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Gewalt gegen Schwarze : Alle vier Polizisten im Fall George Floyd angeklagt

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Bei Protesten in Los Angeles halten Demonstrierende ein Plakat des mutmaßlich von einem Polizisten ermordeten George Floyd hoch. Bild: AFP

Der Hauptverdächtige muss sich nun wegen Mordes zweiten Grades vor Gericht verantworten. Seinen drei früheren Kollegen wird Mittäterschaft vorgeworfen. Das Opfer soll mit dem Coronavirus infiziert gewesen sein.

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          Die Justiz verschärft ihre Gangart gegen die beteiligten Beamten im Fall Floyd deutlich. Die Staatsanwaltschaft im Bundesstaat Minnesota klagte am Mittwoch drei weitere an Floyds Festnahme beteiligte ehemalige-Polizisten wegen Mittäterschaft an und ließ sie festnehmen. Die Anklage gegen den Polizisten, der für den Tod Floyds verantwortlich gemacht wird, wurde verschärft. Ihm droht nun eine deutlich längere Haftstrafe. Die vier waren nach Bekanntwerden des Vorfalls umgehend entlassen worden.

          Der Hauptverdächtige muss sich nun wegen Mordes zweiten Grades vor Gericht verantworten, wie aus dem Haftbefehl hervorgeht. Darauf stehen in Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Zudem wird ihm auch Mord dritten Grades vorgeworfen, worauf bis zu 25 Jahre Haft stehen. Außerdem wirft ihm die Justiz noch Totschlag vor, wofür ihm zehn Jahre Haft drohen könnten. Zuvor war ihm nur Mord dritten Grades und Totschlag vorgeworfen worden. Den drei früheren Polizisten, die an der Festnahme Floyds am Montag vergangener Woche ebenfalls beteiligt gewesen waren, wird nun Mittäterschaft in einem Mordfall zweiten Grades vorgeworfen. Damit droht auch ihnen bei einer Verurteilung eine lange Haftstrafe.

          Der Anwalt von Floyds Familie, Benjamin Crump, begrüßte die Ankündigung der Justiz. Die Familie sei dankbar, dass nun alle vier Ex-Polizisten angeklagt und festgenommen seien, erklärte er auf Twitter. Die Angehörigen hatten dies seit Tagen gefordert.

          Floyd hatte Covid-19

          Bei der brutalen Festnahme des 46 Jahre alten Floyd hatte sich der hauptverdächtige Polizist acht Minuten lang mit dem Knie auf das Genick seines Opfers gestützt. Die auf Video aufgenommene Tat verteilte sich anschließend über soziale Netzwerke und löste weltweit Proteste gegen Polizeigewalt gegen Schwarze aus.

          Der Getötete war einer offiziellen Autopsie zufolge mit dem Coronavirus infiziert. Floyds Infektion stand jedoch nicht in Zusammenhang mit seinem Tod, zumal sie seit April bekannt war und er „höchstwahrscheinlich“ keine Symptome mehr hatte, hieß es in dem am Mittwochabend veröffentlichten Autopsiebericht. Floyds Familie habe der Veröffentlichung zugestimmt. Floyd war ursprünglich festgenommen worden, weil er verdächtigt wurde, mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben.

          Militärpolizisten und Sicherheitskräfte von Bundesbehörden zeigten am Mittwoch angesichts eines neuen Massenprotests nahe dem Weißen Haus massiv Präsenz. Mindestens 2200 Gardisten seien auf den Straßen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Kräfte bildeten einen Ring um den gegenüber vom Weißen Haus gelegenen Lafayette-Park. Die Nationalgarden von South Carolina und Utah waren mit Kräften vertreten. Personal der für die Verwaltung der Bundesgefängnisse zuständigen Behörde BOP war zu sehen, ebenso wie Agenten der Strafverfolgungsbehörde für den Kampf gegen Drogenkriminalität (DEA) sowie des FBI-Geiselrettungsteams und des Secret Service.

          Tausende Menschen protestierten den sechsten Abend in Folge gegen rassistische Polizeigewalt. „Wir gehen nirgendwo hin“, skandierten die Demonstranten. Zu Tausenden knieten sie nieder und sangen das Kirchenlied „Amazing Grace“, während Bereitschaftspolizisten in Kampfausrüstung die Menge im Auge behielten.

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