https://www.faz.net/-gpg-a3ggl

Corona-Krise : Vertrauen in den Staat nimmt deutlich zu

Kanzlerin Angela Merkel (CDU): In einer Umfrage ist der Anteil der Menschen, die den Staat für voll handlungsfähig halten, um 22 Prozentpunkte gestiegen – auch wegen der Corona-Krise. Bild: AFP

War in den letzten Jahren von einer Krise des Vertrauens in staatliche Institutionen die Rede, hat die Corona-Pandemie den Glauben an die Handlungsfähigkeit des Staates laut einer Studie wieder zurückgebracht.

          1 Min.

          Die Corona-Krise hat den Bürgern offenbar das Vertrauen in den Staat zurückgebracht. Das legen Zahlen nahe, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes (dbb) erhoben hat. In der jährlichen Bürgerbefragung ist der Anteil der Menschen um 22 Prozentpunkte gestiegen, die den Staat für voll handlungsfähig halten und in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen – von 34 auf 56 Prozent. Auf der anderen Seite sagen noch 40 Prozent der Menschen, die öffentliche Hand sei mit den Problemen überfordert. 2019 hatte noch eine deutliche Mehrheit (61 Prozent) diese negative Ansicht geteilt.

          Alexander Haneke

          Redakteur in der Politik.

          Der Umgang von Bund, Ländern und Kommunen mit der Pandemie scheint daher einen Trend umzukehren, der die letzten Jahre geprägt hatte: der langsamen Schwund des Vertrauens in die politischen Institutionen.

          Auffällig ist an den Ergebnissen, dass es beim Glauben an die Handlungsfähigkeit des Staates keinen Unterschied mehr zwischen Ost und West gibt; im Osten ist das Vertrauen um einen Prozentpunkt höher als im Westen. Auch zwischen den verschiedenen Altersgruppen ist das Vertrauen relativ gleichmäßig verteilt, allein die Gruppe der 45- bis 59-Jährigen fällt durch besonders großes Vertrauen auf (59 Prozent).

          Wie in den Jahren zuvor zeigt sich auch, dass das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates zunimmt, je höher der Bildungsstand ist (Hauptschule 44 Prozent gegenüber Abitur/Studium 61 Prozent). In den politischen Lagern sind die Werte bei Sozialdemokraten am höchsten (69 Prozent), knapp gefolgt von Anhängern der Grünen (69) und CDU/CSU (67), etwas weiter abgeschlagen folgt dann die FDP (55). Den Staat für überfordert halten dagegen viele Anhänger der Linken (57 Prozent) und vor allem der AfD (91 Prozent).

          Sorgen um die Schul- und Bildungspolitik

          Bei der Frage, mit welchen Aufgaben der Staat überfordert ist, rangiert die Schul- und Bildungspolitik mit 22 Prozent ganz vorne, wenngleich die Bürger offenbar viele unterschiedliche Probleme sehen. Die Sorge um die Folgen der Flüchtlingskrise steht mit 20 Prozent stabil an zweiter Stelle, die innere Sicherheit hingegen ist für viele kein so virulentes Problem mehr (14 statt 17 Prozent im Vorjahr). Dahinter folgen die sozialen Sicherungssysteme, die Rente und die Gesundheitsversorgung.

          Für die Erhebung befragte das Meinungsforschungsinstitut Forsa im August insgesamt 2006 repräsentativ ausgewählte Bürger.

          Topmeldungen

          Streit mit Macron : Erdogans Provokationen

          Die Provokationen des türkischen Präsidenten sind keine Ausrutscher, sie sind kalkuliert. Erdogan weiß, dass er mit Frankreich innenpolitisch mehr erreichen kann als mit Deutschland.
          Aufgebracht: Wieder haben Frauen in Warschau gegen die Verschärfung des Abtreibungsverbots demonstriert.

          Abtreibungsgesetz in Polen : „Die Revolution ist eine Frau“

          In Polen demonstrieren Tausende seit Tagen gegen das verschärfte Abtreibungsgesetz. Der Protest reicht sogar bis in die Gottesdienste. Welche Lager stehen einander hier gegenüber?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.