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Hapag-Lloyd : Chaos auf den Weltmeeren

Das Hapag-Lloyd-Containerschiff «Guayaquil Express» fährt in den Hamburger Hafen ein. Bild: dpa

Die Reederei Hapag-Lloyd reagiert mit einem Sparprogramm auf Turbulenzen im Seeverkehr. Belastend ist die Lage vor allem für Seeleute, die wegen Beschränkungen kaum noch an Land dürfen.

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          Während die Autoindustrie in Europa langsam wieder hochfährt und andere Branchen ebenfalls auf Besserung hoffen, verdüstern sich die Aussichten im Seeverkehr. Schon jetzt sind die Ungleichgewichte groß. Doch im Mai und Juni werde alles noch schlimmer, sagt der Vorstandvorsitzende der Reederei Hapag-Lloyd, Rolf Habben Jansen. „Wir stehen vor einer Zeit, die für die ganze Branche extrem schwierig wird. Darauf müssen wir reagieren.“ Um mehr als ein Zehntel, so schätzt der Informationsdienst Clarksons, dürfte der Containertransport über die Weltmeere in diesem Jahr zurückgehen. Die Flaute wäre damit stärker als im Jahr 2009, in dem die Weltwirtschaft nach der Finanzkrise in eine schwere Rezession gerutscht war.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zuerst waren es die Fabrikstillstände in China, die in diesem Jahr dafür sorgten, dass die Reederei aus Hamburg wie ihre Wettbewerber kaum noch Ladung aus der Volksrepublik in den Rest der Welt brachte. Jetzt fehlt die Nachfrage aus Europa, Amerika und anderen Regionen, wo sich das Coronavirus zeitversetzt verbreitet hat. In einigen Gebieten ist die Lage besonders angespannt, etwa im Verkehr von und nach Indien, wo Hapag-Lloyd derzeit 50 Prozent weniger Ladung transportiert als erwartet. Dass sich der Aktienkurs der fünftgrößten Reederei der Welt trotz all dieser Turbulenzen seit Anfang April auf 131 Euro mehr als verdoppelt hat, macht selbst den Vorstandschef ratlos: „Ich wüsste gerne, was da los ist. Aber ich habe ehrlich gesagt keine Erklärung“, sagt er. Analysten verweisen auf den großen Anteil von Aktien im Streubesitz, der den Titel anfällig für Schwankungen macht. Der niedrige Ölpreis könnte zudem Spekulanten gelockt haben.

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