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Abgesagte Reisen : Riesendefizit für Thomas Cook

Der Tourismuskonzern Thomas Cook meldete jüngst Insolvenz an. Bild: AFP

Der deutsche Reiseveranstalter musste wegen seiner Insolvenz nun auch alle gebuchten Reisen bis Silvester absagen. Hat das Unternehmen noch eine Zukunft?

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          Die Hoffnung vieler Thomas-Cook-Kunden, doch noch ihre gebuchte Reise antreten zu können, erfüllt sich nicht: Thomas Cook Deutschland hat alle Reisen bis zum 31. Dezember abgesagt. Dafür gebe es „insolvenzrechtliche Gründe“, teilte das Unternehmen mit Sitz in Oberursel mit. Betroffen sind davon auch die Marken Neckermann Reisen, Bucher Reisen, Öger Tours und Air Marin. Zeitweise war spekuliert worden, dass die Reisen von anderen Veranstaltern übernommen werden könnten. Die Massenabsage dürfte die Attraktivität des Unternehmens für neue Investoren nicht gerade steigern. Denn dem Reiseveranstalter entgehen damit bereits drei Monate an Umsatz. Das entspricht, legt man den Vorjahresumsatz zugrunde, einem Minus von mehr als einer Milliarde Euro.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im vergangenen Jahr hatten die deutschen Töchter des britischen Konzerns Thomas Cook 4,1 Milliarden Pfund (4,6 Milliarden Euro) Umsatz ausgewiesen. Seit der Insolvenzanmeldung Ende September sind die Buchungszahlen auf Null gesunken, da der Vertrieb komplett gestoppt wurde. Was mit jenen Reisen wird, die für das Jahr 2020 gebucht worden waren, ist noch unklar. Die bundesweit rund 130 Reisebüros unter den Namen Thomas Cook und Neckermann Urlaubswelt sind weiter aktiv, verkaufen aber nun touristische Angebote anderer Veranstalter.

          Insolvenzverwalter zeigen sich zuversichtlich

          Die Insolvenzverwalter zeigen sich dennoch zuversichtlich, einen neuen Käufer für die deutschen Thomas-Cook-Unternehmen zu finden und damit auch deren Arbeitsplätze zu sichern. „Die Investorengespräche sind in vollem Gang, laufen gut und machen Hoffnung“, sagte Julia Kappel-Gnirs, vorläufige Insolvenzverwalterin des Tochterunternehmens Bucher Reisen & Öger Tours GmbH. Das Unternehmen habe eine Chance auf eine Zukunft, ergänzte Ottmar Hermann, vorläufiger Insolvenzverwalter der Thomas Cook Touristik GmbH, die unter anderem die Marke Neckermann Reisen besitzt. „Thomas Cook kennt den Markt und verfügt über ein gutes, intaktes Geschäftsmodell, das auf Nachfrage stößt und greift.“

          Unklar ist bislang, wie vielen Kunden, die eine Reise im vierten Quartal geplant und vor der Insolvenz angezahlt oder gar komplett bezahlt hatten, nun finanzielle Verluste drohen. Reiseunternehmen sind im Fall einer Pleite laut Gesetz nur gegen Ausfälle von bis zu 110 Millionen Euro versichert – diese Regelung sparte ihnen Versicherungsprämien. Bei Thomas Cook dürfte jedoch ein erheblicher Teil dieser Summe bereits verwendet worden sein, um die Hotelrechnungen und Rückflüge jener 140.000 Urlauber zu bezahlen, die zum Zeitpunkt der Pleite im Ausland waren. Sie sind inzwischen alle zurück.

          Die rund 2000 Beschäftigten von Thomas Cook Deutschland haben derweil ihre Septembergehälter erhalten, wie der Insolvenzverwalter mitteilte. Bezahlt wurden die Löhne von der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahlung ist bis Ende November gesichert.

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