https://www.faz.net/-gus-9wuu3

Fahrer von Volkmarsen : Tatverdächtiger war früher bereits straffällig

  • Aktualisiert am

Polizisten untersuchen in den Abendstunden das Fahrzeug, das in die Menschenmenge gesteuert wurde. Bild: Reuters

In Volkmarsen ist ein Autofahrer in den Rosenmontagsumzug gefahren. Es gibt 30 Verletzte, darunter sieben Schwerverletzte. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. Auch eine zweite Person wurde festgenommen.

          3 Min.

          Am Montag ist ein Mann im nordhessischen Volkmarsen in den Rosenmontagszug gefahren und hat 30 Personen verletzt, davon sieben schwer, sagte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Etwa zehn der Verletzten seien Kinder, sagte am Montagabend der hessische Innenminister Peter Beuth. Die Polizei geht davon aus, dass der Fahrer unter Vorsatz gehandelt habe. Das hessische Innenministerium wollte einen Anschlag „aufgrund der Situation vor Ort“ noch nicht ausschließen. Die Opfer seien in unterschiedliche Krankenhäuser in der Region und weit darüber hinaus gebracht worden.

          Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und die hessische Polizei ermitteln gegen den mutmaßlichen Fahrer, einen 29-jährigen deutschen Staatsangehörigen aus Volkmarsen, der dringend verdächtig ist. Das schrieb die Generalstaatsanwaltschaft am Montagabend in einer Stellungnahme.

          Nach den bisherigen Erkenntnissen sei der Mann gegen 14.45 Uhr mit hoher Geschwindigkeit in eine Menschengruppe in Volkmarsen gefahren. Die Lage werde vom Polizeipräsidium Frankfurt aus geführt. Das ist bei größeren Einsätzen in Hessen üblich – vor allem immer dann, wenn es sich um einen Terrorverdacht handelt.

          Der Tatverdächtige ist nach Informationen des hessischen Innenministeriums zurzeit nicht vernehmungsfähig. Er befindet sich derzeit aufgrund der Verletzungen in ärztlicher Behandlung. Der Beschuldigte soll dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, sobald dies sein Gesundheitszustand zulässt. Die Deutsche Presse-Agentur berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Fahrer des Autos den Behörden nicht als Extremist bekannt war. Demnach sei er in der Vergangenheit durch Beleidigung, Hausfriedensbruch und Nötigung aufgefallen.

          Ein Polizist steht vor dem Haus des Tatverdächtigen.

          Der Generalstaatsanwalt sagte, dass der Fahrer nicht betrunken gewesen sei. Möglicherweise habe er aber Drogen konsumiert. Eine Nachbarin sagte zu RTL: „Ich habe ihn heute wegfahren sehen, er sah aus, als stünde er unter Drogen und sagte, 'bald stehe ich in der Zeitung'“. Außer dem Fahrer wurde in Volkmarsen noch eine weitere Person festgenommen. Auch die zweite Person soll laut Ermittlern „an der Tat ebenfalls beteiligt gewesen sein“. Er soll hinter dem Auto gefilmt haben. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen war aber noch unklar, ob es sich um einen Schaulustigen handelte oder ob er eingeweiht war. Er sei bereits kurz nach dem Zwischenfall von der Polizei mitgenommen worden, hieß es.

          Merkel und Bouffier reagieren bestürzt

          Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich erschüttert. „Ich bin schockiert über diese schlimme Tat“, erklärte Bouffier. Er bitte darum, „nicht über mögliche Motive zu spekulieren“. Dies sei die Stunde der Ermittler, die mit Hochdruck an der Aufklärung der Gewalttat arbeiteten.

          Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte bestürzt. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten von Volkmarsen und ihren Angehörigen“, ließ Merkel über die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer bei Twitter erklären. „Ich wünsche allen baldige und vollständige Genesung.“ Die Kanzlerin richtete zudem der Polizei und allen medizinischen Einsatzkräften ihren „herzlichen Dank“ aus. Hessens Innenminister Beuth sagte: „Es ist einfach nur eine furchtbare, eine schreckliche Tat, die begangen wurde an Menschen, die unbeschwert einfach nur Karneval feiern wollten.“

          Wie die Polizei Westhessen auf Twitter mitteilte, wurden alle in Hessen stattfindenden Fastnachtsumzüge abgebrochen. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Das bestätigte auch die Polizei in Frankfurt gegenüber der F.A.Z. Davon betroffen sind offenbar nicht die Karnevalsumzüge am Dienstag.

          In Mainz hingegen hat die Polizei in einer Pressemitteilung versichert, die Einsatzkräfte beim städtischen Umzug kurz nach dem Vorfall sensibilisiert zu haben. Drohnen, die bisher zur Überwachung des Veranstaltungsraums genutzt werden, würden nun „explizit für den Bereich an den Zufahrtsstraßen und Rändern des Veranstaltungsraumes eingesetzt“. So wolle man auffällige „Fahrzeugbewegungen“ frühzeitig erkennen.

          Die Polizei Nordhessen hat ein Hinweisportal eingerichtet. Man appelliere an alle, die Bilder und Videos aus Volkmarsen haben, sich mit Spekulationen zurückzuhalten und keine dieser Aufnahmen zu verbreiteten, hieß es auf Twitter.

          Die Polizei hat auch vor dem Verbreiten angeblicher Fotos des Täters gewarnt. "Bei der abgebildeten Person handelt es sich definitiv nicht um den Täter", schrieb die Polizei Nordhessen bei Twitter. "Teilen Sie keine Falschnachrichten!", hieß es. Dazu stellte sie ein Bild, auf dem mehrere Menschen zu sehen sind, die neben einem Auto stehen. Ihre Gesichter wurden unkenntlich gemacht. Es würden derzeit Fotos kursieren, die angeblich die Festnahme des Täters zeigen sollen, hieß es in dem Tweet.

          Laut dem „Hessischen Rundfunk“ berichtete ein Augenzeuge, das Auto sei etwa 30 Meter weit in die Menge gefahren, bis es zum Stehen gekommen sei. Fotos auf sozialen Netzwerken zeigen Einsatzwagen nahe eines Supermarktes.

          Volkmarsen ist eine Kleinstadt im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit rund 6800 Einwohnern. Sie ist rund 30 Kilometer von Kassel entfernt. 

          Topmeldungen

          Demo am 1. August in Berlin

          „Querdenken 711“ : Und wieder die Politiker!

          Eine Initiative peitscht Bürger in der Corona-Pandemie auf, um sie zu ihren Demos zu locken. Doch angebliche Belege sind gefälscht, Fotos aus dem Zusammenhang gerissen.

          Neuer und Flick mahnen : Die gefährliche Lage beim FC Bayern

          Vor den entscheidenden Spielen in der Champions League herrscht beim FC Bayern große Zuversicht. Doch es gibt auch kritische Töne. Torhüter Manuel Neuer äußert sich derweil zu seinem umstrittenen Urlaubsvideo.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.