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Großrazzia gegen Abou-Chakers : „Finanzamt ermittelt, und die Scheiße wird heiß“

Großrazzia gegen die Abou-Chakers: Steuerfahnder in einem Geschäftshaus im Bezirk Treptow Bild: dpa

Werden Arafat Abou-Chaker am Ende Steuerdelikte zum Verhängnis? Darauf deuteten Ermittlungsdetails schon früh hin. Und dann sprach auch noch Bushido vor Gericht über unversteuertes Geld, das er dem Clanchef habe zahlen müssen.

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          Es sind harte Zeiten für Arafat Abou-Chaker: Im August hat in Berlin der große Prozess gegen ihn und drei seiner Brüder wegen Vorwürfen zum Nachteil des Rappers Bushido begonnen. Vergangene Woche musste der Berliner Clanchef dann seine Mutter beerdigen. Und am Dienstagmorgen, wenige Tage später, rückten Hunderte Ermittler in Berlin, Brandenburg und der Schweiz zu einer Großrazzia aus. 300 Einsatzkräfte durchsuchten wegen Vorwürfen der Steuerhinterziehung, der Geldwäsche und des Verstoßes gegen das Abgabegesetz 18 Objekte. Die „Bild“-Zeitung zeigte den verschlafenen Hauptverdächtigen am frühen Morgen vor seiner Villa in Kleinmachnow: Arafat Abou-Chaker.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Sein Bruder Nasser war in einem Video zu sehen, das Ermittler bei dem Büro der Abou-Chakers in der Puderstraße zeigte. Durchsucht wurden laut „Bild“ außerdem eine Anwaltskanzlei sowie Räume eines Notars in Charlottenburg und einer Baufirma. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, dass es auch in der Schweiz Durchsuchungen gegeben habe und insgesamt gegen vier Beschuldigte ermittelt werde. Vermögen in Höhe von mehreren Millionen Euro sei vorläufig sichergestellt worden. Außerdem habe man Geschäftsunterlagen und Datenträger sichergestellt, die jetzt gesichtet und ausgewertet werden müssten. Bei den Ermittlungen gehe es unter anderem um den Verdacht von Steuerstraftaten in erheblichem Umfang – „im Zusammenhang mit Managementleistungen innerhalb der Rapszene“.

          Auch bei dem Prozess in Berlin geht es aktuell um Arafat Abou-Chakers Rolle als ehemaliger Manager von Bushido. Als sich Bushido 2017 von ihm trennen wollte, soll Abou-Chaker den Rapper in seinem Büro eingesperrt, verletzt und bedroht haben. Bushido sagt in dem Prozess als Zeuge aus. Um den Vorfall in dem Büro ging es bisher nicht. Dafür sprach Bushido bereits ausführlich darüber, dass er Teile seiner Einnahmen über Jahre unversteuert an Abou-Chaker hätte abgeben müssen – zunächst sogar in Bar. Insgesamt habe der Clanchef neun Millionen Euro an ihm verdient. Die Verteidiger von Abou-Chaker forderten immer wieder Einsicht in Akten von weiteren Ermittlungsverfahren, die wegen Aussagen von Bushido eingeleitet worden seien.

          Mögliche Steuerdelikte

          Zivilrechtlich streiten sich Bushido und sein ehemaliger Manager um viel Geld: Sie teilten sich nicht nur das etwa 15 Millionen Euro teure Villen-Grundstück in Kleinmachnow und das Label „ersguterjunge“, sondern investierten auch gemeinsam in eine Immobilie mit 92 Wohneinheiten im brandenburgischen Rüdersdorf. Schon 2018 hatte die Polizei bei einer Razzia das Handy von Abou-Chaker sichergestellt und darauf Aufnahmen Dutzender heimlich mitgeschnittener Gesprächen gefunden. In den Ermittlungsakten war danach die Rede davon, dass die Gespräche Passagen enthalten, die auf mögliche Steuerdelikte hinweisen.

          In dem aktuellen Prozess sind auch mehrere Rapper vorgeladen, die früher bei „ersguterjunge“ unter Vertrag standen. Bei der Polizei haben Musiker wie Shindy und Ali Bumaye bereits beschrieben, wie unklar die Vertragssituation für die Musiker oft war. Teilweise hätten sie Verträge sowohl mit Bushido als auch mit Abou-Chaker unterschrieben, der dann wiederum die Verträge mit Bushido zerrissen habe. Mündliche Absprachen kamen hinzu, am Ende soll für die Rapper oft unklar gewesen sein, bei wem sie eigentlich unter Vertrag standen. Der Rapper Shindy, der während des Streits zwischen die Fronten von Abou-Chaker und Bushido geriet, rappte 2019: „Für manche dieser Leute war ich eh nur eine Zahl auf irgendeinem dubiosen Konto in der Schweiz / Finanzamt ermittelt, und die Scheiße wird heiß“.

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