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: Wir können Google beherrschen

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Dominanz ist hier also nicht zu bezweifeln, wohl aber eine Abhängigkeit von Google: Es gibt brauchbare Alternativen zur Suche, zum Videoportal und zum Landkartendienst. Selbst die Nutzung der Suchmaschine ist im Verhältnis zur allgemeinen Internetnutzung geringer, als man es aufgrund Ihrer Gatekeeper-Funktion erwarten müsste. Nach bisher unveröffentlichten Daten, die dem Autor vorliegen, erhält Google im Monat neun Prozent der 7,67 Milliarden Besuche auf den 10 000 meistbesuchten deutschen Websites, und sieben Prozent von rund 9,8 Milliarden Besuchen auf 300 000 Websites. Angesichts dessen, dass es in Deutschland dreizehn Millionen registrierte .de-Domains gibt und mindestens fünf Prozent der weltweit geschätzt 200 Millionen Websites auf unser Land entfallen, dürfte der Nutzungsanteil Googles insgesamt weit unter fünf Prozent aller Besuche liegen.

Zu einer anderen Bewertung kommt man, wenn Google-Produkte künftig mehr genutzt werden sollten. Bislang stellt sich noch die Frage, wie erfolgreich der Konzern sein wird, dessen erfolgreichste Angebote zunächst keine eigenen Erfindungen waren, während seine späteren Produkte wie Checkout, Jaiku, Picasa, Knol und Orkut gegen die Konkurrenz von Paypal, Twitter, Flickr, Wikipedia und Facebook/WKW/StudiVZ, jedenfalls in Deutschland, kaum ein Bein auf den Boden bekamen. Zudem zeigen Verhandlungen über neue Allianzen, etwa eine zwischen Apple und Microsoft über die Einbindung der Suchmaschine Bing auf dem iPhone oder die Gerüchte um den Erwerb einer Suchmaschine sowie ein eigenes Werbesystem durch Apple, dass sich das Blatt auch wieder wenden kann.

Google wird aber auch wegen einer Vielzahl von Aktivitäten kritisiert, die Datenschutz und Privatsphäre betreffen. Dies bezieht sich nicht nur auf Street View, sondern auch auf zwei Dienste, deren Technik und Zulässigkeit für Laien nicht leicht nachzuvollziehen sind: zum einen die bis zu achtzehnmonatige Speicherung von Suchabfragen, zum anderen das Webanalyse-Werkzeug Analytics, das auf knapp der Hälfte der 10 000 meistgenutzten deutschen Websites installiert ist, jede dort besuchte Seite an Google-Server im Ausland übermittelt und durch die Speicherung von Internetprotokoll-Adressen die Erstellung website-übergreifender Bewegungsprofile ermöglicht. Dabei ist die Regel, dass ohne Verbindungdaten zwar der Rechner, nicht aber die Person identifizierbar ist - und nur, wenn keine dynamischen IP-Adressen verwendet werden.

Mit der Verbreitung von mobilem Surfen und einer Vielzahl von Endgeräten, auf denen persönliche Dienste laufen, sowie der Tendenz zu festen IP-Adressen wird die Zuordnung von Geräten zu Personen jedoch immer eindeutiger. Plakativ gesagt: Während sich früher mehrere Menschen in einem Haushalt ein Endgerät mit einem dynamischen IP teilten, wird sich das Verhältnis so umdrehen, dass in zehn Jahren jede Person mehrere Endgeräte mit einer eindeutigen statischen Kennung hat. Diese drei Trends werden die Privatsphäre-Problematik verschärfen.

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