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Corona-Pandemie : Proteste in ganz Spanien gegen Kurs der Linksregierung

Auto- und Motorrad-Demonstration der rechtspopulistische Vox-Partei in Madrid gegen die strikten Corona-Beschränkungen der Regierung Sánchez. Bild: AFP

Die rechtspopulistische Vox-Partei fordert mit Autokarawanen den Rücktritt der Linksregierung. Ministerpräsident Sánchez kündigt derweil weitere Lockerungen an. Ab Juli seien auch Touristen wieder in Spanien willkommen.

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          In Spanien wächst die Ungeduld. Die lautstarken Proteste gegen die Corona-Politik der Linksregierung haben die Balkone verlassen und am Samstag die Hauptstraßen der Großstädte erreicht. Tausende hupende Autos, an denen die spanische Nationalflagge wehte, blockierten am Samstag den Verkehr im Zentrum von Madrid. Nach Behördenangaben beteiligten sich 6000 Fahrzeuge und 15.000 Menschen an der Demonstration. Ähnlich viele Autos blockierten auch in Sevilla die Straßen. Die rechtspopulistische Vox-Partei hatte zu „Autokarawanen“ in den mehr als 50 Provinzhauptstädten aufgerufen; die Behörden genehmigten sie mit wenigen Ausnahmen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In der spanischen Hauptstadt führte die Vox-Führung auf dem Oberdeck eines gelben Doppeldeckerbusses den Zug an. Mit dem Slogan „Für Spanien und seine Freiheit“ fordert die drittstärkste Partei im spanischen Parlament den Rücktritt der Linksregierung, die sie für die Tausenden Corona-Toten und den Ruin des Landes verantwortlich macht: Ministerpräsident Pedro Sánchez missbrauche den Alarmzustand, um eine „soziokommunistische Agenda“ zu verwirklichen, lautet der Vorwurf von Vox. Wie schon zuvor bei den abendlichen Straßenprotesten mit Töpfen und Pfannen riefen viele „Freiheit“, „Viva España!“ und „Sánchez, tritt zurück“.

          In Madrid säumten viele Menschen mit spanischen Nationalflaggen die Straßen. Im Unterschied zu zahlreichen Auto- und Motorradfahrern trugen die meisten von ihnen einen Mundschutz, wenn sie entlang der Serrano-Straße und rund um den Colón-Platz das Abstandsgebot nicht einhielten. Die Polizei griff auch nicht ein, als der Verkehr mehr als eine Stunde lang zum Stillstand kam. In Sevilla, Barcelona, Santander und weiteren Städten setzten sich ebenfalls Auto-Corsos in Marsch. Die konservative Volkspartei (PP) hält der regierenden Linkskoalition ebenfalls vor, die Freiheitsrechte der Spanier einzuschränken. Sie hatte aber nicht zu Straßenprotesten aufgefordert.

          Sánchez kündigt weitere Lockerungen an

          Den wachsenden Unmut können offenbar auch die jüngsten Lockerungen nur wenig besänftigen. So hatte die Regierung angekündigt, dass von Montag auch der Rest Spaniens – einschließlich Madrid und Barcelona – in die erste Phase des mehrstufigen Lockerungsplans aufrücken werde. Dann können auch dort Restaurants sowie Hotels mit Einschränkungen öffnen und sich bis zu zehn Menschen treffen. Am Samstag kündigte Pedro Sánchez an,  dass die spanischen Fußball-Profiligen vom 8. Juni an ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen dürfen.

          Auch den Urlaubern machte der Regierungschef Hoffnungen. Spanier könnten nun beginnen, ihre Sommerferien zu planen. Ausländische Urlauber lud Sánchez ausdrücklich ein: „Spanien erwartet Euch von Juli an“, sagt er und versprach, dass es ein sicheres Reiseland sein werde.

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