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: Schmadtke kritisiert Transfer-Wahnsinn: «Gefährlich»

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          2 Min.

          Kitzbühel (dpa) - Jörg Schmadtke hat die Kappe tief ins Gesicht gezogen und beobachtet das Training der FC-Profis in der malerischen Kulisse der Kitzbüheler Alpen wohlwollend.

          Seit Donnerstag bereitet sich der Kölner Fußball-Bundesligist im Wintersportort auf die neue Saison vor und ist voll im Plan. Auch der EM-Spieler Jonas Hector mischt bei den Einheiten wieder voll mit. «Er ist unser Nationalspieler und ein Stück weit auch unser Aushängeschild. Dass er durch die EM an Popularität auch außerhalb von Köln gewonnen hat, freut uns», sagte Schmadtke im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

          Nach der Trainingseinheit am Samstag unterhielt sich Schmadtke auf der Terrasse im Teamquartier «Kitzbühel Hotel Das Tirol» lange und intensiv mit Hector. Zwar verriet der Manager nicht, um was es ging. Spekulationen, der 26-Jährige könne den FC noch in diesem Sommer vorzeitig verlassen, wies Schmadtke aber zurück. «Es gibt keine Bestrebungen, ihn abzugeben und keine Anzeichen, dass er weg will.»

          Dabei ist Schmadtke klar, dass der EM-Linksverteidiger seinen Marktwert mit den guten Auftritten in Frankreich und besonders mit dem verwandelten Strafstoß im Elfmeterschießen im EM-Viertelfinale gegen Italien gesteigert hat. «Wahrscheinlich», meint der Manager. Aber es sei «komisch, dass ein verwandelter Elfmeter den Marktwert verändert. Wir waren immer von seinen fußballerischen Qualitäten überzeugt.»

          Für Schmadtke gibt es keinen Grund, den noch bis 2018 vertraglichen gebundenen Hector nun ins Schaufenster zu stellen, um womöglich einen hohen Transfererlös zu erzielen. Im Gegenteil. Er mahnt Vertragstreue an, auch wenn es «heutzutage oft keine Rolle mehr zu spielen» scheine, «ob ein Spieler einen Vertrag hat oder nicht».

          Ohnehin betracht Schmadtke das Transfergebaren einiger Vereine und die in diesem Sommer explodierenden Ablösesummen mit Sorge. Für kleinere oder mittelgroße Clubs wie Köln sei es «gefährlich», den Wahnsinn mitzumachen. Sie könnten langfristig auf der Strecke bleiben. «Dass der eine oder andere Verein glaubt, er müsse da mithalten, könnte zum Problem werden. Ich bin gespannt, wenn einige in ein oder zwei Jahren Kassensturz machen.»

          Nicht zuletzt deshalb blieb Schmadtke im Poker um Salif Sané hart, war nicht bereit, die angeblich von Hannover geforderten zehn Millionen Euro für den Abwehrspieler hinzublättern, auch wenn das finanziell machbar gewesen wäre. «Das Thema ist erledigt. Wir haben ein zweites Angebot hinterlegt. Das ist negiert worden und wir respektieren diese Absage.» Ein drittes Angebot werde es nicht geben.

          Schmadtke fürchtet, dass die Kluft zwischen Arm und Reich noch größer wird. «Es sieht so aus, dass sich die Schere immer mehr spreizt. Und in der Systematik, die wir momentan haben, sehe ich kaum eine Chance, dem entgegenzuwirken.» Schon jetzt sei die Bundesliga eine Dreiklassengesellschaft: «Da sind ein, zwei Clubs, die um den Titel spielen. Dann ein paar, die um die internationalen Plätze kämpfen. Der Rest spielt mehr oder minder um den Klassenverbleib.»

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