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Verdächtige flüchtig : Die Hinweise deuten auf Großfamilie R.

Bewaffnete Polizisten auf einem Balkon in Berlin Bild: dpa

Im Fall des Diebstahls aus dem Grünen Gewölbe sind zwei Tatverdächtige weiter auf der Flucht. Drei Verdächtige hat die Polizei am Dienstag in Berlin festgenommen. Alle fünf gehören der arabischstämmigen Großfamilie R. an, die für aufsehenerregende Diebstähle bekannt ist.

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          Kurz nach dem spektakulären Juwelendiebstahl aus dem Dresdner Grünen Gewölbe vor fast einem Jahr hatten Ermittler einen Verdacht. Die Tat war mit solcher Dreistigkeit ausgeführt worden, dass ihr Blick sogleich auf die arabischstämmige Großfamilie R. in Berlin fiel. Einige Mitglieder der Clan-Familie hatten zuvor schon aufsehenerregende Diebstähle begangen. Am Dienstag schien sich der Verdacht bewahrheitet zu haben. Mit einem Großaufgebot von mehr als 1600 Beamten aus acht Bundesländern war die Polizei in Berlin im Einsatz.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Beamten durchsuchten 18 Objekte, darunter zehn Wohnungen, Garagen und Fahrzeuge. Mehrere Objekte lagen im Stadtteil Neukölln, der von Clan-Kriminalität besonders betroffen ist und in dem viele Mitglieder der Familie R. leben. Durchsuchungen gab es auch in Kreuzberg, Charlottenburg und anderen Stadtteilen, wie ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden sagte.

          Schon in der Nacht hatten Spezialkräfte der Polizei aus mehreren Bundesländern, darunter auch die GSG 9, drei dringend tatverdächtige Männer festgenommen. Es sind zwei Dreiundzwanzigjährige und ein Sechsundzwanzigjähriger, wie die Dresdner Staatsanwaltschaft mitteilte. Alle sind Angehörige der Familie R. und deutsche Staatsangehörige. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Das Amtsgericht Dresden setzte die bereits bestehenden Haftbefehle wegen schweren Bandendiebstahls und Brandstiftung in Vollzug, wie die Staatsanwaltschaft am Nachmittag mitteilte. Die drei dringend tatverdächtigen Beschuldigten haben sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert.

          Die Polizei fahndet öffentlich nach zwei weiteren Tatverdächtigen aus der Großfamilie. Es handelt sich um die 21 Jahre alten Zwillinge Abdul Majed R. und Mohammed R. Die beiden Tatverdächtigen sind weiterhin auf der Flucht. Zum Aufenthaltsort der Zwillingsbrüder gebe es noch keine neuen Erkenntnisse, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen in Dresden. Zuletzt hatten Ermittler am Dienstagabend über das Auffinden eines Fluchtfahrzeugs berichtet. Am frühen Dienstagabend hatten die Ermittler bekanntgegeben, dass ein noch gesuchtes Auto, das im Zusammenhang mit den Flüchtigen steht, gefunden wurde.

          Nach diesen beiden Brüdern wird gefahndet.
          Nach diesen beiden Brüdern wird gefahndet. : Bild: EPA

          Die Tat vom 25. November 2019 war schon durch das dreiste Vorgehen außergewöhnlich. Zwei Männer stiegen gegen fünf Uhr morgens in das Historische Museum in Dresden ein, zerschnitten dafür ein eisernes Fenstergitter und zerstörten das dahinterliegende Fenster. Dann zerschlugen sie mit einer Axt in mehreren Hieben das Sicherheitsglas einer Vitrine und flüchteten mit juwelenbesetztem Schmuck, der mehrere hundert Millionen Euro wert sein soll – abgesehen vom unschätzbaren historischen Wert. Der Einbruch soll nur wenige Minuten gedauert haben. Das erste Fluchtfahrzeug, einen Audi A6, hatten die mutmaßlichen Täter kurz nach dem Diebstahl in einer Tiefgarage abgestellt und angezündet. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung hatten sie für ihre weitere Flucht über die Autobahn nach Berlin einen PS-starken Mercedes in Dresden bereitgestellt, der als Taxi getarnt gewesen sei.

          Einer der Festgenommenen ist Wissam R.

          Viele der geraubten elf Schmuckstücke sowie Teile von zwei weiteren Objekten gehörten zu Garnituren des legendären Sachsenkönigs August des Starken. Die Großrazzia am Dienstag sollte dazu dienen, Spuren zu den gestohlenen Kunstschätzen zu finden. Die Beamten suchten deshalb nach Computern und Handys, Kleidungsstücken und Werkzeugen, die als Beweismittel dienen könnten.

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