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Neuer AfD-Chef Tino Chrupalla : Gaulands Junge

  • -Aktualisiert am

Der Neue: Tino Chruppalla, Bundessprecher der AfD Bild: dpa

Der 44 Jahre alte Handwerksmeister aus Sachsen stellt sich als Macher dar. Ob der neue Parteivorsitzende die verfeindeten Lager zusammenführen kann?

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          Er stamme aus Weißwasser, „dem Zipfel Schlesiens, der noch zu Deutschland gehört“, sagte Tino Chrupalla zu Beginn seines Auftritts auf dem AfD-Parteitag in Braunschweig. Wer annahm, der 44 Jahre alte Handwerksmeister aus Sachsen werde zu einem geschichtsrevisionistischen Exkurs ausholen, wurde allerdings enttäuscht. Chrupalla stellte sich als Macher dar, der schon früh eine Familie gegründet, ein Haus gebaut und eine Malerfirma mit sechs Angestellten aufgebaut hatte. Für die Partei sei es nicht nur gut, einen Mann aus dem Osten mit an der Spitze zu haben, sondern auch einen Nichtakademiker, der die Sorgen der kleinen Leute kenne. Mitreißend war diese Vorstellung nicht, aber sie passte zu dem Aufsteiger, der nach der Wiedervereinigung zwei Jahre in der Jungen Union war, danach noch CDU oder FDP wählte. Im zweiten Anlauf bezwang er seinen Mitbewerber Gottfried Curio, rund 55 Prozent der Delegierten stimmten für ihn.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Um den konservativen Teil der Bevölkerung zu gewinnen, brauche es keine scharfen Töne, befand Chrupalla. Das schrecke viele ab, besonders die Frauen, die ja den Männern so oft den Rücken freihielten. Mit Blick auf den Antisemiten Wolfgang Gedeon, der vor ihm geredet hatte, versprach er, als Vorsitzender werde er dafür sorgen, dass solche Leute nie wieder auf AfD-Parteitagen auftreten könnten. So präsentiert sich der Mann aus Sachsen allerdings nicht immer. Kürzlich beschimpfte er im Bundestag die Kanzlerin. Die empfinde keine Liebe zu Deutschland und habe in der FDJ „Herrschafts- und Zersetzungsstrategien“ gelernt, die sie immer noch anwende.

          In seiner Heimat fiel Chrupalla auch dadurch auf, dass er seine AfD-Mitstreiter schriftlich vor bestimmten Journalisten warnte. Zum ersten Mal für größere Aufmerksamkeit sorgte er vor zwei Jahren, als er im Wahlkreis Görlitz dem heutigen sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, damals Fraktionsvize der Union, das Bundestagsmandat abnahm. In Berlin wird er in der AfD-Fraktion dafür geschätzt, dass er offen mit allen redet und gut organisieren kann. Als die Fraktion in ein Finanzschlamassel geriet, sorgte Chrupalla wieder für geordnete Verhältnisse. Ob er mit seiner oft hemdsärmeligen Art auch in Talkshows bestehen kann, bezweifeln viele in der Partei.

          Der neue AfD-Vorsitzende ist kein Mitglied des rechtsradikalen „Flügels“, der im Osten in der AfD dominiert, aber er ist dort gut gelitten. Wieweit er die verfeindeten Lager vereinen kann, wird sich zeigen. Der neue Vorsitzende weiß, wem er seinen Aufstieg zum AfD-Chef allein zu verdanken hat: seinem Vorgänger Alexander Gauland. In der Bundestagsfraktion ist Gauland weiter sein Chef. Und der wird darauf aufpassen, dass sein Nachfolger nicht aus dem Ruder läuft.

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