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Siemens und die Demonstranten : Niemand ist zufrieden

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Bild: dpa

Die Hauptversammlung von Siemens steht im Zeichen der Klimakritiker. Der Chef gibt sich reumütig, kann aber nicht alle besänftigen. Die Polizei war besorgt, die Halle räumen zu müssen.

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          Die Hauptversammlung von Siemens hat lange gedauert, war aber deutlich schneller am Mittwochabend vorüber als befürchtet. Schließlich war die Rednerliste mit 61 Wortmeldungen so lange wie selten zuvor. Vor der Münchner Olympiahalle wurde demonstriert, friedlich. Drinnen wurde diskutiert. Doch ein turbulenter Verlauf, wie er sich im Vorfeld angekündigt hatte blieb am Mittwoch aus. Bis 13.45 Uhr lief alles ganz normal, weil zunächst die bekannten Redner von Aktionärsvereinigungen und Investmentfonds auftraten – bevor dann die ersten Klimaschützer zum Rednerpult gingen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Obwohl: Auch die „Etablierten“ waren mit dem Umgang des Bahntechnik-Auftrages für die Adani-Kohlemine in Australien durch den Konzern und durch dessen Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser unglücklich. Sie beklagten den Reputationsschaden für das Unternehmen; die Rede war auch von einem kommunikativen Desaster für Siemens, wie es Vera Diehl von Union Investment formulierte. Kaeser habe gepatzt, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Markus Poppe von DWS beklagte, dass es ein Fehler gewesen sei, nicht zu erkennen, dass durch das Adani-Geschäft ein Reputationsschaden entstehen könne.

          „Greenwashing“ von Siemens?

          Als mittags draußen die Hauptdemonstration der Klimaaktivisten mit einigen hundert Teilnehmern ihren Höhepunkt erreichte, traten die ersten Kritiker von Fridays For Future (FFF) auf. Sie forderten abermals, den Vertrag mit Adani über ein Volumen von 18 Millionen Euro aufzukündigen, zugleich aber auch den schnellen Ausstieg aus dem Energietechnikgeschäft. Die Kritiker stören sich daran, dass Siemens „Greenwashing“ betreibe, also einerseits als Unternehmen CO2-neutral werden zu wollen, aber unverändert Produkte für Energieerzeugung aus Kohle, Öl und Gas anzubieten.

          Die 17 Jahre alte Schülerin Varsha Yajman als Vertreterin des australischen Fridays-For-Future-Pendants „School Strike for Climate“ bezeichnete es als Schande, dass Siemens den Vertrag unterzeichnet habe, während ihr Land brenne. Von da an dominierte das Thema Klimaschutz. Applaus und Pfiffe hielten sich im Publikum bei den Reden der Klimaaktivisten die Waage.

          Schon am frühen Abend zeichnete sich dann plötzlich ein Ende der Aussprache ab, nachdem der Aufsichtsratsvorsitzende und Versammlungsleiter Jim Hagemann Snabe besonders am Nachmittag zu einer rigideren Regie überging, die Rednerzeit von zehn auf drei Minuten kappte und mitunter einigen Sprechern einfach das Mikrofon abstellte, wenn sie Kommentare, aber keine Fragen hatten, oder einfach frühere Wortmeldungen inhaltlich wiederholten.

          Groteske Proteste, unseliger Auftrag

          Angenähert haben sich die Positionen im Laufe der Debatte nicht. Welten liegen dazwischen, auch wenn Kaeser für „Lösungsdialoge“ plädierte. Schon vor fünf Jahren habe Siemens angekündigt, bis zum Jahr 2020 seine Emissionen um 50 Prozent zu verringern und bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu sein, als einer der Ersten überhaupt. Da mute es geradezu grotesk an, dass das Adani-Projekt zur Zielscheibe zahlreicher Umweltaktivisten geworden sei. Er selbst bezeichnet den Auftrag als „unselig“ und er hätte ihn nicht abgeschlossen, hätte er davon gewusst, wie er abermals behauptete.

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