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Nach Großrazzia in Hamburg : Haben Ärzte, Apotheker und Manager gemeinsam betrogen?

  • Aktualisiert am

Ärzte sollen Rezepte für hochpreisige Krebsmedikamente nur über bestimmte Apotheken eingelöst haben. Bild: obs

Nach der Razzia im Gesundheitswesen wird deutlich: Ärzte, Apotheker und Pharma-Manager arbeiteten bei Rezepten zur Krebsbehandlung offensichtlich Hand in Hand. Bestechung, Bestechlichkeit und Betrug lauten die Vorwürfe.

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          Nach einer Razzia wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs mit Krebsmedikamenten werden Verflechtungen zwischen beschuldigten Apothekern und Ärzten deutlich. So sollen drei Apotheker, gegen die die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt, über verschiedene Unternehmen ein Krankenhaus erworben und betrieben haben, wie die Ermittlungsbehörde am Mittwoch mitteilte.

          Über die Klinik sollen sie wiederum bundesweit medizinische Versorgungszentren (MVZs) geführt und Einfluss auf deren angestellte MVZ-Ärzte genommen haben. Apothekern sei die Gründung medizinischer Versorgungszentren grundsätzlich nicht erlaubt, berichtete die Staatsanwaltschaft.

          Die Behörde ermittelt gegen drei Apotheker, neun Ärzte und zwei Pharma-Manager wegen Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen im besonders schweren Fall sowie bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs. Den Beschuldigten drohen bis zu fünf Jahre Haft.

          Versprochene Vorteile für Ärzte

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden am Dienstag insgesamt 58 Objekte durchsucht, etwa 480 Beamte waren im Einsatz. Es wurden rund 1000 Kartons mit Unterlagen und rund 100 Mobiltelefone, PCs und Speicherkarten zur Auswertung sichergestellt. „Es handelt sich um eine der größten Durchsuchungsmaßnahmen, die die Korruptionsabteilung der Staatsanwaltschaft Hamburg jemals durchgeführt hat“, sagte die Sprecherin der Behörde, Nana Frombach. Als Gesamtschaden werden von ihr mindestens 8,6 Millionen Euro angegeben.

          Den Apothekern wird vorgeworfen, neun Ärzte durch Gewährung von Vorteilen an sich gebunden zu haben. Nach Berichten von „Zeit Online“ und „Panorama“ soll es um rückzahlungsfreie Darlehen, Luxusfahrzeuge zur Nutzung oder Praxiseinrichtungen gegangen sein. Die Ärzte sollten Rezepte insbesondere für hochpreisige Krebsmedikamente nur noch über die von den Beschuldigten betriebenen Apotheken und Unternehmen einlösen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

          In Bezug auf die MVZs recherchierten „Zeit Online“ und „Panorama“, dass eine Pharma-Firma über ein verflochtenes Firmenkonstrukt bundesweit Arztpraxen aufgekauft und dafür ein „Vielfaches des üblichen Marktpreises“ gezahlt habe. Anschließend seien die Praxen dann in MVZs umgewandelt worden.

          Sollten sich die Anschuldigungen bestätigen, verurteile der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO) dies aufs Schärfste, teilte der BNHO-Vorsitzende Wolfgang Knauf mit. „Wir Ärzte, denen die zum Teil schwer erkrankten Menschen ihre Gesundheit anvertrauen, dürfen uns ausschließlich ihrer optimalen Versorgung verpflichtet fühlen – völlig unabhängig von wirtschaftlichen Interessen.“ Um wirtschaftlichen Verflechtungen zukünftig keinen Raum mehr zu geben, „sollte die Gesundheitspolitik dringend die rechtlichen Grundlagen für rein ökonomische Wertschöpfungsketten im Gesundheitswesen überarbeiten.“

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