https://www.faz.net/-gpg-a1nnm
Bildbeschreibung einblenden

Urteil in NS-Prozess : Der Mann auf dem Wachturm

Was konnte man sehen, was musste man sehen? Das Museum im Konzentrationslager Stutthof nahe Danzig Bild: AFP

Es gab viele Wege, im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig zu sterben. Systematisch wurden auch viele jüdische Gefangene getötet. Können Prozesse wie der gegen Bruno Dey helfen, ihre Geschichte weiter zu erzählen?

          11 Min.

          Als sie zum Konzentrationslager Stutthof kamen, dürfte den Verschleppten und Gefangenen schnell klar geworden sein, wo sie waren. Und was sie erwartet. Egal wie sie hierhergekommen sind: ob auf Ladeflächen von Lastern, oder in Waggons der Schmalspurbahn gepfercht. Oder woher: ob verschleppt aus dem nahen Danzig, ob als Kriegsgefangene aus Skandinavien oder als Juden deportiert aus den Gettos und Lagern in Osteuropa. Die meisten wurden vor das dunkle Holztor getrieben, geschlagen, getreten. Es ist der Eingang in das sogenannte Alte Lager von Stutthof, dem Kern, aus dem heraus das Konzentrationslager gewachsen ist, das Neue Lager, auch das sogenannte Juden-Lager.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Es wurde Todestor genannt. Hier mussten sie manchmal stundenlang warten, erzählt Danuta Ochocka. Sie dürften das Gebell der Wachhunde gehört haben, sie sahen die SS-Leute in ihren Uniformen. Es gibt Berichte von Überlebenden darüber. Danuta Ochocka steht vor dem alten Todestor, hier beginnt der Weg durch die Gedenkstätte. Ochocka arbeitet für das Museum. Die Männer in den Uniformen hätten den Neuankömmlingen schnell klargemacht, dass sie für sie nun keine Menschen mehr seien, sondern Nummern, erzählt sie. Dass sie alle Rechte verloren hätten und es keinen Weg mehr heraus gebe. Nur einen, durch den Schornstein, der noch heute am Ende des Alten Lagers zu sehen ist: er gehört zum Krematorium.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Die amerikanische Schriftstellerin Lily Brett

          Amerika in der Krise : Wie New York unter Trump und Corona leidet

          Donald Trump hat einen Grausamkeitskoeffizienten, der den größten Diktatoren zum Neid gereichen könnte, schreibt die Schriftstellerin Lily Brett. Über die Hoffnung der Amerikaner auf eine gerechtere Zukunft.
          Nahaufnahme einer Kanüle mit Tropfen und Spritze (Symbolbild)

          Entwicklung in Russland : „Wir können den Impfstoff früher zulassen“

          Russland will schon bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus präsentieren. Kirill Dmitrijew, Chef des Russian Direct Investment Fund, hat ihn an sich selbst erprobt – und glaubt, im September könnten die Massenimpfungen losgehen.