische Ebene, auf der scheinbar ergebnisoffen verhandelt wird, wer die Revolution „gemacht“ hat. In der Geschichtsschreibung haben sich jedoch längst multikausale Erklärungsansätze durchgesetzt. Auf einer zweiten, erinnerungskulturellen Ebene wird „deutungshoheitlich“ verhandelt, wem diese Revolution „gehört“, wobei der Anschein entsteht, als könnten bestimmte historische Ereignisse nur nach ganz bestimmten Prämissen und getragen von ganz bestimmten historischen Akteuren gedeutet und erinnert werden.

          Dabei lebt ein demokratisch-kritischer Umgang mit der Geschichte von der Vielstimmigkeit der Deutungen, von der Repräsentation unterschiedlicher Perspektiven und nicht zuletzt davon, dass sich jede Generation mit stets neuen Fragen dieser Geschichte zuwendet. Diese offen und respektvoll zu verhandeln und dabei dennoch einen gewissen Erinnerungskonsens, nicht im Sinne einer „Meistererzählung“, sondern einer mehrheitsfähigen historischen Orientierung zu erreichen, ist die schwierigste Herausforderung, und zugleich größte Hoffnung jeder öffentlichen Diskussion über die Vergangenheit.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          G 7 in Cornwall : Brexit-Störgeräusche für Johnson

          Eigentlich sollte es beim G-7-Gipfel vor allem um Corona und die Herausforderung durch China und Russland gehen. Doch immer wieder muss sich Gastgeber Boris Johnson auch mit dem Streit mit der EU auseinandersetzen.
          Bei Immobiliengeschenken heißt es: Steuerfragen umfassend prüfen.

          Der Steuertipp : Die Nießbrauch-Falle

          Der Nießbrauch wird bei Immobilienschenkungen gern gewählt, um das Nutzungsrecht zu behalten. Dabei sollte man nie die Einkommensteuer übersehen.