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Angriff auf ZDF-“heute show“ : Ken Jebsen nutzte Studio des attackierten Kamerateams

Ausrüstung des „heute-show“-Kamerateams nach dem Überfall zwischen Alexanderplatz und Hackescher Markt. Bild: dpa

Was war das Motiv für den Angriff auf das Team der ZDF-„heute show“ in Berlin? Das Magazin „Spiegel TV“ verweist auf eine Spur, die zu dem Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen führe. Die Staatsanwaltschaft rät zu Vorsicht.

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          Am 1. Mai kam es bei einer Demonstration in Berlin zu einem Angriff auf ein Kamerateam der ZDF-„heute show“. Mehrere Tatverdächtige wurden von der Polizei der radikalen linken Szene zugeordnet, ein plausibles Motiv für die Tat fand sich bislang nicht. Mehr als zwei Wochen nach dem Vorfall ergaben Recherchen des Magazins „Spiegel TV“, dass der Webvideoproduzent Ken Jebsen alias KenFM eine Rolle spielen könnte. Jebsen zählt zu den bekanntesten Köpfen einer Verschwörungstheoretiker-Riege, die im Netz ein Millionenpublikum erreicht. Seine Erzählungen verkauft er als „Widerstand“ im Namen des Grundgesetzes. Aus seiner Antipathie gegenüber etablierten Medien macht er in seinen Videos kein Hehl. Auf seinem Kanal „KenFM“ wurde einen Tag vor dem Angriff auf den Dreh des ZDF aufmerksam gemacht. Davon habe man „durch Zufall“ erfahren, heißt es in dem Video.

          Die Recherchen von „Spiegel TV“ suggerieren, dass es sich nicht um Zufall handeln könnte. Jebsen nutze seit Jahren ein Studio der Produktionsfirma „TV United“, das auch von der „heute show“ frequentiert wurde. Einen Tag vor Veröffentlichung des Videos, in dem bei „KenFM“ der Hinweis auf die Dreharbeiten des ZDF kam, habe dort die letzte Aufzeichnung von Jebsen stattgefunden. Dass KenFM von den Dreharbeiten des ZDF erfuhr, sei offenbar auf eine Indiskretion der Produktionsfirma „TV United“ zurückzuführen. Die Firma habe das Landeskriminalamt am 4. Mai darüber informiert, dass Jebsen das Studio nutze.

          Der Generalstaatsanwaltschaft sei das neu

          Sowohl aus persönlichkeitsrechtlichen als auch datenschutzrechtlichen Gründen gibt das Landeskriminalamt keine Auskunft zu den Recherchen von „Spiegel TV“. Herrin des Verfahrens ist die Generalstaatsanwaltschaft Berlin. Dass sich Ken Jebsen und ein ZDF-Team in Berlin dasselbe Aufnahmestudio teilten, sei bei der Generalstaatsanwaltschaft zuvor nicht bekannt gewesen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittle anhand von Film- und Bildmaterial sowie Zeugenaussagen und DNA-Spuren in alle Richtungen. Da die Ermittlungen noch andauerten, könne man keine abschließende Bewertung zu Motiven des Angriffs abgegeben. Es werde aber auch zu einem möglichen Zusammenhang zwischen den sogenannten Hygiene-Demos und dem Angriff ermittelt. Eine „Vorbeziehung“ zwischen dem Kamerateam des ZDF und den Angreifern könne nicht ausgeschlossen werden. Auch wenn Ken Jebsen Ressentiments gegen etablierte Medien schüre, sei dies noch kein Beweis für eine Täterschaft, die Conclusio aus den Recherchen von „Spiegel TV“ sei reine Spekulation, so die Generalstaatsanwaltschaft Berlin.

          Der Geschäftsführer von „TV United“, Harald Ortmann, stand nicht für eine Auskunft zur Verfügung. Seit dem 1. Mai liefen die Telefone in der Produktionsfirma heiß, sagte ein Mitarbeiter der Firma. „TV United“ besitze ein großes Greenbox-Studio mit Maskenraum und einem Lager. Das Studio werde oft von kleinen Gruppen genutzt und sei gerade ausgebucht. Von Spannungen zwischen Kunden sei nichts bekannt. Im Sender habe man nicht gewusst, dass das Studio auch von Ken Jebsen genutzt wurde, hieß es beim ZDF. Ob man künftig auf ein anderes Studio setze, entscheide der Auftragsproduzent.

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