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Nachruf : Theologe Eberhard Schockenhoff gestorben

Eberhard Schockenhoff 1953-2020 Bild: KNA

Zuletzt arbeitete der renommierte Theologe Eberhard Schockenhoff an einem Buch über die katholische Sexualmoral. Er konnte es nicht mehr fertigstellen. Am Samstag starb er an den Folgen eines Unfalls.

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          Vor kaum vier Wochen sollte der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff mit dem Staatsrechtslehrer Christian Waldhoff über ethische und politische Dimensionen der Corona-Krise diskutieren – eine Veranstaltung, die dem Wissenschaftler, 1953 in Stuttgart geboren und 1978 in Rom zum Priester geweiht, wie auf den Leib geschneidert gewesen wäre.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Denn der Radius von Schockenhoffs Denken und Handeln war stets viel weiter, als es die Bezeichnung seines Lehrstuhls nahelegte: Die Moraltheologie, die er an der Universität Freiburg seit 1994 lehrte und für die er auch 15 Jahre lang im Nationalen und späteren Deutschen Ethikrat eintrat, stand in der Tradition seiner Tübinger Lehrer Alfons Auer und Walter Kasper: christlicher Glaube als kritisierender, integrierender und stimulierender Horizont sittlichen Handelns. Aus dieser Überzeugung entwickelte Schockenhoff immer wieder neu Positionen, die ihn zu einem gesuchten Theologen machten. Auf dem Feld der Friedensethik war er zuletzt ebenso versiert wie auf dem der Medizinethik.

          Was er den deutschen Bischöfen im März 2019 vorgetragen hatte, sollte bald in einem Buch dargelegt werden: Die katholische Sexualmoral habe schon vor der Missbrauchskrise an Akzeptanz verloren, weil ihre Postulate an den Erkenntnissen verschiedener Humanwissenschaften über die Sinndimensionen menschlicher Sexualität keinen Rückhalt mehr hätten. Eberhard Schockenhoff hat die „Sexualethik“ nicht mehr fertigstellen können. Am Samstag ist er im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Unfalls gestorben.

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