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Paris dankt für Corona-Hilfe : Merci, Deutschland!

Beamte der Bundespolizei kontrollieren im saarländischen Großrosseln ein französisches Fahrzeug. Bild: dpa

Die Grenzschließungen haben das deutsch-französische Verhältnis belastet. Ein Besuch von Europa-Staatssekretärin Amélie de Montchalin in Saarbrücken sollte nun die Rückkehr zur Normalität demonstrieren.

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          „Merci“ lautete kurz und knapp die Botschaft, die Amélie de Montchalin am Freitag im Namen des französischen Präsidenten in Saarbrücken überbracht hat. Die Europa-Staatssekretärin besuchte im Anschluss an ihr Gespräch mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) das Winterberg-Klinikum, in dem sechs französische Covid-19-Patienten behandelt wurden. Sie dankte Ärzten, Pflegern und Transportpersonal für die Hilfe. „Sie haben das französische Volk in einer sehr schwierigen Situation unterstützt“, bekundete sie.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          150 französische Patienten aus der Großregion Grand Est, die Lothringen und das Elsass umfasst, wurden auf dem Höhepunkt der Pandemie in deutschen Krankenhäusern aufgenommen. Der Direktor der zuständigen Gesundheitsbehörde Ars, Christophe Lannelongue, sagte, dass mehr Patienten aus dem Grand Est nach Deutschland als in Krankenhäuser in anderen französischen Regionen verlegt werden konnten.

          Nicht nur im grenznahen Gebiet, auch in Bayern, Berlin und Schleswig-Holstein wurden französische Covid-19-Patienten versorgt. Die Behandlungskosten wurden Frankreich nicht in Rechnung gestellt. Deshalb soll auch während der verkleinerten Militärparade zum Nationalfeiertag am 14. Juli Deutschland ausdrücklich gedankt werden. „Wir haben Deutschland eingeladen, sich symbolisch zu beteiligen, als Zeichen der Anerkennung für die kostbare Hilfe, die es uns mit der Aufnahme der Patienten während der Krise zuteilwerden ließ“, sagte Verteidigungsministerin Florence Parly in der Nationalversammlung.

          Europa-Staatssekretärin Montchalin wollte mit ihrem Besuch in Saarbrücken auch das Kapitel der gegenseitigen Irritationen schließen. „Corona verlangt uns allen noch immer viel ab. Wir mussten Abstand halten. Der tiefen Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich konnte das nichts anhaben“, sagte Ministerpräsident Hans. Die Aufnahme der französischen Patienten sei eine konkrete Hilfe für die Menschen gewesen. Es werde ein schnelles Ende der Grenzkontrollen angestrebt.

          Schon jetzt sind viele Grenzübergänge wieder geöffnet. Ein deutsch-französisches Formular erleichtert die Einreise. Montchalin bekräftigte, dass ein Ende der Grenzkontrollen Mitte Juni mit Blick auf das Infektionsgeschehen der frühestmögliche Termin sei. Es solle kein Risiko eingegangen werden. Innenminister Horst Seehofer hatte angekündigt, dass in der EU die volle Freizügigkeit Anfang Juli wieder hergestellt werden solle. Doch im Grenzgebiet zwischen Lothringen und dem Saarland will man nicht so lange warten.

          „Die Grenzgebiete waren durch den Lockdown gleich doppelt getroffen. Familien wurden getrennt, Geschäfte haben ihre Kunden verloren“, sagte der Abgeordnete Christophe Arend von der Präsidentenpartei La République en Marche (LREM). Fortan komme es darauf an, wieder einen Raum des Vertrauens zu schaffen, in dem sich Franzosen und Deutsche frei bewegen könnten, sagte Arend, der zu dem Austausch mit Ministerpräsident Hans hinzugebeten worden war. Arend hatte dafür gekämpft, dass die „Freundschaftsbrücke“ über die Saar zwischen Grosbliederstroff und Kleinblittersdorf sowie der Grenzübergang zwischen La Petite-Rosselle und Großrosseln wieder geöffnet wird. Montchalin machte sich am Freitag selbst ein Bild von der Lage an den Grenzübergängen.

          Die Einführung strikter Grenzkontrollen von deutscher Seite hatte seit Mitte März das nachbarschaftliche Verhältnis belastet. Die Europa-Staatssekretärin regte für die Zukunft eine bessere Abstimmung innerhalb des Schengen-Raums an.

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