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Kunst im Internet : „Ich will, dass die Leute ihre Zeit mit Kunst verbringen“

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Seit Jahrzehnten bestimmt er die Regeln auf dem Markt mit Gegenwartskunst. Jetzt hat er sich ein neues Spielfeld eröffnet. Charles Saatchi vernetzt Künstler und Käufer mit Galeristen und Museen auf einer gemeinsamen Plattform im Internet. Im Interview erklärt er, was er vorhat.

          Herr Saatchi, die Kunstwelt besteht aus einem kleinen Kreis mächtiger Galeristen und Sammler. Haben junge Künstler da überhaupt eine Chance?

          Es ist eine inzestuöse Geschichte. Viele Künstler auf unserer Website hätten normalerweise nie die Möglichkeit, ihre Kunst zu zeigen. Ich selbst verbringe viel Zeit auf der Suche nach jungen Talenten. Und jedes Mal, wenn ich dann einen Künstler auswähle, weiß ich, dass 39 andere zurückbleiben. Deshalb bin ich besessen von den Möglichkeiten des Internets. Ich fühle mich wie jemand, der eine Religion entdeckt hat und dann süchtig wurde.

          War dies der Auslöser für Ihre virtuelle Galerie im Internet?

          Ja. Von jetzt an brauchen die Künstler keine Händler mehr, die den doppelten Preis für ein Kunstwerk verlangen, weil sie es vermitteln. Die Künstler können direkt verkaufen, an wen auch immer sie wollen.

          Glauben Sie denn wirklich daran, dass es möglich ist, auf „Your Gallery“ interessante, gute Künstler zu finden?

          Ich führe diese Website nicht für mich selbst, weil ich jeden Tag per E-Mail so viele Kunstwerke von Galeristen geschickt bekomme, das können Sie sich gar nicht vorstellen. Ich mag es sehr, Kunst zu betrachten, und ich schaue mir alles an. Also kam mir die Idee, dass das Internet die Menschen jetzt so weit verändert hat, dass sie bereit sind, das Netz auch zum Kauf von Kunst zu benutzen. Den Vorteil dabei haben doch die Künstler. Sie bekommen eine Menge Aufmerksamkeit und Ausstellungsfläche, und sie können direkt an den Sammler verkaufen, ohne das Geld mit dem Händler teilen zu müssen.

          Kann man überhaupt ein Kunstwerk ausschließlich anhand einer Reproduktion beurteilen?

          Natürlich wäre es schön, wenn man alle Werke, für die man sich interessiert, im Original sehen könnte. Aber die Alternative ist zero. Viele Leute sind sehr froh darüber, Kunst über das Netz kaufen zu können. Viele sind regelrecht versessen darauf. Kunst ist im Netz ja auch selten teuer, und die Leute sind bereit dazu, 500, 1000 oder auch 3000 Pfund im Netz zu bezahlen. Außerdem können die meisten heute viel genauer ausdrücken, was sie mögen und was nicht. Und wir treffen immer wieder viele Händler, die Künstler über das Netz entdecken, sie in ihr Programm aufnehmen oder kaufen, ohne die Werke je im Original gesehen zu haben. Ich persönlich mag es aber eigentlich nicht, Kunst zu kaufen, ohne sie vorher gesehen zu haben.

          Was also treibt Sie persönlich an?

          Es ist wohl der Vorteil, der den Sammlern erwächst. Viele Sammler sind ziemlich eingeschüchtert von Galeristen; sie vertrauen ihnen nicht ganz. Sie fühlen sich wohler, wenn sie unmittelbaren Kontakt zu den Künstlern haben.

          Für die Galeristen muss diese Aussage doch wie eine Provokation klingen?

          Ich weiß es nicht. Wissen Sie, die Kunstwelt ist global heutzutage. Als wir angefangen haben mit Your Gallery, dachten wir, dass wir sehr viel Kritik bekommen würden, dass die Galeristen sauer sein würden. Seit kurzem geben wir auch den Händlern die Möglichkeit, sich auf unserer Seite vorzustellen. Sie haben wohl gemerkt, dass wir nur ein Bedürfnis befriedigen. Der Kauf über das Netz ist nicht optimal, aber mit hochaufgelösten Abbildungen kann man heute eine ziemlich gute Idee davon bekommen, wie etwas aussieht - und man bekommt es für den halben Preis, verglichen mit dem Kauf über eine Galerie. Unsere Website hätte nicht schon 30.000 Künstler, wenn es sich für sie nicht lohnen würde. Und wir wissen von Künstlern, die Ausstellungen angeboten bekamen. Es passiert so viel über diese Seite.

          In Ihrer Sektion „Showdown“ lassen Sie die Besucher von Your Gallery über die Kunst abstimmen. Warum tun Sie das?

          Die Wettbewerbe ermuntern die Leute, die Kunst anzuschauen und sich eine Meinung darüber zu bilden. Das ist mein Ziel, und deshalb funktioniert die Seite so. Man findet niemanden, der seine ganze Zeit damit verbringt, 30.000 Seiten mit Kunst anzusehen. Da ist eine solche Abstimmung doch sehr demokratisch. Von den 4000 Künstlern, die an „Showdown“ teilnehmen, haben ohnehin nur die zwei eine Chance, berühmt zu werden, die ins Finale kommen. Es geht mir letztlich immer nur darum, dass die Leute ihre Zeit mit Kunst verbringen.

          Haben Sie selbst einen Lieblingskünstler auf Your Gallery?

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