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Anwaltsserie „Pearson“ : Mit harten Bandagen durch Chicago

  • -Aktualisiert am

Hart aber herzlich: Gina Torres als Jessica Pearson Bild: USA NetworK

Seitenwechsel: Das „Suits“-Spin-Off „Pearson“ startet auf Universal TV. Darin wird die titelgebende, einstige Star-Anwältin zur rechten Hand eines schlitzohrigen Bürgermeisters.

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          Was macht man, wenn man alles erreicht hat? Man wagt einen Neuanfang. Das hat sich wohl auch „Suits“-Showrunner Aaron Korsh gedacht, dessen Erfolgsserie über das Hauen und Stechen der besten Anwälte New Yorks nach neun Staffeln 2019 zu Ende ging. Dass die Serie so populär wurde, lag auch an ihren klugen Dialogen, frechen Sprüchen, Lebensweiten und vor allem an einer großen Portion gelebter Zwischenmenschlichkeit. Nicht umsonst findet man sie häufig mit dem Label „Buddy-Serie“ versehen. Die Serie erzählt die Geschichte der New Yorker Kanzlei im Kampf gegen allerlei juristische und persönliche Bedrohungen. Darin führt Gina Torres, alias Jessica Pearson, über viele Staffeln hinweg ein strenges aber faires Regiment als Chefin. Neben „Dealmaker“ Harvey Specter und Genie-Hochstapler Mike Ross ist sie der heimliche Star der Show.

          So liegt es nahe – mit Blick auf das Ende der Serie und den royalen Abgang von Meghan Markle alias Rachel Zane – ein Spin-Off über jene Frau zu produzieren, die als taffe und kluge Anführerin immer wieder die juristische Welt erschüttert. Aaron Korsh trommelte kurzerhand sein bewährtes „Suits“-Team zusammen, darunter Produzent Gene Klein, Drehbuchautor Daniel Arkin und Komponist Christopher Tyng. Gemeinsam mit Gina Torres, die auch als Produzentin fungiert, wagt man unter dem Titel „Pearson“ den Neuanfang in New York, Pardon: Chicago.

          Das „Warum“ der Serie findet sich schnell: Jessica Pearson hat das Glamour-Geld-Leben mit Aussicht auf den Central Park einfach satt. Sie will nicht mehr nur für unverschämt hohe Anwaltshonorare und im Auftrag der größten Konzerne der Welt den sprichwörtlichen Karren aus dem Dreck ziehen. Nein, ihre alte Heimat muss es sein, sie beschließt „nach Hause“, also nach Chicago zu gehen und in die Politik zu wechseln.

          Endlich „etwas bewirken“ können

          Auf welch abenteuerlichen Wegen diese neue Karriere als rechte Hand des dortigen Bürgermeisters zu Stande kommt, erklärt die Serie übrigens nicht so gut, wie die letzte Episode der siebten Staffel von „Suits“ („Good-Bye“). Diese war bereits vorab als sogenannter „Backdoor-Pilot“ konzipiert worden und zeigt, wie Jessica ihrer Familie helfen will, den drohenden Verlust der Wohnung abzuwenden. Deshalb verklagt sie die Stadt Chicago. Ihr Gegner, der skrupellose wie gewitzte Bürgermeister Bobby Novak (Morgan Spector) sorgt allerdings dafür, dass sie ihre Zulassung als Anwältin verliert und macht ihr gleichzeitig ein Angebot: Jessica lässt die Klage fallen und er stellt sie ein. Womit sie geködert wird? Endlich „etwas bewirken“ zu können.

          Hier setzt das Spin-Off an: Tag eins im neuen Chicagoer Arbeitsleben der einstmals mächtigsten Anwältin New Yorks und neuen Nummer zwei der Stadt. Schon dieser erste Tag hat es in sich: Vetternwirtschaft und Halbwelt-Deals stehen auf der Tagesordnung und die Presse mutmaßt, dieser spezielle Bürgermeister habe eine Anwältin mit entzogener Zulassung nicht nur aus „legalen Gründen“ zu seiner rechten Hand und „Problemlöserin“ gemacht. Umgeben von Feinden und eigentlich schon nicht mehr in der Grauzone – so lässt sich die Grundkonstellation aus Pearsons Sicht zusammenfassen.

          Schnell muss sie auch in ihrem neuen Umfeld feststellen: Im Kampf um die Macht geht es oft nicht um richtig oder falsch, sondern vor allem um den Machterhalt selbst. Zumindest, wenn man auf den korrupten Bürgermeister schaut, den der einflussreiche Baulöwe Wayne Duvall (Pat McGann) ganz gut im Griff zu haben scheint. Und wenn Jessica mal wieder um jeden Preis gewinnen und das Richtige tun möchte – eine Schulschließung gilt es zu verhindern –  antwortet ihr Boss zwar mit „Es bricht mir das Herz!“, will aber trotzdem nichts unternehmen. Es könnte ja seine Wiederwahl kosten.

          Ob und wie sich Jessica Pearson auf dem neuen Spielfeld „Chicago“ langfristig behaupten kann, damit beschäftigen sich die zehn Episoden der ersten – und auch letzten Staffel.

          Macht das „Pearson“ zu einer weniger guten Serie? Keinesfalls. Alles, was „Suits“ so populär werden ließ, ist auch hier vorhanden. „Dasselbe in Grün“, sozusagen, nur mit mehr Sepia und dunklen Untertönen in der Handlung. Wer „Suits“ mag, wird auch „Pearson“ mögen; nicht nur wegen der intelligent-überzeugenden Protagonistin. Und wer die Serie ganz ohne „Suits“-Vorkenntnis schaut und auf den Geschmack kommt, der darf sich danach noch auf das „Original“ freuen. Das jedenfalls wäre ein Deal ganz nach Jessica Pearsons Geschmack: Win Win.

          Pearson startet heute um 21 Uhr auf Universal TV.

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