https://www.faz.net/-itc-9t1q8

Nach der Wende : Was will der uns über die DDR erzählen?

  • -Aktualisiert am

Die Revolution gehört den Ostdeutschen, die Einigung gehört uns allen: Grenzöffnung am 11. November 1989 in Helmstedt/Marienborn. Bild: Picture-Alliance

Unsere Geschichte, meine Geschichte – das spielte lange Zeit keine Rolle. Inzwischen ist das anders, auch für mich als Ostdeutschen, der fünf Jahre nach dem Fall der Mauer geboren wurde. Ein Gastbeitrag.

          6 Min.

          Es kommt dieser Tage häufig vor, dass ich auf einem Podium sitze und über den Osten rede. Über die Nachwende, mögliche Verletzungen, Verwerfungen. Über den sogenannten Riss, der durch die Gesellschaft zu gehen scheint und der vor allem für westdeutsche Beobachter ziemlich genau entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze verläuft. Ich bin dankbar für diese Begegnungen. In Basel durfte ich Marion Brasch kennenlernen, in Rostock Dietlind Glüer und immer wieder, an verschiedenen Orten, unterschiedliche Menschen, die ihre Erfahrungen aus DDR-Zeiten teilen, oder, wie ich, mehr Fragen als Antworten über dieses verschwundene Land und seine in die Bundesrepublik transformierte Gesellschaft haben.

          Als Nachwendegeborener befinde ich mich in der mehr oder weniger komfortablen Situation, über ein Sujet reden zu können, zu dem ich zwangsläufig, qua Geburt, eine Distanz habe. Offene Rechnungen, Kränkungen oder verborgene, revisionistische Sehnsüchte kann man mir nicht vorwerfen. Aus dieser Position heraus Kritik zu üben oder auch Lob zu äußern, fällt leicht. Älteren Kolleginnen oder Kollegen wird oftmals die eigene Biografie vor Augen geführt, wie Detlef Pollack, der in dieser Zeitung über die Rolle der Opposition während der friedlichen Revolution in Leipzig schrieb, damit eine Debatte über das Erbe der Revolution auslöste und in einer Widerrede von Ilko-Sascha Kowalczuk gespiegelt bekam, sich im Oktober des Jahres 1989 in der Schweiz aufgehalten zu haben.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          : 65% günstiger

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Bild aus besseren Zeiten: Erdogan und Macron am 19. Januar 2020 in Berlin

          Erdogan teilt aus : Boykott und Pöbelei

          Frankreich will auch nach der Ermordung von Samuel Paty Karikaturen des islamischen Propheten zeigen. Der türkische Staatschef Erdogan reagiert entsetzt und teilt aus.
          In Großbritannien außer Kontrolle: Intensivstation mit Covid-Patienten in Whiston

          Pandemie-Strategie : Der Kampf gegen Corona hat Vorrang

          Das Infektionsgeschehen muss unter Kontrolle gehalten werden – selbst unter Kostenaspekten. Gesundheitsschutz und Wirtschaftsinteressen gegeneinander auszuspielen ist falsch.
          Die Bestsellerautoren Marc Friedrich (links) und Matthias Weik warten nun getrennt voneinander auf den größten Crash aller Zeiten.

          Ende einer Beziehung : Krach bei den Crash-Propheten

          Die Bestsellerautoren Marc Friedrich und Matthias Weik haben jahrelang gemeinsam den Zusammenbruch des Finanzsystems beschworen. Jetzt ist Schluss damit.