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Verdurstetes Kleinkind : Psychiater sieht gravierende Depression bei Mutter zur Tatzeit

Das Wiegen der Schuld: Justitia im Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Römerberg in Frankfurt Bild: Huebner

Eine Mutter hat ihr 13 Monate altes Kind ins Bett gelegt und nicht mehr versorgt, wie sie zugegeben hat. Im Prozess in Darmstadt geht es um ihre Schuldfähigkeit.

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          Im Darmstädter Strafprozess um ein verdurstetes Kleinkind hat am Donnerstag der psychiatrische Gutachter seine Einschätzung zur Schuldfähigkeit abgegeben, von der das Urteil der Richter des Landgerichts in hohem Maß abhängen wird. Der emeritierte Professor der Aachener Universität, Hennig Saß, sieht bei der angeklagten Mutter des 13 Monate alten Kindes ein gravierendes seelisches Leiden, nämlich eine Depression, die in der Zeit vor der Tat besonders intensiv aufgetreten sei. Deshalb stellte der Psychiater für die heute Siebenundzwanzigjährige eine zur Tatzeit „erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit“ fest. Das Einsichtsvermögen sei allerdings durch die seelische Störung nicht eingeschränkt gewesen.

          Jan Schiefenhövel
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Staatsanwältin Eva Heid wirft der Mutter in der Anklage vor, ihren kleinen Sohn grausam getötet zu haben. An einem Samstag im Oktober des vergangenen Jahres habe sie ihn in sein Bett gelegt und ihn dann nicht mehr versorgt. Nach einer Woche, als das Kind tot war, rief die Mutter den Rettungsdienst. Die Leiche wies Anzeichen von Mangelernährung auf, wie eine Rechtsmedizinerin als Gutachterin im Prozess gesagt hatte. Als Todesursache gab die Ärztin Verdursten an. Am Beginn der Hauptverhandlung hatte die Angeklagte zugegeben, ihren Sohn über Tage nicht versorgt zu haben.

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