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„Tatort“ aus Köln : Als Kriminalfilm eine Zumutung

Sind nicht über-, sondern unterfordert: Klaus J. Behrendt (links) und Dietmar Bär im „Tatort“. Bild: WDR/Martin Valentin Menke

Kölns „Tatort“ kommt aufs Sozialgesetzbuch: In der Episode „Niemals ohne mich“ geht es um zerrüttete Familien, Unterhaltszahlungen und Hartz IV. Mit einem Krimi hat der Film nichts zu tun. Die Kommissare sind unterfordert.

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          Beim Westdeutschen Rundfunk in Köln müssen sie irgendwann beschlossen haben, den „Tatort“ mit Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt zwar bis Ultimo weiterlaufen zu lassen, dabei aber auf alles Krimihafte zu verzichten. Die Episode jedenfalls, in der Behrendt und Bär an diesem Sonntag als Kommissare Ballauf und Schenk auflaufen, ist als Kriminalfilm eine Zumutung, ein Rückfall in öffentlich-rechtlich immer noch nicht vergangene Zeiten des sendungsbewussten Themenfernsehens.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Figuren, Handlungsgänge und Dialoge folgen keiner Dramaturgie, sondern füllen ein Bedeutungsmuster. Wir sehen wandelnde Klischees und hören schwerfällig und lustlos aufgesagte Texte wie aus dem Sozialgesetzbuch. Das Thema des Fernsehaufsatzes lautet: Unterhaltsrecht, Hartz IV, zerrüttete Familien. Das ist nicht einmal ein Sozialdrama. Dagegen war Brechts Episches Theater ein einziges Lustspiel.

          Das Thema wird wie folgt abgearbeitet: Die Jugendamtsmitarbeiterin Monika Fellner (Melanie Straub) ist erschlagen worden. Sie arbeitete in der Abteilung, die Unterhaltszahlungen vergibt und säumigen Vätern oder Müttern nachsetzt. Monika Fellner war unnachgiebig, hat sich viele Feinde gemacht. Anders als ihre Kollegin Ingrid Kugelmaier (Anna Böger) und Amtschef Markus Breitenbach (Christian Erdmann) drückte sie nie ein Auge zu. Das bekamen zwei Väter (Gerdy Zint, Peter Schneider) zu spüren, von denen der eine den Unterhalt verweigert und der andere von seiner Exfrau in den Ruin getrieben wird.

          Als Dritte, Vierte und Fünfter im Bunde machen sich eine überforderte Mutter (Karen Dahmen), eine Neunzehnjährige (Yeliz Simsek) und deren Freund (Erik Siepen) verdächtig. Die beiden Beamten aus dem Jugendamt sind auch nicht koscher. Kollegin Kugelmaier nimmt Beruhigungstropfen und löscht ein Video, das für die Polizei von Bedeutung ist, Amtschef Breitenbach verhält sich nicht minder dubios.

          Ballauf und Schenk gehen trotzdem in aller Herrgottsfrühe erst mal eine Currywurst essen. Dann sortieren sie Indiz für Indiz, befragen Zeugen, bitten zum Verhör, während ihr Kollege Norbert Jütte (Roland Riebeling) mit seiner Betulichkeit allen den Nerv raubt.

          Und sie alle sagen artig Texte auf (Buch Jürgen Werner, Regie Nina Wolfrum), die uns klarmachen sollen, wie schwierig das mit dem Unterhaltsrecht ist, wie schwer es Alleinerziehende haben und wie sehr die Kinder unter solchen Situationen und dem Egoismus der Erwachsenen leiden. Das ist richtig, das ist wichtig, aber neunzig Minuten „Tatort“-Belehrung brauchen wir dafür nicht.

          Der Tatort: Niemals ohne mich läuft an diesem Sonntag um 20.15 Uhr im Ersten.

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