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Kuppelkreuz am Humboldt-Forum : Kreuzweise blamiert

Machtgeste eines Königs: Das Kuppelkreuz des Humboldt-Forums vor seiner Aufrichtung Bild: dpa

Das Kuppelkreuz auf dem Berliner Schloss war eine Machtgeste des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Seine Wiederaufrichtung auf dem Humboldt-Forum ist das falsche kulturpolitische Signal.

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          Der Geburtsfehler eines Projekts ist nicht wiedergutzumachen. Er zieht sich durch alle Phasen seiner Entstehung, und an manchen Punkten wird er eklatant. Beim Humboldt-Forum besteht der Geburtsfehler in der Trennung von Form und Inhalt, genauer: von Fassade und Programm des Gebäudes auf dem Berliner Schlossplatz. Der Rohbau des Humboldt-Forums wird vom Bund bezahlt und gemeinsam mit dem Land Berlin eingerichtet, die barocken Außen- und die Innenhoffassaden finanziert ein privater Förderverein durch Spenden. Dieser Verein hat mit Rückendeckung der Kulturstaatsministerin durchgesetzt, dass die rekonstruierte Schlosskuppel Friedrich August Stülers wieder von jenem vergoldeten Kreuz gekrönt wird, das von 1853 bis zur Sprengung durch die DDR im Jahr 1950 auf dem Schloss prangte.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das alte Kreuz war, wie die gesamte Kuppel, eine Machtgeste des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV., der damit sein Verständnis monarchischer Herrschaft illustrierte.Dieses Verständnis hat Theodor Fontane in seinen Lebenserinnerungen in die freundliche Formel gefasst, der König habe „nur sein Ideal, aber nicht die Ideale seines Volkes verwirklichen“ wollen. Im Klartext heißt das, dass Friedrich Wilhelm die Ansichten anderer über sein angemaßtes Gottesgnadentum egal waren. Seine Untertanen hatten ihm ebenso bedingungslos zu gehorchen wie dem Wort Christi.

          Alle Knie sollten sich vor ihm beugen

          Dessen Herrschaft über alle Völker wurde in goldenen Lettern auf blauem Grund in der Kuppelumschrift beschworen, die der König selbst aus zwei Bibelstellen montiert hatte: „Es ist in keinem andern Heil ... denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“ Die Umschrift ist bereits rekonstruiert; das Kreuz wird heute aufgesetzt.

          In einem Online-Dossier, das die Stiftung Humboldt Forum auf ihrer Website veröffentlicht hat, gibt Monika Grütters zu Protokoll, das Kuppelkreuz sei ein Symbol für „Nächstenliebe, Freiheit, Weltoffenheit und Toleranz“. Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse erklärt, das Kreuz sei „Teil unserer Pluralität“. Haben die beiden die Umschrift nicht gelesen? Sie ist der Text, der das Symbol erläutert: als Insignie der Intoleranz. Nicht nur „vor deinem Jammerkreuz, blutrünstiger Christe“ (Goethe), sondern auch unter der Verkündigungsformel eines absoluten christlichen Herrschaftsanspruchs werden künftig die Besucher in ein Museumszentrum strömen, das sich der Darstellung der Gleichwertigkeit aller Kulturen und Religionen und der Aufhebung des eurozentristischen Weltbildes verschrieben hat.

          Wäre ein multireligiöses Symbol die Lösung?

          Das Humboldt-Forum heißt aus gutem Grund nicht Preußenforum: Ein Nachbau des einstigen Königsschlosses hätte im Bundestag weder 2002 noch 2007 eine Mehrheit gefunden. Deshalb ist es abwegig, wenn der Architekt Franco Stella und der Vorsitzende des Schlossvereins, Wilhelm von Boddien, die Aufrichtung des Kreuzes jetzt als Schlussstein einer historisch exakten Rekonstruktion verteidigen. Das Berliner Schloss war von Anfang an ein politisches Bauwerk, weshalb etwa der Wiederaufbau des geschichtlich ältesten Areals im Ostflügel oder der wilhelminischen Dachpavillons nicht zur Diskussion stand. Das Kuppelkreuz und die Umschrift werden also nicht deshalb rekonstruiert, weil sie den „letzten Blick auf das Gebäude“ (Boddien) vor seiner Zerstörung wiederherstellen, sondern weil die Politik in Person der Kulturstaatsministerin sie nicht verhindert hat.

          Im Dossier der Stiftung Humboldt Forum macht der Direktor des Berliner Stadtmuseums, Paul Spies, den an sich nicht unvernünftigen Vorschlag, die Schlosskuppel mit einem multireligiösen Symbol zu bekrönen, „Menora, Halbmond und Kreuz, in einer Figur vereint“. Die öffentlichen Reaktionen auf einen solchen Plan, sollte er je in Betracht gezogen werden, kann man sich vorstellen: Hassgebrüll bei den Rechten, säkularistisches Stirnrunzeln von links, bischöfliche Bekenntnislyrik, Unkenrufe vom Untergang des Abendlands in „Bild“ und „Welt“.

          Darin liegt der eigentliche Clou des Danaergeschenks, das der Schlossverein mit der Millionenspende einer Versandhauserbin dem Humboldt-Forum macht: Es vergiftet die ohnehin ideologisch aufgeladene Atmosphäre um das Weltkulturenmuseum des Bundes erst recht. In Zukunft werden es die Postkolonialen noch leichter haben, das Forum als Beutekammer europäischer Räuberstaaten zu brandmarken. Sie müssen sich nur vor den Eingang stellen und nach oben zeigen. Auf das Kreuz Christi, das zur Knute des Königs entstellt ist.

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