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Fahrbericht Yamaha Tricity 300 : Piep Show

Yamaha Tricity 300 zum Komplett-Preis von 8400 Euro Bild: Wille

Ein weiterer Roller mit drei Rädern: Mit dem Tricity 300 macht sich Yamaha für Autofahrer interessant. Der Roller wirkt sehr durchdacht.

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          Es gibt nicht allzu viele Fahrzeughersteller, die sich dem Thema Dreirad mit Neigetechnik widmen. Yamaha zählt dazu. Im Unterschied zu Piaggio, Peugeot oder Quadro taten die Japaner das bisher auf nicht ganz einleuchtende Weise. Bei der Konstruktion des kleinen Scooters Tricitiy 125 und des ebenfalls mit zwei Vorderrädern ausgestatteten Sporttouring-Motorrads Niken 850 wurde darauf verzichtet, die Spurbreite so groß zu bemessen, dass zum Führen der Fahrzeuge die Fahrerlaubnis der Klasse B, also der Autoführerschein, ausreichend ist.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Ein Sonder-, womöglich sogar ein Irrweg. Yamaha selbst versperrte sich damit den Zugang zum Kundenkreis der Autofahrer ohne Motorradlizenz. Mit dem Tricity 300 zum Komplett-Preis von 8400 Euro vollzieht das Unternehmen nun den Schritt, der fällig war: Die Spurbreite von 470 Millimeter macht den neuen Tricity 300 zum „Auto“. So wie es Piaggio mit dem MP3 und Quadro schon geraume Zeit vorexerzieren, gleichfalls Peugeot mit dem Metropolis, dessen nächste Generation in Kürze vorgestellt wird. Zu beachten ist, dass sich die genauen Führerscheinregelungen in der EU unterscheiden. In Deutschland gilt: Autoführerschein reicht; sofern die Prüfung nach dem 19. Januar 2013 abgelegt wurde, beträgt das Mindestalter aber 21 Jahre.

          Für Vorderradführung und Neigetechnik hat jeder Hersteller sein spezielles Rezept. Yamaha vertraut für den Tricity 300 auf eine Bauweise, die jener der leistungsstarken, schnellen Niken ähnlich ist, mit einem Parallelogramm-Hebelsystem und unabhängig voneinander arbeitenden Telegabeln mit doppelten Gabelrohren. Yamaha nennt die ausgeklügelte Mechanik LMW-Ackermann-Federungs-/Lenksystem (siehe Text am Ende). Während die Räder der Niken an den Innenseiten der Telegabeln montiert sind, sitzen sie im Fall des Tricity außen.

          Rollertypische Triebsatzschwinge mit Federbeinen Bilderstrecke
          Fahrbericht : Yamaha Tricity 300

          Wer von einem gewöhnlichen Zwei- direkt auf solch ein Dreirad umsteigt, spürt bei Lenkbewegungen und Schräglagenwechseln eine gewisse Zähigkeit. Das gibt sich im Fall des Yamaha rasch. Für sich genommen verhält sich der Roller angenehm neutral, berechenbar, gutmütig. Agilität ist vorhanden. Durch doppelten Kontakt zur Straße vermittelt das Vorderradduo Vertrauen. Es verringert die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes infolge einer Schreckbremsung. Speziell im Regen, auf rutschigem oder holprigem Straßenbelag ist man unbeschwerter unterwegs.

          Zudem mobilisiert der Tricity bei Bedarf viel Bremskraft und -stabilität, da alle drei 14-Zoll-Räder mit jeweils einer 267-Millimeter-Bremsscheibe ausgestattet sind. Das vom ABS beaufsichtigte Kombisystem wurde narrensicher ausgelegt. Beim Zug am linken Bremshebel oder dem Tritt aufs Bremspedal aktiviert es nicht nur die Hinterradbremse, sondern verteilt die Bremskraft auf alle Räder. Damit soll ein Überbremsen des Hinterrads verhindert werden. Wer ausschließlich am rechten Hebel zieht, bremst nur mit den Vorderrädern.

          Praktische Sache für den Ampelstopp

          Profibremser dürften sich am teigigen, wenig transparenten Gefühl an den Bremshebeln stören. Womöglich ist das Absicht, weil der Tricity 300 Yamaha zufolge vorwiegend auf „neue und unerfahrene Fahrer“ ausgerichtet ist. Und die könnten eventuell von einer scharf zu Werke gehende Bremsanlage verschreckt werden. Das an sämtlichen Dreirad-Scootern vorhandene, gesetzlich geforderte, aber überflüssige und auf dem rechten Trittbrett unnötig Platz beanspruchende Bremspedal hat Yamaha weit innen am Mitteltunnel plaziert, wo es nur unter Verrenkungen erreichbar ist, aber vor allem nicht weiter stört. Gut so.

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