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Demonstrationen wegen Corona : Keiner protestiert wie die Deutschen

  • Aktualisiert am

Briten protestieren gegen die „Tyrannei“

Schon seit einiger Zeit wird in Großbritannien in sozialen Medien zu Protesten gegen den Lockdown aufgerufen. In der vorletzten Woche löste die Polizei erstmals eine kleine Schar auf, die im Londoner Regierungsviertel demonstrierte. Für das Wochenende hatte dann eine Gruppe namens „UK Freedom Movement“ zu „Massenversammlungen” in verschiedenen Städten aufgerufen, aber die größte blieb die Zusammenkunft von etwa hundert Leuten im Londoner Hyde Park. 19 von ihnen wurden von der Polizei abgeführt, unter ihnen der Astrophysiker Piers Corbyn, ein Bruder des früheren Labour-Chefs Jeremy Corbyn. In Glasgow protestierten etwa halb so viele Menschen und wurden allesamt wegen Verstoßes gegen die – strengeren – schottischen Corona-Bestimmungen festgenommen.

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Der Ruf nach „Freiheit“ und die Kritik an staatlicher „Tyrannei“ standen im Mittelpunkt der Veranstaltungen. Einige Teilnehmer verteilten Kopien der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Sie konnten sich unter anderem auf den angesehenen Verfassungsrechtler Lord Sumption berufen, der den Lockdown als ungerechtfertigten Eingriff in die Bürgerrechte ablehnt. Unter solche „Liberale“ mischten sich aber auch Verschwörungstheoretiker, Esoteriker und Impfgegner. Einige Plakate zogen Verbindungen vom Coronavirus zum 5G-Netzwerk des chinesischen Unternehmens Huawei oder zu vermeintlichen Interessen des amerikanischen Philantropen Bill Gates.

Inwieweit an der „Bewegung“ auch rechte Gruppierungen beteiligt sind, liegt bislang im Dunkeln. Die frühere stellvertretende Chefin von „Britain First“, Jayda Fransen, bestritt eine Mitwirkung, beschuldigte aber Richard Inman, einen Anhänger des rechten Aktivisten Tommy Robinson. Inman dementierte allerdings ebenfalls jegliche Beteiligung. Das „UK Freedom Movement“, das zu den Protesten aufgerufen hatte, habe mit seiner gleichnamigen Organisation nichts zu tun, tat er auf der Webseite der Gruppe kund. (buch.)

Polen kämpft gegen Fake News über Corona

In Polen haben nach Wochen großer, kaum erwarteter Disziplin in den letzten Tagen erste Straßenproteste mit Zwischenfällen gegen die Coronavirus-Restriktionen stattgefunden. In der Warschauer Innenstadt gingen zwei Mal jeweils mehrere hundert Menschen auf die Straße, einmal wurde der Verkehr lahmgelegt. Schlüsselfigur bei den Protesten und auch selbst an ihnen beteiligt ist der Unternehmer Pawel Tanajno, Kandidat in der bevorstehenden Präsidentenwahl, der bei der Wahl von 2015 0,2 Prozent der Stimmen bekommen hatte.

In Mailand demonstrierten am Montag Straßenhändler auf der Piazza della Scala gegen die Regeln, die mit Phase 2 der Lockerungen der Corona-Regeln einhergehen.

Die Boulevardzeitung „Super Express“ nannte den populistisch auftretenden, politisch schwer einzuordnenden Tanajno treffend den „geheimnisvollsten Kandidaten dieser Wahl“. Die seit Herbst im Parlament vertretene „Konföderation“, eine Kraft der radikalen Rechten, hat dagegen von der Pandemie nicht erkennbar profitiert. Ihr Präsidentschaftskandidat Krzysztof Bosak fordert, Polen solle „wie die Vereinigten Staaten“ aufhören, die „nicht objektive“ Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu finanzieren. Die liberalen Medien räumen der Bekämpfung von Fake News über die Pandemie großen Raum ein. Das Portal „OKO.Press“ warnt vor den starken „Strudeln absurder Theorien“, die viele Menschen mitreißen könnten, und zitierte unter anderem die EU-Analyseeinheit „StratCom Task Force“, die Fake News russischer Herkunft beobachtet. (gna.)

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