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Kärcher testet Geräte : Den Viren im Haushalt mal kräftig Dampf machen

Schwamm drüber: Kärcher im Einsatz Bild: Hersteller

Im Kampf gegen Krankheitserreger kommen Geräte gerade recht, die Viren und Bakterien ohne Chemie den Garaus machen. Kärcher hat jetzt testen lassen, wie wirksam seine Dampfreiniger sind – vorausgesetzt, sie werden richtig angewendet.

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          Heißes Wasser reinigt besser als kaltes. Die stärkste Wirkung erzielt es, wenn das Wasser so weit erhitzt wird, dass es verdampft. Diesen Effekt machen sich Dampfreiniger für den Haushalt zunutze. Was umgangssprachlich als „Dampfstrahler“ bezeichnet wird, hat damit nicht viel zu tun. Das sind in den meisten Fällen Hochdruckreiniger, die den Schmutz mit kaltem oder bis 60 Grad Celsius warmem Wasser unter hohem Druck beseitigen, es verdampft dabei aber nicht. In Dampfreinigern wird das Wasser dagegen tatsächlich zum Kochen gebracht, der Druck hält sich aber in Grenzen. Sie dienen als Haushaltshilfen für allerlei Reinigungsaufgaben, brauchen für ihre Arbeit zwar elektrische Energie, dafür soll der Anwender aber auf Chemikalien verzichten können.

          Lukas Weber

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Das kommt in Zeiten der Virenplage vielen gerade recht. Der Reinigungsspezialist Kärcher hat nach eigenen Angaben in einem unabhängigen Labor seine Dampfreiniger auf ihre Wirksamkeit in der Bekämpfung von Krankheitserregern testen lassen. Das Ergebnis: Die richtige Anwendung vorausgesetzt, beseitigen die Geräte von Hartflächen bis zu 99,999 Prozent der mit einer Hülle versehenen Viren (außer Hepatitis-B-Virus), dazu gehören auch die Corona- und Influenzaviren, und 99,99 Prozent der haushaltsüblichen Bakterien. Da zurzeit Desinfektionsmittel vor allem für die ambulante und stationäre Patientenversorgung gebraucht würden, könnten Dampfreiniger einen wertvollen Beitrag zur allgemeinen Hygiene sowohl im privaten Haushalt als auch im gewerblichen und industriellen Einsatz leisten, meint das Unternehmen. Die Ergebnisse sind wohl auch auf Dampfreiniger anderer Hersteller übertragbar.

          Behüllte Viren können also durch hohe Temperaturen unschädlich gemacht werden. Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben und deshalb nach überwiegender Meinung keine Lebewesen sind, sprechen die Fachleute von Virusinaktivierung. Im Labor wurde auf einer Hartfläche ein zertifiziertes Testvirus (Modifiziertes Vacciniavirus Ankara) verteilt, das stellvertretend für behüllte Viren steht. Diese Fläche wurde anschließend mit der Handdüse eines Dampfreinigers und Mikrofaser-Überzug gesäubert. Bei maximalem Dampfdruck und einer Reinigungsdauer von 30 Sekunden auf einer Stelle konnte eine Inaktivierung nahezu aller Viren nachgewiesen werden.

          Verwendet wurde eine PVC-Platte in Anlehnung an DIN EN 16615 (chemische Desinfizierung von Oberflächen). Für die Messung der Wirkung gegen Bakterien wurde ein anderes Verfahren gewählt: Bei der Reinigung mit einer Geschwindigkeit von 30 Zentimetern in der Sekunde und maximalem Dampfdruck wurden 99,99 Prozent der Testkeime (Enterococcus hirae) getötet. Mit professionellen Dampfreinigern sind es sogar 99,999 Prozent.

          Anschließend bei mindestens 60 Grad waschen

          Kärcher hat sowohl Dampfreiniger für den Heimgebrauch als auch Geräte für den professionellen Einsatz testen lassen. Ob der Dampf in einem Heizkessel oder in einem Durchlauferhitzer erzeugt wird, spielt für das Resultat keine Rolle, beide Technologien erzielten im Labor ein vergleichbares Ergebnis.

          Der heiße Wasserdampf tritt mit rund 100 Grad Celsius aus und kühlt sich mit zunehmendem Abstand ab. Um Viren effektiv zu bekämpfen, muss die Düse also unmittelbar über die Oberfläche geführt werden. Außerdem ist eine ausreichende Reinigungsdauer notwendig, die gewählte Bedampfungszeit von einer halben Minute auf einer Stelle mit maximaler Dampfstufe kommt uns für den Alltagsgebrauch recht lange vor. Wie viele Krankheitserreger durch eine kürzere Verweildauer beseitigt werden, wurde offenbar nicht getestet. Die verwendeten Mikrofaser-Bezüge müssen anschließend bei mindestens 60 Grad im Standard-Waschprogramm gewaschen werden. Dampfreiniger benötigen nur Strom und Wasser und sind damit unabhängig von der Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln fast unbegrenzt lange einsetzbar. Da Dampfreiniger ohne chemische Reinigungsmittel arbeiten, schont ihre Anwendung nach Ansicht des Herstellers die Atemwege der Anwender und sorgt für ein gutes Raumklima. Dabei werden auch potentiell allergische Reaktionen durch Reinigungsmittelrückstände unterbunden, etwa bei Kindern, die auf dem Boden spielen. Allergiker profitieren davon, dass der Dampf den Staub bindet und damit das Aufwirbeln von Allergenen reduziert.

          Zwei Einschränkungen gibt es indessen: Das verschmutzte Objekt muss die hohe Temperatur vertragen, und es darf nicht empfindlich auf Feuchtigkeit reagieren.

          Ein ähnlicher Effekt der Beseitigung von Krankheitserregern aus der Raumluft wird von den Herstellern von Luftreinigern versprochen, die mit einem Gebläse die Luft durch Hepa-, Aktivkohle und andere Filter ziehen. Der Nutzen einer häufigen Desinfektion ist umstritten. Kritiker meinen, eine Gefahr für die Menschen gehe derzeit weniger durch kontaminierte Flächen im Haushalt aus als durch die Ansteckung außerhalb, und dort helfen die Dampfreiniger nicht.

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