https://www.faz.net/-gyg-9hz31

Historische Öfen im Vergleich : Heiße Eisen

  • -Aktualisiert am

Gusseiserne Öfen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Bild: Eisenofenmuseum

Historische Öfen sind schön, und sie stehen im Wirkungsgrad oft nicht viel hinter modernen Anlagen zurück.

          Alt, älter, uralt: Im Gegensatz zu klassischen Oldtimern, also jenen Fahrzeugen, die in den kalten und nassen Wintermonaten abgedeckt in trockenen Hallen stehen und aufs kommende Frühjahr warten, haben es alte Öfen aus Gusseisen schwer. So waren und sind die Emissionen betagter Bentleys, Horchs oder eines Lagonda Rapide für den Verordnungsgeber kein Thema, dienen sie doch der „Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts“, wie es im einschlägigen Regelwerk heißt. Sie sind mehr oder weniger sakrosankt.

          Ganz anders steht es um den alten Ofen. Zwar hat der Gesetzgeber im Zuge der Novellierung der Kleinfeuerungsanlagenverordnung im März 2010 für ältere Modelle – jene, die vor 1950 produziert und aufgestellt wurden – einen Bestandschutz ausgesprochen. Doch Vorsicht. Denn der gilt nur, wenn ein historischer Ofen seit seiner ersten Inbetriebnahme stets am selben Ort stehengeblieben ist. Also nicht, wenn er aus der Etagenwohnung im Mehrfamilienhaus ins neu errichtete Eigenheim mit umziehen durfte. Eine Anforderung, die von Nachkriegsöfen vielleicht noch erfüllt wird, aber nur schwer von antiken Exemplaren. Öfen also, die hundert oder hundertfünfzig Jahre auf dem Buckel haben oder gar noch älter sind.

          Doch auch die müssen nicht dauerhaft kalt bleiben. Anders als es von den für die Abnahme und damit die Erlaubnis zum Anheizen zuständigen Schornsteinfegern gerne kolportiert wird, kann man durchaus auch gusseiserne Oldies betreiben. Doch die Genehmigungshürden sind hoch. So verlangt der Gesetzgeber, dass die Unikate einer anerkannten Prüfstelle (etwa dem TÜV Süd) vorgestellt werden, welche die Öfen dann, wenn Wirkungsgrad und Abgaswerte stimmen, mit einer „Typenprüfung“ segnen. Der Aufwand ist hoch. Die Prüfung einschließlich Transport kann einige hundert Euro kosten. Doch, was wenige wissen, es geht auch anders, wie Karin Michelberger und Wilfried Schrem vom Deutschen Eisenofenmuseum in Neu-Ulm erklären: So kann man beim zuständigen Landratsamt eine Ausnahme- oder Sondergenehmigung beantragen, mit dem Hinweis, dass der Weg über die Typenprüfung mit „unangemessenem Aufwand“ verbunden sei und dass man den Ofen als ofentechnisches Kulturgut und nicht als Hauptwärmeerzeuger nutzen werde, sondern ihn vielmehr nur ab und an anfeuere.

          Elektrisch zu beheizender Fünfplattenofen um 1950 von der Ahlmann-Carlshütte in Rendsburg. Bilderstrecke

          Schädliche Umweltwirkungen sind kaum zu erwarten, denn historische Öfen sind grundsätzlich keine Ökosünder. Doch es gibt Unterschiede. Anders als ihre modernen Kollegen, die mit großen Ofentüren und Brennräumen werben, was seltenes Nachlegen und das Beschicken mit „dicken Prügeln“ ermöglicht, überzeugen historische Öfen mit akribisch ausgetüftelten Wechselwirkungen von Türgrößen und der Dimension der Feuerräume. Alles fällt meist kleiner aus. Auch haben es die Konstrukteure damals schon geschafft, das Feuer in den Öfen wirkungsvoll mit Verbrennungsluft zu versorgen, was keineswegs trivial ist: Von unten strömt Primärluft durch den Feuerrost an der Glut und den unverbrannten Scheiten vorbei. Bei 600 bis 800 Grad können so die aus dem Holz entweichenden flüchtigen Gase verbrennen. Diese Temperaturen sind jedoch zu niedrig, als dass auch die ebenfalls anfallenden stabileren Pyrolyseprodukte abfackeln, was schlecht ist. Denn sie dürfen nicht in den Kamin entweichen, sind sie doch der Verursacher von Glanzruß, dem Grund so manchen Kaminbrands. Ihnen kommt man nur mit Hilfe der Sekundärluft bei, die durch die oberhalb des Rosts angeordneten Luftklappen in den Ofenraum strömt. Mit ihnen lassen sich deutlich höhere Verbrennungstemperaturen erreichen, die auch den hartnäckigen Gasbestandteilen des Holzbrands den Garaus machen.

          Hinsichtlich des Wirkungsgrads müssen sich viele historische Öfen ebenfalls nicht hinter ihren modernen Kollegen verstecken. Dafür sind ausgeklügelte Nachheiz-Register vorhanden, welche die heißen Rauchgase, bevor sie im Schornstein verschwinden, in einem verzweigten Labyrinthsystem herumschicken. Das geschieht im oberen Abschnitt der Öfen, der bei kreisrunden Modellen dem Ganzen den Anschein aufrecht stehender Kanonen verleiht. Noch heute spricht man daher bei diesen Modellen vom Kanonenofen.

          Holzöfen, ob modern oder historisch, können stinken. Meist in den Nachtstunden, wenn ihre Betreiber sie falsch bedienen. Spätabends legen die Holzheizer noch ein, zwei Scheite nach. Drehen alle Luftzufuhr ab und hoffen so, die Glut über die Nacht zu bringen. Das funktioniert mitunter, erzeugt aber miefige Schwelgerüche, die keiner braucht. Die Umweltverträglichkeit von Holzöfen hängt also wesentlich von den Nutzern dieser Wärmeerzeuger ab: Nasses oder auch feuchtes Holz darf nicht verbrannt werden. Auch kein (mit Kunststoff) beschichtetes. Ausgediente Billy-Regale müssen zum Recyclinghof geschafft werden. Sie dürfen, kleingehackt, nicht in den Wohnzimmer-Ofen gestopft werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.