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Demonstrationen wegen Corona : Keiner protestiert wie die Deutschen

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Bis heute konzentrieren sie sich auf mehrere Madrider Stadtteile, in denen Menschen mit den höchsten Einkommen im ganzen Lande leben, zum Beispiel im Salamanca-Viertel, Aravaca und El Viso. Viele wählen dort die konservative Volkspartei PP und die rechtspopulistische Vox-Partei, die Verständnis für den Unmut der Demonstranten äußern, die oft die spanische Nationalflagge dabei haben, ohne selbst dazu aufzurufen – sie müssten mit empfindlichen Geldstrafen rechnen. Zu den Unterstützern zählt auch die katholisch-fundamentalistische Organisation „Hazte Oír“ (Verschaff Dir Gehör), die sich sonst gegen Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehen engagiert. Ein großes Polizeiaufgebot steht jeden Abend bereit, greift aber nur sporadisch ein, wenn das Abstandsgebot nicht eingehalten wird.

Am Samstag will Vox mit Auto-Demonstrationen in allen Provinzhauptstädten dagegen demonstrieren, dass die Regierung die Bürger als „Geiseln“ genommen habe. Nach mehr als 28.000 Toten wächst zwar die Ungeduld. Aber laut Umfragen hält eine deutliche Mehrheit der Spanier die strengen Ausgangsbeschränkungen weiterhin für nötig. Sie reichen viel weiter als jemals in Deutschland und sollen erst bis Ende Juni schrittweise gelockert werden.  (hcr.)

Niederländer sehen Verbindung von Corona zu 5G

Ende April demonstrierten 200 Personen vor dem Haager Parlament gegen Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Sie hielten Banner hoch, die sich gegen „Angstmacherei“, Impfungen und den Aufbau eines 5G-Netzes wendeten. Im Internet warnten die Organisatoren vor einem „totalitären Staat“ und einer „Zensur-Kampagne“ gegen „jeden, der eine Frage zu Covid-19 und der möglichen Beziehung zu 5G stellt“. Der neue Mobilfunkstandard wurde Ende April für die ersten Kunden freigeschaltet. Proteste dagegen gibt es in den Niederlanden schon seit längerem, doch im Zuge der Corona-Krise finden die nicht mehr nur friedlich statt.

Seit Anfang April hat es über zwanzig Brandanschläge auf Mobilfunkmasten gegeben, mehr waren es in Europa nur im Vereinigten Königreich. Drei Verdächtige wurden von der Polizei festgenommen, sie bestreiten die Tat. Über die Motive können die Ermittler deshalb keine gesicherten Angaben machen. Doch deutet viel darauf hin, dass die Anschläge mit Verschwörungstheorien zusammenhängen, die im Internet kursieren. Zunächst hieß es, die Funksignale seien so stark, dass sie Menschen und Tieren schadeten. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür nicht.

Ende Januar tauchte dann erstmals die Behauptung auf, der neue Mobilfunkstandard schwäche das Immunsystem und führe zur Ausbreitung des Coronavirus. Zum „Beleg“ wurde darauf verwiesen, dass Wuhan die erste chinesische Stadt sei, in der ein 5G-Netz aufgebaut werde – was ebenfalls nicht zutrifft. Manche Prominente wie der amerikanische Schauspieler Woody Harrelson verbreiteten diese „Theorie“. Anfang April kam es dann, fast gleichzeitig, zu den ersten Brandanschlägen in Birmingham, Liverpool, Belfast und drei niederländischen Städten. In mehreren Fällen wurden allerdings gar nicht neue Masten angegriffen, sondern solche, mit denen das heutige 4G-Netz betrieben wird. (T.G.)

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