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Transgender in der Praxis : Sätze mit Ausrufezeichen helfen hier nicht weiter

  • -Aktualisiert am

Christopher Street Day Parade 2018 in Köln Bild: snapshot-photography

Seit Jahren sitzen Kinder und Jugendliche in meinem Arztzimmer, die nicht zurechtkommen mit ihrem Zuweisungsgeschlecht. Warum gerade ihnen und ihren Familien die Polarisierung der Transgender-Debatte schadet. Ein Gastbeitrag.

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          Vor einigen Wochen erzählte mir ein fünfzehnjähriger Patient, der als Mädchen aufwuchs und seit einigen Monaten sozial als Junge lebt, dass sich sein behandelnder Psychotherapeut einen Aufkleber mit Regenbogenflagge auf die Türe seines Sprechzimmers geklebt habe. Der Therapeut sei ein „Straight Ally“ (wörtlich: aufrechter Verbündeter), das bedeute, dass man der LGBTIQ-Bewegung zwar nicht angehöre, diese aber mit aller Kraft unterstütze. Kurz überlegte ich, ob ich auch ein Straight Ally sei und ob ich meinen Patienten die ambulante Vorstellung in der Klinik erleichtern würde, wenn sie auch an meiner Türe einen solchen Hinweis fänden. Dann wurde mir klar, dass ich das nicht möchte.

          Seit fast zehn Jahren sitzen mehrfach in der Woche Familien in meinem Sprechzimmer, in denen sich ein Kind oder Jugendlicher plötzlich oder schon immer anders fühlt, als das Zuweisungsgeschlecht erwarten lässt. Es sind arme oder reiche, konservative oder liberale Familien auf der Suche nach Orientierung, Unterstützung, Beistand und Hilfe. Sie suchen keinen Verbündeten, sondern einen unabhängigen, aber wohlwollenden Experten, der Halt bietet und Entwicklungswege aufzeigt, begleitet. Diese Familien habe ich in den vergangenen zwei Jahren zunehmend verwirrter erlebt.

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