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Alexis Kugel über Yves Saint Laurent : Kunst zu sammeln war ihm ein physisches Bedürfnis

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Yves Saint Laurent und Pierre Bergé haben bei Kugel wichtige Stücke ihrer Kollektion von Kunsthandwerk erworben. Das Verhältnis der Sammler zu ihren Händlern war von Vertrauen geprägt.

          Angelika Heinick im Gespräch mit dem Pariser Galeristen Alexis Kugel über Yves Saint Laurent und Pierre Bergé

          Wie haben Sie Yves Saint Laurent und Pierre Bergé kennengelernt?

          Yves Saint Laurent und Pierre Bergé waren seit vielen Jahren Freunde und Kunden meines Vaters. Sie haben in meiner Laufbahn und der meines Bruders die vielleicht wichtigste Rolle gespielt. Als mein Vater 1985 starb, war ich neunzehn Jahre alt und mein Bruder zweiundzwanzig, und sie gehörten zu den ersten Sammlern, die uns jungen, noch unerfahrenen Händlern Vertrauen geschenkt haben. Das war die schönste Ermutigung, die man uns geben konnte. Im Lauf der Jahre ist daraus eine ziemlich einzigartige Beziehung entstanden. Mit keinen anderen Kunden haben wir eine derartige Vertrautheit entwickelt und werden sie vielleicht nie wieder haben.

          Wie hat sich das geäußert?

          Sobald wir ein Objekt gefunden hatten, von dem wir glaubten, dass es Yves Saint Laurent oder Pierre Bergé gefallen könnte, haben wir einen der beiden - meistens Pierre Bergé, er war eher abkömmlich als Saint Laurent - angerufen oder im Büro eine Nachricht hinterlassen. Fast immer kam Pierre Bergé noch am selben Tag in die Galerie, und in all den Jahren ist er nie ohne das Objekt fortgegangen, wegen dem wir angerufen hatten. Er sagte: „Ich nehme es.“ Erst dann fragte er nach dem Preis. Er und Saint-Laurent waren lange unsere besten Kunden. Sie haben uns geholfen, unseren Geschmack auszubilden. Im Gegenzug haben wir ihnen - ich will nicht überheblich sein - vielleicht auch ein bisschen geholfen, neue Sammelgebiete zu entdecken.

          Welche Art Sammler waren Yves Saint Laurent und Pierre Bergé? Wie würden Sie sie beschreiben?

          Kunst war ein grundlegender Bestandteil ihrer Existenz. Für Yves Saint Laurent war Kunst lebenswichtig, er hatte ein physisches Bedürfnis nach Kunst. Er war ein Einzelgänger, sehr schüchtern, sehr melancholisch. Er hatte das Bedürfnis, sich wie zum Schutz mit Kunstwerken zu umgeben. Eines Tages kam er zu uns am Vorabend einer seiner letzten Modeschauen im Hotel Intercontinental. Er war in einem sehr nervösen Zustand und sagte: „Es geht mir gar nicht gut, nichts läuft, wie ich will. Ich musste zu Ihnen kommen, um mich zu beruhigen.“ Er ist eine Stunde geblieben, wir haben einen Rundgang gemacht, er hat zwei, drei Dinge gekauft und ist wieder gegangen. Wir waren fast wie sein Arzt oder sein Apotheker.

          Wie könnte man die Sammlung der beiden charakterisieren?

          Es gibt nur wenige Sammlungen, die so sehr die Persönlichkeit der Sammler widerspiegeln - Eklektizismus und Strenge zugleich. Es ist kein Zufall, dass viele unserer Kunden Modeschöpfer sind. Sie suchen nach dem Meisterwerk wie in ihrem Beruf. Es ist einer der seltenen Berufe mit direkter Verbindung zum Schönen, der außerdem erlaubt, genügend Geld zu verdienen, um der Sammelleidenschaft zu frönen. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Sammlungen Saint Laurent und Bergé, sie haben sie beide als ein Ganzes angesehen.

          Man könnte meinen, die Zerstreuung dieser Sammlung schmerzt Sie sehr?

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