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Fashion Week Russia : Könnten so die Modewochen der Zukunft aussehen?

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Wie sich das wohl anfühlt? Der Entwurf des russischen Labels „Ónoma“ war auf der digitalen Fashion Week Russia zu sehen. Bild: PR/Lookbook Ónoma

Die Fashion Week in Russland lief wegen der Corona-Pandemie zum ersten Mal komplett digital ab. Sieht so die Zukunft aus?

          5 Min.

          Das üppige Buffet ist halb verputzt, die Blumen sind am welken. Längst hat die junge Frau in einem Hauch von klinisch weißem Kleid ihren Kopf auf die Tischplatte sinken lassen. Opulente Langeweile, manische Schwere: Der Modefilm „Vanitas“ der russischen Designerin Anita Lyutvinskaya und ihres Labels Lutani fängt die Stimmung dieser Tage und Wochen in häuslicher Isolation beinahe gruselig gut ein und ist deshalb ein emblematischer Beitrag zur Mercedes-Benz Fashion Week Russia, die am vergangenen Wochenende erstmals komplett digital ablief.

          Als Konsequenz aus der sich weiter ausbreitenden Pandemie hatten die Veranstalter die eigentliche Fashion Week, die dieser Tage wie gehabt am historischen Roten Platz in Moskau hätte stattfinden sollen, Mitte März abgesagt. Dass man das Großereignis ins Digitale verlagere, kam in der vergangenen Woche als überraschende Ansage. Für alle Beteiligten hieß es also: keine Runway Shows im Veranstaltungszelt Manège, keine Cocktailempfänge, keine wilden Parties auf den Hotelzimmern des legendären Hotel Metropol. Stattdessen: Zwei Nachmittage in Heimquarantäne voller Lifestreams und Online Panels. Motto: #stayathome.

          Wie geht es mit der Mode in Zeiten von Corona weiter?

          Auf die erste digitale Moskauer Fashion Week lohnt allein deshalb ein Blick, weil sie eine frühe Antwort auf die Frage geben könnte, wie das eigentlich gehen kann mit der Mode in Zeiten von Corona. Für den Sommer sind bereits jetzt die meisten Fashion Weeks abgesagt, schon im Februar und März hatte es auf den großen Modewochen in Mailand und Paris erste digitale Eventexperimente gegeben, um primär asiatischen Einkäufern und Schaugästen, die schon dort nicht mehr anreisen konnten, die Teilnahme dennoch zu ermöglichen. Konzerte, Theater, Opern — Online-Events entpuppen sich derzeit ohnehin als Medium der Krise, warum sollte für die Mode etwas anderes gelten?

          Das Label Lutani inszeniert seine Entwürfe in melancholischem Licht, passend zur derzeitigen Stimmung.
          Das Label Lutani inszeniert seine Entwürfe in melancholischem Licht, passend zur derzeitigen Stimmung. : Bild: PR/ Lookbook Lutani

          Zudem wurde schon vor Corona immer öfter eine generelle Kritik am System der Modewochen laut. Von Einkäufern und Journalisten, die bis zu zehn Monate im Jahr durch die Welt tingeln, weil mittlerweile jede Woche irgendwo eine Modewoche ist. Von Designern, die bei der wachsenden Anzahl an Kollektionen kaum mehr wissen, wo sie noch eine Präsentation unterbringen können. Und von Klimaschützern, die zurecht den enormen Treibhausgasausstoß anprangern, den die Modeindustrie ja auch durch das viele Hin- und Herfliegen produziert.

          Grüner Vorreiter Stockholm

          Als grüner Vorreiter hatte Stockholm seine Fashion Week im vergangenen August abgesagt, um sich in Ruhe zu überlegen, wie eine nachhaltige Alternative aussehen könnte. Liegt die Zukunft der Modewochen langfristig sogar komplett im Digitalen?

          Einige Tage vor der Mercedes-Benz Fashion Week Russia suchte bereits die erste digitale Modewoche in Schanghai nach Antworten. In der westlichen Hemisphäre ging das medial etwas unter, vermutlich, weil das Livestream-Event in Kooperation mit der chinesischen Shopping-Plattform Taobao primär darauf ausgelegt war, die nationalen Verkäufe anzukurbeln — ihre jeweils einstündigen Livestreaming-Slots nutzten die Designer, um ihre Kollektionen zu zeigen oder QVC-mäßig in epischer Breite anzupreisen. Fashion forward, allerdings alles auf chinesisch.

          Das Label Novaya schnitt seine Entwürfe, wie diesen grünen Mantel, einfach in Videoaufnahmen von Metropolen und zeigte so, wo sie später getragen werden könnten.
          Das Label Novaya schnitt seine Entwürfe, wie diesen grünen Mantel, einfach in Videoaufnahmen von Metropolen und zeigte so, wo sie später getragen werden könnten. : Bild: PR/ Lookbook Novaya

          In Moskau verfolgte man da ein etwas anderes Konzept. Auf Megogo, sowas wie das russische Netflix, sowie auf Aizel.ru, dem hiesigen Luxus-Online-Shop, wurden im Stream rund 30 vorproduzierte Modefilme der teilnehmenden Labels gezeigt, die darin ihre Kollektionen für den kommenden Sommer in Szene setzten. Das entspricht etwa der Hälfte der Marken, die normalerweise auf der MBFWRussia defilieren. Übrigens auf Kosten der Modewoche, welche die Fashion-Filme finanziert. Die teilnehmenden Labels zahlen keinen Cent. Das ist ein Vorteil gegenüber teuren Schauenslots, insbesondere für junge Labels.

          Ergänzt wurde das ganze durch kurze Video-Gruß-Botschaften der Designer auf Instagram sowie Live-Panels auf Tiktok. Auch mit künstlicher Intelligenz wurde experimentiert: das AI-Model Aliona Pole wurde eigens von der russischen Modewoche „gebucht“, um echte digital fashion vorzuführen, stilecht aus Algorithmen und Neuronen. Zukünftig ist vielleicht noch ganz anderes denkbar. Der digitale Schauplatz bietet immerhin viel Raum zum Experimentieren.

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