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Mordverdacht in fünf Fällen : FPÖ schließt Schützen von Kitzbühel aus

Grablichter und Rosen stehen an einem Tor in der Nähe eines Tatortes. Bild: dpa

Nach seinem Geständnis bei der Polizei muss der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft. Die Tiroler FPÖ schloss ihn derweil wegen „Gefahr in Vollzug“ umgehend aus der Partei aus.

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          Der Schütze von Kitzbühel, der am Sonntag der Polizei gestanden hatte, fünf Menschen getötet zu haben, ist am Montag vom Landesgericht Innsbruck in Untersuchungshaft genommen worden. Der 25 Jahre alte Mann hatte in den frühen Morgenstunden seine frühere Freundin, deren neuen Gefährten, sowie ihre Eltern und ihren Bruder mit einer Pistole erschossen. Nach eigener Aussage tötete er aus Eifersucht. Der neue Freund der jungen Frau war Profi beim Kitzbüheler Eishockeyklub KEC „Die Adler“. Über den Tatverdächtigen wurde bekannt, dass er Mitglied der rechten Partei FPÖ war, die ihn umgehend ausschloss. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, im Fall eines Mordverdachts seien keine weiteren Haftgründe erforderlich, es sei in jedem Fall die Untersuchungshaft zu verhängen.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Der mutmaßliche Täter, Andreas E., war nach den bisherigen Angaben bis vor zwei Monaten mit der 19 Jahre alten Nadine H. liiert, die er nun erschossen hat. Sie wohnte in einer Einliegerwohnung in ihrem Elternhaus. Dort befand sie sich zusammen mit ihrem neuen Freund. Offenbar war es am Abend vor der Tat in einem Lokal in dem Wintersportort zu einem Streit zwischen den beiden früheren Partnern gekommen. Andreas E. kam in den frühen Morgenstunden zu dem Haus, wurde zunächst vom Familienvater abgewiesen, kehrte dann mit der Waffe zurück und erschoss die drei Angehörigen von Nadine H. Da die Einliegerwohnung verriegelt gewesen war, drang er schließlich über den Balkon dort ein und tötete das junge Paar. Anschließend stellte er sich der Polizei und legte ein Geständnis ab.

          In dem Ort, der wegen des Hahnenkamm-Skirennens und der damit verbundenen Ansammlung von Prominenten weltbekannt ist, wurde allseits tiefe Betroffenheit bekundet. Am Rathaus wehte eine schwarze Fahne. Bürgermeister Klaus Winkler sprach von einer „überraschenden und unfassbaren Tragödie“. Eine „derartige Greueltat“ habe es in Kitzbühel noch nie gegeben. Beide Familien, sowohl die des Verdächtigen als auch die Opferfamilie, seien im Ort hoch angesehen. Die Tiroler Landesregierung legte am Montag auf ihrer Sitzung eine Schweigeminute ein. Landeshauptmann Günther Platter sagte: „Uns fehlen angesichts dieser unfassbaren Tragödie nach wie vor die Worte. Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der Opfer.“ Der frühere und mutmaßlich auch künftige Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigt sich auf Twitter schockiert. Er frage sich, wie ein Mensch so viel Hass in sich finden könne.

          Ein Post der SPÖ sorgte für Aufsehen

          Eines der Opfer war der Eishockeyspieler Florian Janny. Er spielte zuletzt als Torhüter beim Kitzbüheler Eishockeyklub in der zweiten Liga, davor unter anderem für die „Liwest Blackwings Linz“. Beide Vereine drückten Bestürzung und Beileid aus. Noch am Vorabend der Tat sei Janny nach einem Heimspiel als „Man of the Match“ ausgezeichnet worden.

          Der Tiroler FPÖ-Landesverband teilte mit, Andreas E. sei nach Bekanntwerden der Tat noch am Sonntag wegen „Gefahr in Verzug“ aus der Partei ausgeschlossen worden. Er sei im Jahr 2014 für zwei Monate als Jugendreferent Mitglied der Stadtparteileitung der FPÖ Kitzbühel gewesen, danach bis Sonntag einfaches Parteimitglied, ohne Funktion oder Mandat. FPÖ-Landesparteigeneralsekretär Patrick Haslwanter versicherte im Namen der Freiheitlichen Partei den Angehörigen der Opfer seine „aufrichtigste Anteilnahme“. Eine regionale Unterorganisation der sozialdemokratischen SPÖ suggerierte einen Zusammenhang zwischen der Tat und der politischen Gesinnung des mutmaßlichen Täters. Der Hintergrund des Täters sei eine Tatsache, über die man sich aus Sicht der Ortsgruppe ernsthaft den Kopf zerbrechen müsse und die sehr nachdenklich mache, teilte die SPÖ Langenenzersdorf mit. „Erst unlängst schoss ein anderer FPÖ-Politiker wild von einem Balkon. Und auch das war kein Einzelfall.“

          Die FPÖ reagierte empört. Die unfassbare Härte dieser Tat in Kitzbühel „in einer derart widerlichen Art“ politisch auszunützen, sei „der absolute Tiefpunkt“, den eine demokratisch gewählte Partei in Österreich je erreicht habe, kommentierte FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker „die unglaubliche Entgleisung der SPÖ Langenzersdorf“. Die SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner sei „angehalten, diesem ungustiösen und nicht tolerierbaren Treiben“ ein Ende zu bereiten.

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