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Bundesliga-Livespiele : Deutliche Kritik an der DFL-Rechtevergabe

Viele Bundesligaspiele laufen bei Sky – aber nicht alle. Bild: dpa

Im Juni wurden die Bundesliga-Medienrechte für vier Spielzeiten vergeben. Nun übt das Beratungsgremium der Bundesregierung deutliche Kritik. Die aktuelle Vergabepraxis schade dem Fan und der Liga.

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          Noch nie hat die Monopolkommission Wettbewerbsentscheidungen des Kartellamtes in Bonn im Sport so deutlich kritisiert. Hierbei geht es neben den Werbemöglichkeiten für Olympiaathleten vor allem um die Regelungen zur Vergabe der Medienrechte an der Fußball-Bundesliga, die im Juni für die nächste Periode zwischen 2021/22 und 2024/25 stattgefunden hat. „Tatsächlich birgt eine Fokussierung auf die bloße Aufteilung der Rechte an mehrere Bieter die Gefahr, dass Verbrauchervorteile verlorengehen, Wettbewerb ausgeschlossen wird und es kumuliert zu höheren Preisen kommt“, steht in dem an diesem Mittwoch erscheinenden Hauptgutachten der Monopolkommission, dem Beratungsgremium der Bundesregierung. Die umfangreiche Bewertung zu unterschiedlichen Fragen der Wettbewerbspolitik in der Wirtschaft erscheint alle zwei Jahre und liegt der F.A.Z. vorab vor.

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          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In Sachen Medienrechte der Deutschen Fußball-Liga (DFL) wird dem Kartellamt empfohlen, die ökonomischen Auswirkungen der Zentralvermarktung „insgesamt systematischer“ zu erfassen und „zur besseren wettbewerblichen Kontrolle“ die Zuschauer vor solchen Entscheidungen zu befragen. Eine solche Erhebung unter Fußballfans hat bisher nicht stattgefunden. „Die DFL ist bei der zentralen Rechtevermarktung ein Monopolist und verständlicherweise an hohen Einnahmen interessiert. Missbrauchen darf man ein Monopol aber nicht. Eine kartellrechtliche Anforderung ist deshalb, dass auch die Interessen der Verbraucher gewahrt werden“, sagt Achim Wambach, Vorsitzender der Monopolkommission, auf Anfrage.

          Derzeit und auch in der nächsten Rechteperiode teilen sich der Bezahlsender Sky und der Streamingdienst DAZN die Übertragungen der Bundesliga-Livespiele über ein Wochenende auf. So muss ein Fan, der seinen Lieblingsverein über die Saison durchgehend verfolgen will, beide Abonnements kaufen. Das gilt auch für einen Zuschauer der gesamten Bundesliga-Strecke. Ein wirklicher Wettbewerb zwischen den beiden Anbietern Sky und DAZN ums selbe Produkt (einzelne Spiele) findet nicht statt. Auch die DFL als Vermarkter der Spiele könnte wegen der Trennung der Live-Pakete Nachteile erfahren, weil aufgrund des fehlenden Wettbewerbs unter den Medienunternehmen um den Konsumenten die aufsummierten Preise für beide komplementären Angebote wohl höher liegen als aus einer Hand und somit am Ende weniger Fans Bundesliga schauen.

          So schlägt die Monopolkommission die Vergabe der Rechte für die Live-Berichterstattung eines gesamten Spieltags an einen Anbieter oder eine parallele Übertragung einzelner Spiele von zwei Anbietern vor. Alternativ seien auch vereinsbezogene Rechtepakete (zum Beispiel alle Live-Spiele des FC Bayern München in einem Angebot) vorstellbar. „Die No-Single-Buyer-Rule, wie sie das Bundeskartellamt für die Bundesliga vorsieht, schadet sowohl dem Fan als auch der Liga“, sagt der Münchner Kartellrechtler Mark-E. Orth. Für ihn fehle derzeit der Wettbewerb. Derweil fordert das Beratergremium der Regierung ein „kartellbehördliches Tätigwerden“.

          Mehr Einsatz erwartet die Monopolkommission von den Wettbewerbshütern auch im Fall der Vermarktungsrechte für Olympiaathleten. Zwar hat die Kartellbehörde in einem Verfahren gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) Lockerungen der individuellen Werbemöglichkeiten zu Olympischen Spielen erzwungen. Diese Entscheidung sei jedoch auf deutsche Athleten beschränkt, steht im Gutachten.

          Das heißt: Das Bundeskartellamt müsste nicht nur deutsche Bürger oder eben Sportler schützen, sondern auch europäische – zumindest aus der EU. „Da die Entscheidung des Bundeskartellamtes internationale Athleten nicht mit einschließt, ist die Europäische Kommission gefragt. Sie könnte für einheitliche Athletenrechte sorgen“, sagt Wambach. In Betracht komme der Erlass von Leitlinien für die Anwendung des EU-Wettbewerbsrechts auf den Sportsektor. DOSB und IOC hatten sich bis zur erwirkten Verpflichtungszusage gegen Lockerungen der Werberechte für Athleten gesträubt.

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