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Rolf-Joseph-Preis : Nummer 7983

  • -Aktualisiert am

Bild: Anke Kuhl

„Jozef, Andzia, Jehuda, Jerzy“, diese Namen gehen dem Erzähler nicht aus dem Kopf. Diese Kurzgeschichte über die Schoa belegte den zweiten Platz beim Rolf-Joseph-Schülerwettbewerb über jüdisches Alltagsleben.

          4 Min.

          Mehr als sechs Millionen Juden starben im Zweiten Weltkrieg. Davon mindestens 1,1 Millionen Juden im Konzentrationslager Auschwitz. Dieser Text ist in Gedenken an alle Opfer, die in den Konzentrationslagern ums Leben kamen, entstanden und berichtet über einen Häftling im Konzentrationslager Auschwitz.

          Auch Rolf Joseph hatte den Holocaust überlebt. Nachdem er dreimal von der Gestapo festgenommen und gefoltert wurde, sollte er nach Auschwitz deportiert werden. Jedoch konnte er glücklicherweise aus dem fahrenden Zug springen und fliehen. „Mein ganzes Überleben damals, das war nur Glück“, sagte Rolf über seine Zeit auf der Flucht. Doch die meisten Menschen, die nach Auschwitz kamen, hatten nicht so viel Glück wie Rolf Joseph. Viele Menschen heute wissen sehr wenig über den Holocaust und die Konzentrationslager. Es ist wichtig, darüber zu sprechen, damit dieses Ereignis nicht in Vergessenheit gerät und so etwas nie wieder passiert.Die Kurzgeschichte zeigt die dramatische Situation der Juden in Auschwitz und ist aus Zeitzeugenberichten und Recherchen entstanden.

          ***

          „Gesegnet seist Du, Gott, unser Gott, Du König des Universums, der uns geheiligt hat durch seine Gebote, und uns befohlen hat, das Licht des heiligen Schabbats zu entzünden.“ Jüdischer Segenspruch

          „Jozef, Andzia, Jehuda, Jerzy.“ Ich wiederhole die Namen immer und immer wieder. „Jozef, Andzia, Jehuda, Jerzy.“ Und dabei habe ich ihre Gesichter vor Augen. Ich sehe sie vor meinem inneren Auge, wie sie erschossen werden, immer und immer wieder. „Jozef, Andzia, Jehuda, Jerzy.“ Ich rieche sie in der Luft, die nach Asche, Verwesung und Tod riecht. „Jozef, Andzia, Jehuda, Jerzy.“ Ich spüre ihre Anwesenheit in den Peitschenhieben der Offiziere. „Jozef, Andzia, Jehuda, Jerzy.“

          Ihre leblosen Augen blicken gen Himmel, und sie werden zu den anderen in die Massengräber geworfen, die sie vor wenigen Minuten noch selbst ausgraben mussten. Wenn ich mich nicht an sie erinnere, dann tut es keiner. Doch was spielt das noch für eine Rolle? Wenn ich heute nicht sterbe, dann tu ich es morgen. „Man lebt hier höchstens drei Monate, und wenn du ein Jude bist, dann nur sechs Wochen. Es gibt nur einen Weg hier raus: durch den Schornstein des Krematoriums.“ Das waren die Worte eines SS-Offiziers, als wir vor wenigen Wochen in Auschwitz ankamen und aus den Zügen geprügelt wurden. Immer wieder hallten die Worte des Offiziers in meinem Kopf nach. Damals verstand ich nicht, was diese Wörter bedeuteten. Ich konnte nicht nachvollziehen, was ich getan hatte. Das konnte keiner.

          Inzwischen weiß ich, dass es keinen wirklichen Grund gibt. Jeden Tag rollen die Züge in die Lager, jeden Tag kommen neue Häftlinge. So viele, dass ich sie nicht zu zählen vermag. Die meisten von ihnen sehe ich nie wieder. Vor den Gleisen sitzen SS-Ärzte und sortieren die Neuankömmlinge aus. Wer nach rechts geschickt wird, kommt nie wieder. Und wer nach links geschickt wird, den erwartet die Hölle auf Erden. Sie bekommen, genauso wie ich, eine Nummer. Meine Nummer ist die 7983. Täglich kommen neue Nummern hinzu und fallen aufgrund von Tod wieder weg. Hier sind wir keine Menschen mehr, wir sind nur noch Nummern auf einem Blatt Papier. Wir sind nur noch Abschaum und billige Arbeitskräfte.

          Gestern sah ich erneut, wie eine Familie getrennt wurde. Die Mutter hatte ihre kleine Tochter im Arm, welche verzweifelt nach ihrem Vater rief. Dieser wurde auf die andere Seite geschickt. Weint nicht, sondern seid froh, dass ihr all die Qualen nicht erleiden müsst, dachte ich, als ich sie sah. Unwissend lief die Mutter mit ihrer kleinen Tochter und Hunderten von anderen in die Gaskammern. Zuerst hört man noch die vor Scham aufschreienden Insassen, wenn sie sich alle ausziehen müssen. Dann wird das Gas eingelassen, nach ein paar Minuten hört das Husten und Röcheln auf. Dann ist alles totenstill.

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