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: Wir können Google beherrschen

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Kritisch ist die Datensammlung für Nutzer eines Google-Kontos, bei dem eine Registrierung mit expliziten Daten wie Klarname und Adresse erfolgt. Google besitzt danach nicht nur diese Daten, sondern nutzt sie auch, um Werbung individuell zu optimieren, indem von Nutzern erstellte Inhalte wie etwa Mails maschinell nach Indizien für Interessen durchsucht werden.

Googles große Datengier

Wie datengierig aber ist Google im Vergleich? Die Finanzbranche und große Händler wissen bereits extrem viel über Bürger. Telekommunikationsanbieter und Internet-Provider könnten auch sehr viel wissen, wenn sie die gespeicherten Verbindungsdaten verwenden würden. Google gehört zur zweiten Gruppe und ist das einzige Unternehmen, das Suchanfragen und Internet-Bewegungsdaten - über Google Analytics - maschinell analysiert. Über den Bezahldienst Google Checkout werden außerdem Transaktionsdaten gesammelt, wenngleich in Deutschland mit geringem Erfolg.

Eine neue Dimension eröffnet die Technologie der maschinellen Gesichtserkennung in der Bilderplattform Picasa und bei Street View. Eigentlich ist sie eine Personenerkennung: Mit der Zuordnung von Gesichtern zu Identitäten wird faktisch die Anonymität aufgehoben. Google hat sich mit dieser Funktion im neuen Produkt "Goggles" an die Spitze der Befürworter des technisch Möglichen gesetzt, ist dabei aber nicht allein: Auch Apples iPhoto erkennt Gesichter und mit der App "Recognizer" eines anderen Anbieters wird dies bald auch für jedermann auf dem iPhone verfügbar sein. Dass Google seine Funktion bisher nicht freigeschaltet hat, entlastet das Unternehmen nicht.

Google erreicht in Deutschland gut sechzehn Millionen Nutzer täglich. Es stellt sich die Frage, wie die Unabhängigkeit der Suchmaschine von kommerziellen Interessen gesichert werden kann, denn sie ist zwar kein redaktionelles Angebot, für den Meinungsbildungsprozess aber ebenso wichtig, weil der Weg zu einem redaktionellen Online-Angebot in bis zu dreißig Prozent der Fälle über eine Suchmaschine führt. Daher sollte schon heute politisch diskutiert werden, eine neutrale und diskriminierungsfreie Suche auch medienrechtlich zu verankern.

Der Rundfunkstaatsvertrag kennt im Rahmen der "Plattformregulierung" Regeln, die einen diskriminierungsfreien Zugang zu Set-Top-Boxen und "elektronischen Programmführern" sicherstellen sollen. In den Mediengesetzen ist auch geregelt, dass redaktionelle Inhalte und Werbung zu trennen und zu kennzeichnen sind. Warum also sollte man nicht auch Aggregatoren wie Google auf eine unmanipulierte Auswahl von Internetinhalten verpflichten und ihnen nur unter Auflagen erlauben, selbst im Inhaltegeschäft tätig zu werden?

Google ist dominant und hat das Potential, die Privatsphäre zu bedrohen, Meinungsbildung zu beeinflussen und in bisher artfremde Informationsprozesse vorzudringen. Trotzdem sollte die Debatte sachlicher werden. Man kann das Internet als ein Kulturphänomen akzeptieren: Weil es Wissen befördert, Freiheitsrechte sichert und ungemein praktisch ist. Aber es ist Zeit, nach den Ursachen zu fragen, warum heute drei Viertel der Internettechnologie aus den Vereinigten Staaten kommen, obwohl der erste programmierbare Computer von Konrad Zuse gebaut wurde. Christoph Kappes

Der Autor leitet die Agentur Fructus, die Unternehmen bei ihren Internet-Aktivitäten berät.

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